Ein spannendes Kopf-an-Kopfrennen lieferten sich zwei junge Kirchenmusiker, die sich um die Nachfolge des beliebten Kantors Helmut Franke beworben hatten, der im November 2015 verstorben ist. Zuerst gab es in der Lorenzkirche ein jeweils halbstündiges Orgelvorspiel der beiden Bewerber mit anschließendem Gemeindesingen, das von rund 70 evangelischen Christen besucht und mit viel Beifall bedacht wurde. Nichtöffentlich waren die Proben mit der Jugendband und der Kantorei.

"Insgesamt haben sich drei Frauen und sechs Männer auf die Stelle beworben, die schon im letzten Sommer bundesweit ausgeschrieben wurde", verriet Bezirkskantor Marius Mack dem SÜDKURIER. Es habe in der ersten Runde zunächst Bewerbungsgespräche gegeben, zwei der Kandidaten kamen in die engere Wahl. "Sie wurden von uns eingeladen, ihre künstlerischen Fähigkeiten zu präsentieren", informierte Mack.

Der Bezirkskantor gehört zur zwölfköpfigen Kommission, die den neuen Kantor für die evangelischen Kirchengemeinden vorschlägt. "Wir haben uns für Jochen Kiene entschieden", freute sich der erfahrene Kirchenmusiker. Das letzte Wort habe die badische Landeskirche, bei der die Kantoren seit 2016 angestellt werden. "Die Landeskirche will die Kirchengemeinden finanziell entlasten, die bis vor zwei Jahren ihre hauptamtlichen Kirchenmusiker selbst bezahlen mussten", erklärte Mack dazu.

"Ich freue mich sehr, dass die kantorenlose Zeit bald vorbei ist", betonte Friedemann Fritsch im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Pfarrer der Lorenzgemeinde ist er am meisten betroffen, denn die Hauptaufgabe des neuen Kantors wird ohne Zweifel die musikalische Leitung der Kantorei von St. Georgen sein. Weitere Aufgaben warten auf den künftigen Kantor in den umliegenden Kirchengemeinden, wozu auch der Orgeldienst gehört.

Vor allem aber freut sich Jochen Kiene, der als Sieger aus dem Auswahlverfahren hervorging. "Ich werde jetzt der Landeskirche vorgeschlagen und dann muss ich noch warten, bis mich der Oberkirchenrat in Karlsruhe zum Kantor ernennt", strahlt der 26-jährige Student. Er sei schon sehr gespannt auf seine neue Aufgabe als Kirchenmusiker in St. Georgen und Umgebung, wie er durchblicken lässt. Von der Kantorei zeigt er sich begeistert. "Die Sänger und Sängerinnen sind sehr fit und ich denke, dass wir in den nächsten Jahren musikalisch einiges gestalten können", schwärmt der erfolgreiche und qualifizierte Bewerber, dessen Anstellung voraussichtlich demnächst rechtskräftig wird.

 

Jochen Kiene

Geboren 1990 in Hamburg und an der Elbe aufgewachsen. Nach dem Abitur 2009 schloß er das Mathematik-Studium in Freiburg 2013 mit dem Staatsexamen ab. Danach zog der Hamburger nach Donaueschingen, um in der Musikhochschule von Trossingen das Musikstudium aufzunehmen. Noch in diesem Jahr will er als Kirchenmusiker und Schulmusiker seinen Abschluss erreichen. Nebenbei arbeitet er als Komponist, Chorleiter und Organist in Villingen und Allmendshofen. (kim)