15 Lehrer haben jetzt zwei Tage lang selbst die Schulbank gedrückt. Bei der Firma Imsimity lernten die Lehrkräfte den Umgang mit künstlicher Intelligenz und wie man das Lernmittel der Zukunft in den Unterricht einbauen kann.

Kooperation mit Intel

Der XR-Schulungsraum der Firma Imsimity im Technolgiezentrum (TZ) war das Klassenzimmer für 15 Lehrer des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums St. Georgen, des Fürstenberg-Gymnasiums in Donaueschingen und der Feintechnikschule in Villingen-Schwenningen. In Kooperation mit dem Halbleiter-Hersteller Intel werden die Lehrer in der Anwendung mit künstlicher Intelligenz geschult.

Deutschlandweit die ersten geschulten Lehrer

„Das sind die ersten Lehrer, die deutschlandweit in diesem Bereich geschult werden“, sagt Imsimity-Geschäftsführer Martin Zimmermann. Nicht ohne Stolz, dass der US-Konzern auf der Suche nach kompetenten Partnern auf das Unternehmen aus dem Schwarzwald aufmerksam wurde. Bislang sei das Projekt in Indien, Korea und Polen eingeführt worden.

Hoch konzentriert arbeiten die Lehrer im Schulungsraum der Firma Imsimity an ihren Laptops. Später sollen sie ihre Schüler im Bereich Künstliche Intelligenz unterrichten können.
Hoch konzentriert arbeiten die Lehrer im Schulungsraum der Firma Imsimity an ihren Laptops. Später sollen sie ihre Schüler im Bereich Künstliche Intelligenz unterrichten können. | Bild: Sprich, Roland

Intel wolle eruieren, welches Know-How Schüler im 21. Jahrhundert benötigten, um dann mit Partnerunternehmen passende Lösungen zu entwickeln. Dass die Firma Imsimity hier weit oben auf der Liste steht, ist kein Zufall. Das im TZ ansässige Unternehmen bietet Visualisierungslösungen mittels virtueller, erweiterter und gemischter Realität. Neben Anwendungen für Unternehmen ist Imsimity mit seiner Technologie seit Jahren auch als Vorreiter auf dem Bildungssektor unterwegs.

US-Chefetage macht sich selbst ein Bild vor Ort

Ein Mitarbeiter der amerikanischen Chefetage des Halbleiter-Herstellers machte sich persönlich ein Bild von Imsimity. Dabei habe ihn laut Zimmermann auch der neue XR-Schulungsraum überzeugt. „Und wohl auch die Tatsache, dass schon seit dem 19. Jahrhundert Technologien vom Schwarzwald in die Welt hinaus getragen wurden. Früher Kuckucksuhren, heute virtuelle Realitäten.“ Die Zusammenarbeit mit dem US-Konzern sei auch für die Region gut. „Es ist gut, dass das Silicon Valley nach St. Georgen kommt“, schmunzelt Zimmermann.

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Bevor Imsimity und Intel das Projekt Ende März auf der weltgrößten Messe für das Bildungswesen, der Didacta in Stuttgart, offiziell vorstellen, gab Zimmermann einen Einblick. „Intel hat zusammen mit Partnern ein komplettes Schulungsprogramm initiiert. Ziel ist es, die jungen Leute dahingehend zu motivieren, dass sie selbst KI-Lösungen erarbeiten“, so Zimmermann.

Die Software erkennt, dass der Zeichner, in diesem Fall Stefan Kambach vom Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen, ein Schaf zeichnen möchte. Auf solch spielerische Weise wird den Lehrkräften die Künstliche Intelligenz veranschaulicht.
Die Software erkennt, dass der Zeichner, in diesem Fall Stefan Kambach vom Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen, ein Schaf zeichnen möchte. Auf solch spielerische Weise wird den Lehrkräften die Künstliche Intelligenz veranschaulicht. | Bild: Sprich, Roland

Bevor die Schüler sich mit dem Thema im Unterricht auseinander setzen können, müssen die Lehrer geschult werden. Die 15 Lehrkräfte erarbeiteten das Thema auf spielerische Art. Aus rudimentär gezeichneten Objekten erkannte eine Software sofort, dass der Bediener ein Schaf, einen Hai oder einen Heißluftballon zeichnen wollte. Dabei glich sie die Zeichnung mit einer selbstlernenden Datenbank ab, einem künstlichen neuronalen Netz.

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Wie genau die Künstliche Intelligenz eines Tages in den Schulunterricht integriert werden wird, ist offen. Das müssen die Lehrer erst erarbeiten.

„Es gibt kein Schulfach Künstliche Intelligenz. Aber es gibt unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten für verschiedene Bereiche, darunter auch Ethik oder Religion“, so Imsimity-Geschäftsführer Zimmermann.

Neue Erfahrung für die Lehrkräfte

Für die Lehrer ist die zweitägige Schulung auf jeden Fall eine neue Erfahrung. „Die Arbeit mit Künstlicher Intelligenz hatten wir an der Schule so noch nicht“, sagt Jörg Zimmermann, Lehrer am Thomas-Strittmatter-Gymnasium. Vereinzelt würden bereits Schüler auf das Thema ansprechen. „Jetzt müssen wir schauen, wie wir die Aspekte in den Unterricht einbauen.“

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