Nicht auf Wahlkampftour, "sondern zum Fachgespräch", wie er betonte, war der Minister für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg, Manfred Lucha (Grüne), auf Besuch bei der evangelischen Altenhilfe. Zusammen mit der Grünen-Landtagsabgeordneten Martina Braun, Bundestagskandidat Volker Görz und Isolde Grieshaber vom Kreisvorstand hörte sich der Sozialminister die Sorgen und Nöte an, die Geschäftsführer und Mitarbeiter der evangelischen Altenhilfe im Lorenzhaus in Sachen Pflegefinanzierung vortrugen.

Markus Schrieder, Geschäftsführer der evangelischen Altenhilfe und Heimleiter im Lorenzhaus, hatte ein dickes Paket geschnürt und zeigte dem Minister auf, wo in der Pflege der Schuh drückt. "Im stationären Bereich sind wir die Verlierer dieser Legislaturperiode", sagte er. Und hob auf die Aussagen im Parteiprogramm der Bündnisgrünen ab, die sich für die Stärkung der Pflege im häuslichen Bereich stark machen. Die Stärkung von pflegenden Angehörigen, die mit 70 Prozent das Rückgrat im Pflegebereich in Deutschland seien, sei grundsätzlich der richtige Ansatz. Schrieder appellierte, deswegen aber die stationäre Pflege nicht zu vergessen: "Wir werden immer Pflegeheime brauchen."

Sozialminister Manfred Lucha von Bündnis 90/Die Grünen (Zweiter von links) hört sich die Nöte der Pflegeprofis aufmerksam an. Die Kassen seien voll wie nie, das Geld müsse auch eingesetzt werden, war er sich mit der Geschäftsführung der evangelischen Altenhilfe einig. Rechts neben Lucha Grüne-Landtagsabgeordnete Martina Braun, daneben Bundestagskandidate Volker Görz. Links Isolde Grieshaber vom Kreisvorstand. Bild: Roland Sprich
Sozialminister Manfred Lucha von Bündnis 90/Die Grünen (Zweiter von links) hört sich die Nöte der Pflegeprofis aufmerksam an. Die Kassen seien voll wie nie, das Geld müsse auch eingesetzt werden, war er sich mit der Geschäftsführung der evangelischen Altenhilfe einig. Rechts neben Lucha Grüne-Landtagsabgeordnete Martina Braun, daneben Bundestagskandidate Volker Görz. Links Isolde Grieshaber vom Kreisvorstand. Bild: Roland Sprich

Einen weiteren wunden Punkt schnitt Schrieder mit der Finanzierung sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich an. "Die Leistungen im ambulanten Bereich nach dem Sozialgesetzbuch 5 sind nach wie vor nicht kostendeckend", bemängelte er. Allein die Fahrtkostenerstattung decke den Aufwand nicht. "Auf einen Hof im Außenbereich zu fahren, um einem Patienten eine Spritze zu geben, ist im Prinzip nicht mehr drin", bestätigte auch Sonja Heinzmann, Leiterin des Sozialdienstes. Ebenso sei es im Bereich Tagespflege, deren Bedarf kontinuierlich steige. Wenn hier Tagesgäste zuhause abgeholt werden, sei dies ebenfalls nicht kostendeckend.

Auch im stationären Bereich explodieren die Kosten, dennoch könne die Pflegebetreuung längst nicht so intensiv gewährgeleistet werden wie von Mitarbeitern, Bewohnern und Angehörigen gewünscht. Trotz des vom Bewohner zu leistenden Eigenanteils von inzwischen 2500 Euro monatlich gebe es hier eine Unterdeckung. "Es gibt in Deutschland kein größeres Risiko, pleite zu gehen, als in ein Pflegeheim zu kommen", verdeutlichte Schrieder, dass hier innerhalb weniger Monate ein kleines Vermögen aufgebraucht werde.

Der Sozialminister verstand die Nöte der Pflegeprofis und stimmte zu, dass in den von Schrieder angesprochenen Bereichen Nachbesserungsbedarf bestehe. Die Voraussetzungen hierfür seien derzeit gut: "Wir haben so viel Geld in den Gesundheitskassen wie nie, das muss auch eingesetzt werden." Dank der vollen Kassen könnten jetzt Strukturen aufgebaut werden. Er war sich auch einig, dass wohnortnahe Angebote gestärkt und auch der ambulante Pflegebereich besser ausgestattet werden müsse: "Gute Pflege geht nur, wenn es den Pflegenden gut geht."

Bezugnehmend auf die hohen Kosten und steigenden Eigenanteile sagte Lucha aber auch, dass die gesetzliche Pflegeversicherung keine Vollkaskoversicherung sei. "Man muss den Menschen klarmachen, dass sie sich frühzeitig Gedanken um Alters- beziehungsweise Pflegevorsorge machen. Und dass für den letzten Lebensabschnitt noch etwas übrig bleiben muss."

Ältere im Fokus

Landtagsabgeordnete Martina Braun und der Bundestagskandidat Volker Görz bekräftigten bei dem Termin, dass die Fürsorge um die älteren Bewohner ein wichtiges Anliegen im ländlichen Raum sei. "Wir sind daran interessiert, wie es unseren älteren Mitmenschen geht", sagte Braun. (spr)