Herr Beißwenger, Sie werden Superintendent, eine Stelle die man als Regionalbischof bezeichnen kann. Ist das eine Stelle, für die man sich bewirbt?

Prinzipiell haben wir in unserer Kirche das sogenannte Berufungsverfahren. Das heißt, der Bischof beruft. Im Voraus laufen normalerweise Gespräche, etwa in den Gemeinden. Aber letztendlich fällt der Bischof die Entscheidung. Weil mein Vorgänger überraschend aus dem Amt ausgeschieden ist, musste dieses Amt relativ zeitnah und auf etwas anderem Weg besetzt werden. Im Regelfall gibt es eine Urwahl auf der großen Konferenz, aufgrund deren Ergebnis der Bischof beruft. In diesem Fall hat Bischof mit verschiedenen Personen Gespräche geführt. Eine davon war ich.

Ein beruflicher Wechsel stand aber ohnehin an?

Ich bin jetzt neun Jahre hier in St. Georgen. Aufgrund der schulischen Situation unserer Kinder war es klar, dass wir entweder 2019, 2020 gehen oder richtig lange bleiben, bis sie aus der Schule sind. Das allerdings wäre für unsere Kirche ungewöhnlich gewesen. So kommt die Änderung für mich und die Gemeinde eigentlich ein Jahr zu früh.

Welche Zuständigkeit werden Sie in der neuen Position haben?

In Deutschland haben wir einen Bischof und zehn Superintendenten, die als Regionalbischöfe zuständig sind. Mein Bereich als Superintendent für den Distrikt Reutlingen umfasst 27 Bezirke mit einer Vielzahl von Gemeinden von Ulm bis Freiburg und von Nagold bis an den Bodensee. Er deckt einen Teil von Baden-Württemberg ab.

Haben Sie künftig noch Möglichkeiten der seelsorgerischen Arbeit mit den Menschen?

Die spannungsvolle Aufgabe im neuen Amt ist, dass man einerseits Vorgesetzter der Pastoren und gleichzeitig ihre Vertrauensperson bei Sorgen und Nöten ist. Das ist nicht ganz einfach. Ansonsten gibt es die Bezirkskonferenzen, die der Superintendent leitet. Ich fahre also viel über die Lande. Jeden Sonntag gibt es auch einen Besuchssonntag, an dem ich predigen werde.. Das wird ein bisschen das Fenster zu den Gemeinden sein. Da werde ich spüren, wie die Menschen ticken. Aber klar, Basisarbeit mache ich nicht mehr. Das wird mir fehlen.

Wann geht es los in der neuen Position?

Am 29. Juli findet mein Einführungsgottesdienst statt. Davor werden in St. Georgen und Schramberg die Verabschiedungen stattfinden. Wo mein Dienstsitz sein wird, ist nicht besonders wesentlich. Ich fahre ohnehin viel.

Wie hat Ihre Familie Ihre Berufung aufgenommen?

Wir haben kurz vor Weihnachten die Anfrage bekommen und hatten als Paar und als Familie über die Feiertage viel Zeit darüber nachzudenken. Wenn meine Frau, die ja in meiner bald noch häufigeren Abwesenheit manches kompensieren muss, kein Ja gefunden hätte, hätte ich es nicht gemacht. Die Kinder gehen bisher relativ entspannt mit dem Thema um. Es war ihnen aber klar, dass wir hier wahrscheinlich nicht ewig bleiben werden.

Schauen wir auf Ihre Arbeit in St. Georgen. Was ist in dieser Zeit besonders gelungen?

Für mich war der Weg hin zum Café Bohnenheld ein ganz klares Highlight. Das war ja auch für die Gemeinde eine große Entscheidung zu sagen: Wir verlassen unser Kichengebäude und versuchen so niederschwellig wie möglich an die Leute heranzugehen. Etwa besonders ist es, dass dieses Modell seit vier Jahren von Menschen und Mitarbeitern getragen wird. Insgesamt bin ich dankbar für die Zusammenarbeit hier in der Gemeinde. Ein Pastor braucht die Menschen, die seine Ideen mittragen. Sonst geht da gar nichts. Auch innerhalb der Ökumene hier in St. Georgen besteht ein gutes Verhältnis. Die Tatsache, dass wir in der Umbauphase im katholischen Franziskusheim sein dürfen, sehe ich mit großer Dankbarkeit.

Was möchten Sie in St. Georgen noch vollenden?

Der Kirchenbau ist das eine große Projekt. Den würde ich gerne noch abschließen. Wir hoffen, dass wir die Taborkirche im Juni einweihen können. Ansonsten sollte der Übergang reibungslos vonstattengehen.

Ist nach Ihrem Wechsel mit einer Vakanz zu rechnen?

Unsere Kirche hat keinen Überschuss an Pastorinnen und Pastoren. Von daher gibt es immer wieder Vakanzen, also unbesetzte Stellen. Die Schwierigkeit ergibt sich aus dem außerplanmäßigen Ausscheiden meines Vorgängers. Jetzt ist der ganze Prozess sehr kurzfristig verlaufen und die Versetzungsrunden sind schon abgeschlossen. Damit wäre eine Vakanz keineswegs unwahrscheinlich. Bisher ist noch nichts geklärt. Vielleicht gibt es eine Teilvakanz, das heißt ein Nachfolger arbeitet schon zeitweise in der neuen Gemeinde. Vielleicht wird auch schnell ein Nachfolger für mich gefunden.

Wie wurde in der Gemeinde die Nachricht aufgenommen?

Erstmal würde ich sagen, dass sich viele für mich freuen. Sie haben mir gratuliert und gesagt, dass sie mir das zutrauen. Das tut, gut, denn ich habe großen Respekt vor dem, das da kommt. Ein paar Leute sagten sogar, dass ihnen das eh klar gewesen sei, dass ich mal weiter gehen. Mir war das nicht klar. Bei vielen kommt das Gefühl dazu, dass ich zu früh gehe.

Fragen: Jens Wursthorn

Pastor und Freikirche

  • Tobias Beißwenger übernimmt Ende Juli das Amt des Superintendenten der Evangelisch-methodistischen Kirche für den Distrikt Reutlingen. Der 44-Jährige wird Nachfolger von Johannes Knöller, der diese Funktion sieben Jahre ausübte. Während drei Jahren als Gemeindepastor in Mössingen bei Reutlingen und weiteren fast neun Jahren im Schwarzwald hat sich Beißwenger im Nebenamt auch als Beauftragter für Kirchlichen Unterricht innerhalb der Evangelisch-methodistischen Kirche eingebracht. Dabei wirkte er maßgeblich an einer fünfjährigen Studie mit, in der europaweit in ökumenischer Zusammenarbeit der Konfirmandenunterricht untersucht wurde. Tobias Beißwenger ist mit Michaela Conzelmann verheiratet. Sie haben drei Kinder im Alter zwischen sieben und elf Jahren.
  • Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) ist eine Freikirche. Weltweit gehören über 80 Millionen Kirchen methodistischer Tradition an. Die EmK zählte in Deutschland Ende 2016 50 944 Kirchenglieder und Kirchenangehörige. 295 Pastorinnen und Pastoren kümmern sich in neun Distrikten um 473 Gemeinden in 235 Bezirken. Im hiesigen Bezirk mit den Gemeinden St. Georgen und Schramberg kümmert sich Pastor Beißwenger um etwa 150 Menschen. (wur)

Person und Freikirche

  • Tobias Beißwenger übernimmt Ende Juli das Amt des Superintendenten der Evangelisch-methodistischen Kirche für den Distrikt Reutlingen. Der 44-Jährige wird Nachfolger von Johannes Knöller, der diese Funktion sieben Jahre ausübte. Während drei Jahren als Gemeindepastor in Mössingen bei Reutlingen und weiteren fast neun Jahren im Schwarzwald hat sich Beißwenger im Nebenamt auch als Beauftragter für Kirchlichen Unterricht innerhalb der Evangelisch-methodistischen Kirche eingebracht. Dabei wirkte er maßgeblich an einer fünfjährigen Studie mit, in der europaweit in ökumenischer Zusammenarbeit der Konfirmandenunterricht untersucht wurde. Tobias Beißwenger ist mit Michaela Conzelmann verheiratet. Sie haben drei Kinder im Alter zwischen sieben und elf Jahren.
  • Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) ist eine Freikirche. Weltweit gehören über 80 Millionen Kirchen methodistischer Tradition an. Die EmK zählte in Deutschland Ende 2016 50 944 Kirchenglieder und Kirchenangehörige. 295 Pastorinnen und Pastoren kümmern sich in neun Distrikten um 473 Gemeinden in 235 Bezirken. Im hiesigen Bezirk mit den Gemeinden St. Georgen und Schramberg kümmert sich Pastor Beißwenger um etwa 150 Menschen. (wur)