Gastronomie ist in der Bergstadt eine Familienangelegenheit. Das wird deutlich, wenn man sich in den verschiedenen Betrieben in St. Georgen umhört. Ob Café, Restaurant oder Bistro, überall stecken die Mitarbeiter nicht nur eine Menge Arbeit und Kreativität hinein, sondern auch Herzblut und zwischenmenschliches Engagement. Fast geht dabei unter, dass die Menschen damit ihren Lebensunterhalt verdienen, wozu aber wegen der oft niedrigen Löhne immer weniger bereit sind. Wir haben in einigen Gastronomiebetrieben nachgefragt, wie die Situation vor Ort zwischen Existenznot und entspannter Stimmung aussieht.

  • Eis-Café Cristallo: Die Sorgen sind Luis Pinto nicht anzusehen, und trotzdem sind sie da. „In St. Georgen findet man schon lange niemanden mehr, der im Service arbeiten will“, lautet sein Urteil zur Personalsituation im Gastronomiegewerbe. Vor knapp zehn Jahren, als er mit seinem Geschäftspartner Jorge Gomes das Eis-Café eröffnet hatte, sei dies noch kein Problem gewesen. „ Aber heute kommen manche hierher, arbeiten einige Tage und gehen dann wieder, weil es ihnen zu anstrengend ist“, sagt Pinto. Derzeit beschäftige er zwar vormittags eine Aushilfe und einen Praktikanten, aber der Großteil der Arbeit bleibe an ihm hängen. Bei Regenwetter sei das noch zu bewältigen, aber im Sommer, wenn viele Gäste kommen, gerate er an seine Grenzen. „Wenn da nicht die Familie mithelfen würde, müsste ich praktisch 24 Stunden durcharbeiten.“ Und es könnte noch schlimmer kommen, befürchtet er: „Wenn erst die Stadtkernsanierung losgeht, kommen wahrscheinlich nur noch halb so viele Gäste“, so Pinto. „Wie es dann weitergeht, weiß ich noch nicht.“
Mutter und Tochter sind hier auch Arbeitskolleginnen: Nalan Baysal (links) und Dilara Baysal arbeiten beide im Bistro BM an der Gerwigstraße.
Mutter und Tochter sind hier auch Arbeitskolleginnen: Nalan Baysal (links) und Dilara Baysal arbeiten beide im Bistro BM an der Gerwigstraße. | Bild: Rolf Hohl
  • BM Bistro: Ein gänzlich anderes Bild zeigt sich im Bistro BM, eingeklemmt zwischen Gerwig- und Hauptstraße. Alles andere als beklemmend ist dort nämlich die Personalsituation, wie die Mitarbeiterin Dilara Baysal sagt: „Wir hatten bisher nie Schwierigkeiten, neue Leute zu finden. Meistens haben wir diese über persönliche Kontakte gefunden.“ Ihre Mutter, Nalan Baysal, arbeitet schon wesentlich länger hier, und wurde gleich weiterbeschäftigt, als Gamze Celik vor zwei Jahren die Leitung des Bistros übernommen hatte. Diese wiederum sei eine gute Freundin von ihr, und so habe sie schließlich auch hier angefangen, schildert Dilara Baysal. In dem nun sechsköpfigen Service-Team des Bistros herrsche nicht zuletzt deshalb, weil sich alle schon jahrelang kennen, eine familiäre Atmosphäre, erklärt sie.
  • Pizzeria Bei Bani: Momentan sei auch bei ihm die Situation gut, sagt Inhaber Shaban Murseli. „Wenn wir trotzdem einmal Leute brauchen, dann rekrutieren wir am liebsten aus der Familie.“ Ansonsten melde er sich jeweils beim Arbeitsamt, die dann Arbeitssuchende schicken, damit sei man bisher gut gefahren, wie er betont. Im Service arbeiten in der Pizzeria derzeit zwei Aushilfen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.
  • Gasthaus Krone: Selma Kazazic führt zusammen mit ihrem Mann Hajro das Lokal an der Hauptstraße. Meist kämen sie alleine gut zurecht, wie sie sagt. Entsprechend seien sie derzeit auch nicht auf der Suche nach neuen Arbeitskräften. „Mein Mann ist in der Küche, ich mache den Service. Und wenn wir einmal jemanden zusätzlich brauchen, fragen wir in der Familie und bei Bekannten nach, ob sie Zeit haben. Ihr Motto ist so pragmatisch wie effektiv: „Man braucht einfach eine gute Organisation, dann klappt das.“
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  • Restaurant Kippys: Differenzierter stellt sich die Lage derweil im Restaurant Kippys bei der Sammlung Grässlin dar. Hier arbeiten zwei Teams, eines für den Mittagstisch und eines in den Abendstunden. „Mittags sind wir bisher sehr gut aufgestellt“, sagt Personalchefin Sabine Grässlin, „aber abends ist es schwieriger, da arbeiten wir oft mit Aushilfen.“ Weil kaum jemand noch bis in die späten Abendstunden arbeiten wolle, sei es gerade da problematisch, neues Personal zu finden. „Meist funktioniert das über persönliche Kontakte mit Leuten, die sich woanders schon bewährt haben“, erklärt Grässlin. Was das nämlich bedeutet, wenn ein Team richtig gut funktioniert, sei am Mittagstisch zu sehen. Seit sieben Jahren arbeiten dort dieselben Servicekräfte zusammen. „Wenn da jemand geht, dann in Rente“, sagt die Chefin. Entsprechend groß wäre aber auch die Lücke, die langjährige Mitarbeiter dort hinterlassen würden, wie Grässlin betont. „Wir kochen, putzen und spülen zusammen. Am Mittag kommen jeweils um die 60 Leute hierher, da müssen alle genau wissen, was zu tun ist.“ Das Problem des Personalmangels, das viele Gastronomiebetriebe teilweise in existenzielle Not bringt, hängt ihrer Meinung nach mit der nicht gerade üppigen Bezahlung in dem Sektor zusammen. „Auf dem Land gibt es viele Dorfkneipen nicht mehr, weil sie keine Leute mehr finden und schließen müssen“, mahnt Grässlin. Dabei hätten sie doch eine wichtige Funktion in der Gemeinschaft: „Gastronomie„, sagt sie, „bringt die Menschen zusammen.“