Seit vielen Jahren haben vier interkulturelle Vereine ihre Vereinsstätte im städtischen Gebäude Hauptstraße 18, auch bekannt als "Roter Löwen". Jetzt haben der jugoslawische, der türkische und der spanische Verein sowie das italienische Zentrum ein Nutzungsverbot erhalten. Sie dürfen die Räume ab sofort nicht mehr betreten und sitzen quasi von einem Moment auf den anderen auf der Straße.

Bürgermeister Michael Rieger bestätigt auf SÜDKURIER-Anfrage, dass die vier Vereine den "Roten Löwen" ab sofort nicht mehr betreten dürfen. Und nennt auch den Grund dafür. "Das Landratsamt hat bei einer routinemäßigen Brandverhütungsschau erhebliche Sicherheitsmängel festgestellt. Insbesondere wurden fehlende Flucht- und Rettungswege bemängelt." Das bestehende Treppenhaus biete aufgrund verschiedener und erheblicher Mängel, unter anderem wegen offenliegender Stromleitungen und Lagerung von brennbaren Materialien keinen ausreichenden Schutz bei einem Notfall. Deshalb untersagte das Landratsamt ab sofort die weitere Nutzung der Räumlichkeiten durch die Vereine, bis die Mängel behoben sind.

Solche offenliegenden Stromverkabelungen im Treppenhaus des "Roten Löwen" veranlasste das Landratsamt, die Nutzung durch die Vereine sofort zu untersagen.
Solche offenliegenden Stromverkabelungen im Treppenhaus des "Roten Löwen" veranlasste das Landratsamt, die Nutzung durch die Vereine sofort zu untersagen. | Bild: Sprich, Roland

Zu einer Mängelbeseitigung durch die Stadt wird es nicht kommen. Wie Bürgermeister Rieger erläutert, wurden die Vereine bereits vor einigen Wochen darüber informiert, dass der "Rote Löwen" im Zuge der Innenstadtsanierung saniert und anschließend anders genutzt werden soll. Spätestens Mitte nächsten Jahres hätten die Vereine ohnehin ausziehen müssen. "Wir haben die Vereine Mitte Juni bereits informiert, dass ihnen die Räume nach einer Sanierung des Gebäudes nicht mehr zur Verfügung gestellt werden können." Dass die Nutzungsuntersagung bedingt durch die Brandverhütungsschau jetzt sehr kurzfristig erfolgte, bedauert Rieger.

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Die betroffenen Vereine fühlen sich überrumpelt. "Uns wurde gekündigt, ohne dass die Stadt uns eine Alternative angeboten hat", sagt Bozidar Mudrinic, Sprecher des jugoslawischen Vereins. Er befürchtet, dass sich die Gruppe auflösen könnte, wenn sie keinen Treffpunkt mehr haben. "Auch ist nicht sicher, ob wir dann künftig noch beim Stadtfest mitmachen können, falls wir den Stand nicht mehr unterbringen und diesen weggeben können."

José Antonio Meis, Vorsitzender des spanischen Vereins, nimmt es eher gelassen. "Da kann man nichts machen. Das Gebäude ist ja schon sehr marode." Genutzt wurde der Raum des spanischen Vereins zuletzt ohnehin nur noch von den Rentnern, die sich sonntags für ein paar Stunden in geselliger Runde trafen.

Bild: Sprich, Roland

Den Vorwurf, dass die Stadt den Vereinen keine Alternative biete, will Rieger so nicht stehen lassen. "Die Situation ist für die Vereine sicher bedauerlich. Aber welchen Anspruch hat ein Verein, von der Stadt einen Raum zu verlangen? Wir haben 80 Vereine, wenn jeder auf die Stadt zukommt, um einen Raum zu verlangen, wie soll die Stadt so etwas gewährleisten." Die Stadt sei gerne bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten behilflich. "Aber anmieten müssen die Vereine die Räume selbst."

Ein im "Roten Löwen" eingerichteter Blumenladen ist von der Nutzungsuntersagung nicht betroffen, da hier der Fluchtweg ebenerdig ins Freie führt.

Bild: Ganter, Patrick