Erstmals in seiner fast 100-jährigen Geschichte übernimmt der St. Georgener Obst- und Gartenbauverein die Pflege eines vereinseigenen Schrebergartens. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung haben sich zwei Drittel der Mitglieder dafür ausgesprochen, einen Schrebergarten am Großbauernweg zu pachten. Dieser soll für Lehrgänge ebenso genutzt werden wie für die Gewinnung neuer, junger Mitglieder.

Angebot für alle ohne eigenen Garten

Dieter Weißer, der den Verein gemeinsam mit Hilde Neininger leitet, erklärt, wofür der Obst- und Gartenbauverein einen eigenen Schrebergarten haben möchte. "Eigentlich brauchen wir keinen Nutzgarten. Unsere Mitglieder haben ja ihre eigenen Gärten, die sie pflegen." Vielmehr dient der Garten hinter dem Bahnhof insbesondere der Gewinnung neuer Mitglieder.

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Weißer: "Es gibt immer Menschen, die durchaus Interesse, aber keine Möglichkeit haben, einen eigenen Garten oder ein Beet anzulegen. Etwa, weil sie in einem Mietshaus wohnen." Diese Menschen könnten hier ein eigenes kleines Beet anlegen und darauf ihr eigenes Gemüse anbauen. Das Ziel, das der Verein damit verfolgt, ist, das eine oder andere neue Vereinsmitglied zu gewinnen und den Verein so auch zu verjüngen. Zudem kann der Schrebergarten für Lehrgänge und Schulungen oder auch für Vereinszusammenkünfte könnte er genutzt werden.

Rund 700 Quadratmeter groß ist der terrassenartig angelegte Schrebergarten, der einem Vereinsmitglied gehört und der bisher verpachtet war. Da der bisherige Pächter das Gelände zurückgibt, bietet sich für den Verein die Gelegenheit.

Gartengestaltung ist wieder im Trend

"Man muss etwas tun, um auf sich aufmerksam zu machen", sagt Dieter Weisser, der zuversichtlich ist, dass das Angebot, Menschen die Gelegenheit zum "garteln" zu geben, auf große Resonanz stoßen wird. "Das ist derzeit ein Trend." Zumal Weißer einen großen Vorteil gegenüber dem eigenen Garten zu Hause nennt. "Manche Menschen haben Bedenken, dass der Garten etwa bei längerer Abwesenheit im Urlaub vernachlässigt wird. Im Schrebergarten des Obst- und Gartenbauvereins könnte dann jemand die Pflege während des Urlaubs übernehmen."

Interessenten können sich bei Dieter Weisser, Tel. 07724 / 2944, oder Hilde Neininger, Tel. 07724 / 91080 melden.

Die Geschichte der Schrebergärten

Heute dienen Schrebergärten in erster Linie der Erholung und der Möglichkeit der gärtnerischen Betätigung. Doch ursprünglich hatten sie einen anderen Zweck

  • Armut als Auslöser: Die Geschichte der Kleingärten hat ihre Anfänge im Beginn des 19. Jahrhunderts. Durch die Industrialisierung und einen starken Bevölkerungszuwachs wuchs das Heer der Armen. Einige wohlhabende Menschen legten deshalb Armengärten an. Hier konnten die Armen ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen.
  • Daniel Schreber: Benannt sind Schrebergärten nach dem Leipziger Arzt und Pädagogen Daniel Gottlob Moritz Schreber. Dieser hatte mit den Gärten allerdings nichts zu tun. Vielmehr engagierte er sich für die sportliche Integration von schwächlichen und gebrechlichen Kindern.
  • Schrebergarten: Ein nach dem Arzt benannter "Schreberplatz" wurde 1865 in Leipzig eingeweiht. Auf der zunächst nur als Spielweise genutzten Fläche entstand später der gärtnerische Aspekt, um Kindern eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit zu bieten. Die Gärten fanden großen Anklang bei Familien. Die Beete wurden umzäunt und in Parzellen unterteilt. Der Schrebergarten war geboren.