Die Sanierung der Innenstadt ist eines der größten Projekte der nächsten Jahrzehnte. Neben dem Rathaus sollen unter anderem auch der Marktplatz und die darunter liegenden, baufälligen Tiefgaragen instand gesetzt werden. Ein Großteil der Arbeiten wird unter der Erde vonnöten sein, denn die Tiefgaragen sind nicht nur zentraler Bestandteil des gesamten Komplexes, sondern auch das Fundament für die Gebäude der Innenstadt. Am Mittwoch war Architektin Sabine Schneider vom St. Georgener Architekturbüro Schneider im Gemeinderat zu Gast, um über die Gemeinderäte über die Pläne für das neue "Parkhaus Stadtmitte" zu informieren.

  • Kosten in zweistelliger Millionenhöhe: Für die Rathaustiefgarage beläuft sich die geschätzte Sanierungssumme auf 5 373 068 Euro. Die Instandsetzung der Marktplatzgarage wird mit 4 332 691 Euro beziffert. Hinzu kommen noch die Kosten für die Renovierung der Posttiefgarage. Diese wurde von dem Pforzheimer Ingenieurbüro Kirn auf gut eine Million Euro geschätzt, ohne jedoch tiefere Untersuchungen anzustellen. Insgesamt kommen auf die Stadt also allein für die Sanierung der Tiefgaragen unter der Innenstadt Kosten von mindestens 10,7 Millionen Euro zu.
  • Zufahrt wird neu geregelt: Künftig soll es nur noch eine Zufahrt zum Parkhaus Stadtmitte geben. Die Einfahrt gegenüber der Robert-Gerwig-Schule fällt weg. An dieser Stelle entsteht ein verglaster Turm mit Aufzug, der die verschiedenen Ebenen von Marktplatz, Gerwigstraße und Tiefgarage barrierefrei miteinander verbindet. Die neue Zufahrt wird über die Gewerbehallestraße erfolgen. Die Planer erhoffen sich damit eine Verkehrsberuhigung in der Innenstadt, nachdem die einfahrenden Autos schon über die Bahnhofstraße und die Gewerbehallestraße abgeschöpft werden.
Direkt neben der Post soll die künftige Einfahrt zur Tiefgarage unter dem Marktplatz liegen. Der Eingang vor der Grundschule fällt weg.
Direkt neben der Post soll die künftige Einfahrt zur Tiefgarage unter dem Marktplatz liegen. Der Eingang vor der Grundschule fällt weg. | Bild: Rodgers, Kevin

An der Stelle, wo heute der Parkplatz neben der Post liegt, wird es künftig eine Einfahrt geben. Diese liegt unmittelbar am Postgebäude an. Auf der Freifläche, die durch den Abriss des sogenannten Bausch'schen Hauses entstehen wird, ist ein begrünter Zugang zum Marktplatz mit einem Baumdach geplant. Daneben wird die Rathausgarage ihren Zugang neben der Bäckerei Krachenfels behalten, allerdings mit einer kleineren, einspurigen Einfahrt. Nachdem dort künftig jedoch nur noch die Rathausmitarbeiter und die Dauermieter parken, wird allerdings mit weniger Verkehr gerechnet. Die ausfahrenden Fahrzeuge werden dann über die Schulstraße abgeleitet. Der Bereich vor der Grundschule wird verkehrsberuhigt.

  • Postgarage steht nicht zur Verfügung: Der Zugang neben dem Postgebäude war nötig geworden, weil die theoretisch ebenfalls infrage kommende Einfahrt über die Posttiefgarage nicht zur Verfügung steht. Stadtbaumeister Alexander Tröndle erläuterte den Gemeinderäten die Situation wie folgt: "Die Tiefgarage gehört zwar der Stadt. Allerdings genießt die Post ein uneingeschränktes Dauernutzungsrecht." Sowohl die Eigentümer des darüberliegenden Gebäudes als auch die Post als Nutzerin der Tiefgarage hätten sich gegen diese Lösung ausgesprochen, so Tröndle weiter. Obwohl die Tiefgarage der Stadt gehört und diese folglich auch für die Millionenkosten für Sanierung und Brandschutzertüchtigung aufkommen muss, seien der Stadt an dieser Stelle die Hände gebunden, so der Stadtbaumeister.
Diese Zufahrt über die Posttiefgarage kann nicht genutzt werden, obwohl die Tiefgarage der Stadt gehört. Anwohner und die Post sind dagegen.
Diese Zufahrt über die Posttiefgarage kann nicht genutzt werden, obwohl die Tiefgarage der Stadt gehört. Anwohner und die Post sind dagegen. | Bild: Rodgers, Kevin
  • Zahl der Parkplätze bleibt gleich: Nach der Sanierung werden in allen Garagen insgesamt 161 Parkplätze zur Verfügung stehen, einer mehr als bisher. Neu hinzu kommen 34 Fahrradparkplätze und acht Motorradstellplätze. Die Zahl der Behindertenparkplätze steigt auf fünf, bisher waren es nur zwei Parkplätze. Außerdem wird es neue Sanitäreinrichtungen geben, die ebenfalls behindertengerecht sein werden. Künftig wird das "Parkhaus Stadtmitte" nicht mehr gebührenfrei sein.
  • Gemeinderat stimmt für die Pläne: Der Diskussion der Gemeinderäte war ein Stück weit der Respekt vor der finanziellen Größenordnung des Projektes anzumerken. Karola Erchinger von den Freien Wählern und Manfred Scherer (CDU) fragten Architektin Sabine Schneider, ob Änderungen an den Plänen zu Kosteneinsparungen führen könnten, beispielsweise bei den Baumdächern. Schneider entgegnete, dass dies keine wesentlichen Einsparungen mit sich bringen würde. Zudem müsse man dann Abstriche bei der Qualität des Platzes in Kauf nehmen.

Gabriele Elsäßer, ebenfalls von den Freien Wählern, äußerte Zweifel, ob die Tiefgarage überhaupt wie gewünscht frequentiert wird, solange kostenfreie Parkplätze in der Nähe zur Verfügung stünden. Als Beispiel nannte sie den Parkplatz des Edeka-Marktes. Nach der Diskussion stimmten die Gemeinderäte einstimmig für den Beschluss, der zunächst das künftige Parkhaus Stadtmitte umfasst. Über die Rathaustiefgarage wird gesondert beraten und abgestimmt.