Auf dem Weg zur Marktreife eines Produkts, beispielsweise dem neuen Modell einer Fahrzeugmarke, sind Prototypen ein gängiger Entwicklungsschritt. Auf dem Dienstleistungssektor waren Prototypen dagegen bislang nicht darstellbar – doch das soll sich jetzt dank der Arbeit von Forschern in St.Georgen und Furtwangen jetzt ändern.

Wie kann man eine immaterielle Leistung – also beispielsweise eine Serviceleistung im Einzelhandel – schon vorab darstellen, bevor die Leistung überhaupt erbracht wird? So lautete die Kernfrage eines Projekts, an dem die Hochschule Furtwangen (HFU) und das Virtual Dimension Center im Technologiezentrum (VDC) zusammen mit verschiedenen Industrieunternehmen drei Jahre geforscht haben.

Kommende Woche werden die Ergebnisse bei einer Veranstaltung in der Stadthalle präsentiert. Der SÜDKURIER hat die beiden Hauptinitiatoren vorab getroffen.

Knapp zwei Millionen Euro vom Bund

Die Überlegung, eine Prototypendarstellung auch für Dienstleistungen zu entwickeln, war der Ausgangspunkt für ein über drei Jahre angelegtes und vom Bundesministerium für Bildung und Finanzen mit knapp zwei Millionen Euro geförderten Projektes. Martin Zimmermann, Geschäftsführer des Virtual Dimension Centers VDC, und Christian van Husen, Studiendekan Service Management von der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen an der HFU, stellten die Erkenntnisse jetzt vor.

Unterstützung für Kaufentscheidung

„Prototypen im Dienstleistungssektor sollen eine positive Unterstützung für eine Kaufentscheidung sein“, so van Husen. Am Anfang der Entwicklung stand die Frage, was überhaupt dargestellt werden solle – Umgebungssituation, Akteure (Kunden/Verkäufer), verschiedene Objekte und beispielsweise auch die Bedienoberfläche?

Aus der groben Idee entwickelte sich nach und nach eine komplexe Aufgabenstellung bei der Programmentwicklung für Mobiltelefone und Tabletcomputer, so genannter Apps. Schließlich sollten unterschiedlichste Anforderungsprofile erfüllt werden.

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Am Beispiel einer Tunnelbohrmaschine macht Zimmermann den Nutzen solcher Prototypen auf dem Service- und Dienstleistungssektor deutlich. „Fürs Auto gibt es einen Führerschein. Der spätere Bediener einer Tunnelbohrmaschine kann am virtuellen Prototyp geschult werden.“

Vielseitige Einsatzmöglichkeiten

Die Entwicklungsarbeit ging aber viel weiter. Wenn sich beispielsweise ein Kunde mit dem Gedanken trägt, für seine Modellbahnanlage ein weiteres Spielzeuggebäude anzuschaffen, kann er sich über die App eine dreidimensionale Abbildung des Gebäudes aussuchen. Diese kann er auf seinem Tablet oder Mobiltelefon in eine Live-Bildschirmansicht der realen Modellbahnanlage einblenden. So kann sich der Kunde vor dem Kauf genau ansehen, wie das neue Gebäude in der Anlage wirken würde. Diese Kombination realer und virtueller Realität nennt sich Augmented Reality.

Anhand dieser Beispiele wollen Zimmermann und van Husen deutlich machen, wie vielseitig einsetzbar dieser multidimensionale Service einsetzbar ist. Beide hoffen nun, dass die Erkenntnisse nicht in einer Schublade verschwinden, sondern der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.