Vier Jahre Suche haben nun ein Ende. Mit Barbara Bahsitta hat die Stadt St. Georgen ab sofort wieder eine neue Behindertenbeauftragte. Sie wurde am Mittwoch von Bürgermeister Michael Rieger offiziell in der Gemeinderatssitzung vorgestellt. "Das war der Startschuss für meine Arbeit", sagt die SPD-Gemeinderätin. Sie folgt damit auf Reinhard Mündel, der das Amt bis 2014 ausübte. "Ich habe mir vorgenommen, mit meinen künftigen Aufgaben zu wachsen", sagt die 57-jährige Bahsitta.

Die Ursache, warum der freiwillige Posten nach vier Jahren Leerlauf wieder besetzt werden konnte, ist der Behindertenbeauftragte des Schwarzwald-Baar-Kreises, Manfred Kemter. Er habe unter anderem die Gemeinderäte in St. Georgen angeschrieben, da der Posten neu besetzt werden sollte. "Die Frage war, ob wir jemanden kennen oder es uns selbst vorstellen können", sagt Bahsitta. "Und da habe ich mich angesprochen gefühlt." Der Grund: Bahsittas Sohn hat eine körperliche und geistige Behinderung. Und auch sie selbst ist körperlich beeinträchtigt. "Jemand, der selbst betroffen ist, kann die Probleme, die Behinderte im Alltag haben, besser nachvollziehen", sagt Bahsitta.

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Schnittstelle zur Stadt

Gleichzeitig hofft sie damit, die Hemmschwelle für Betroffene aus der Welt zu schaffen: "Eine gewisse Distanz ist immer da, wenn man selbst gesund ist", sagt Bahsitta. Gleichzeitig ist es Bahsitta ein Anliegen, den Kontakt zwischen Nicht-Behinderten und Behinderten herzustellen. "Ich kann in meiner Position dafür sorgen, dass es mehr Kontakt untereinander gibt", sagt sie. Sie plant gemeinsame Unternehmungen und steht deshalb bereits in Kontakt mit Jürgen Lehmann vom Freundeskreis für Behinderte.

Bürgermeister Michael Rieger betont, die Stelle der Behindertenbeauftragten sei kein Kontrollorgan der Stadt. "Der Sinn ist es nicht, durch die Stadt zu fahren und zu schauen, ob dort alles richtig gebaut wurde", sagt Rieger. Stattdessen müsse die Arbeit als eine Schnittstelle zwischen der Stadt und den Behinderten verstanden werden.

Laut Rieger ist diese Funktion für die Verwaltung sehr wichtig: "Wir brauchen einen Ansprechpartner, der sich mit den Themen auskennt, die die Behinderten beschäftigen", sagt Rieger. So zähle zu den Aufgaben beispielsweise die Beratung von Betroffenen. Außerdem erhofft sich Rieger durch die neu besetzte Stelle eine Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung. "Behinderte sollen mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden", sagt Rieger. "Sie sind auch in St. Georgen Menschen wie wir alle."

Sprechstunde geplant

In ihrer neuen Tätigkeit als Behindertenbeauftragte will Barbara Bahsitta sich auch für andere Menschen mit ähnlichen Problemen einsetzen. "Ältere Einwohner mit Rollatoren möchte ich genauso ansprechen", sagt Bahsitta. "Und vielleicht kann ich auch Familien mit Kinderwagen helfen." Ihren Job an der Supermarktkasse möchte sie nutzen, um den Kontakt zu den Menschen herzustellen. "Ich habe schon einen Rollstuhlfahrer angesprochen, ob er mal mit mir einen Rundgang durch die Stadt machen will", sagt Bahsitta. "Ich bin bei meiner Arbeit natürlich auf das Interesse der Behinderten angewiesen."

Um ihnen Gehör zu verschaffen, will sie darüber hinaus eine monatliche Sprechstunde anbieten. Bürgermeister Rieger sicherte zu, ihr dafür einen Raum im Rathaus zur Verfügung zu stellen, der barriefrei erreichbar sei. "Das machen wir möglich", sagt Rieger. "Auch mit mir soll es einen regelmäßigen Austausch geben."

Im Gemeinderat einbringen

Um ihre Vorschläge einzubringen, will Bahsitta ihre Position im Gemeinderat nutzen. Sie ist dort zurzeit in ihrer dritten Amtszeit Mitglied der SPD-Fraktion. "Dadurch habe ich nochmal ein anderes Sprachrohr als mein Vorgänger", sagt sie. Sie hofft, so etwas erreichen zu können. "Ich denke nicht, dass die Stadt mich einfach ignorieren kann", sagt sie.

Vor allem die Barrierefreiheit in der Innenstadt sei ein großes Thema, das sich aber durch die bevorstehende Sanierung verbessern könnte. "Früher hat man noch anders gebaut", sagt Bahsitta. "Heute ist Barrierefreiheit ein wichtiger Punkt." Als relevante Angelegenheit sieht Bahsitta die Toiletten in der Stadt. "Das ist schon ein großes Thema für Leute, die auf den Rollstuhl angewiesen sind", sagt Bahsitta. Für weitere Vorschläge ist sie offen. Egal ob während ihrer Arbeit an der Kasse oder bei der künftigen Sprechstunde im Rathaus.