Freudenszene am Frankfurter Flughafen: Antony Jeyakumar schließt seine Frau und seinen Sohn in die Arme. Das war am vergangenen Samstag.“Wir haben uns sieben Jahre nicht gesehen“, strahlt der Sri Lankaner, der sein Glück immer noch nicht fassen kann.

Als der anerkannte Asylant seine Heimat verlassen hat, war sein achtjähriger Sohn noch ein Baby. Seine Gattin Tharshiny wohnte in ihrer Großfamilie, wo auch der kleine Jelsan aufwuchs. Der erste Gang der Familie am dritten Adventssonntag führte zur Kirche St. Georg. Auch bei den Kirchenbesuchern war die Freude groß, denn Antony ist schon lange einer von ihnen. Nach dem Gottesdienst wurde die Familie herzlich von allen Seiten begrüßt und von Pfarrer Paul Dieter Auer gesegnet.

Bisher wohnte der Sri Lankaner mit zwei Kollegen in einer kleinen Unterkunft, konnte aber zu Anfang dieser Woche in eine größere Wohnung umziehen. „An Weihnachten sind wir wieder vereint“, freute er sich und blickte strahlend auf seine Familie.

„Für einen Christbaum reicht es nicht bis zum Heiligen Abend, aber später können wir vielleicht einen kaufen“, zeigte sich Antony Jeyakumar überzeugt. In Sri Lanka feiern die Christen das Weihnachtsfest unter einer kleinen Palme, die sie in ihrem Garten züchten und zum Fest in ihrem Haus aufstellen.

Im Schwarzwald ist natürlich alles ein wenig anders, aber Jeyakumar ist trotzdem begeistert. „Deutschland ist ein schönes Land mit guten Gesetzen und alle sind vor dem Gesetz gleich“, argumentierte er. In seinem Heimatland ist das nicht so, darum sei er auch geflohen. Er gehört zu der unterdrückten Bevölkerung der Tamilen, die von den Singhalesen verfolgt werden.

Nach dem Bürgerkrieg sei alles zerstört gewesen. Das Militär beherrsche immer noch das Land. Die Christen seien zudem in der Minderheit und hätten kaum Rechte. Darum floh Antony Jeyakumar zunächst nach Indien, wo er sich versteckte. „Aber in Deutschland muss ich keine Angst vor Verfolgung haben, hier kann ich ruhig schlafen“, sagte er.

Zwischenstation „Hirschen“

Die Schwester seiner Frau wohnt in München. Den Flug bezahlte seine Großfamilie in Sri Lanka. „Von München wurde ich dann nach Karlsruhe ins Asylbewerberheim geschickt und von dort kam ich nach St. Georgen, wo ich zuerst im ‚Hirschen’ wohnte“, erzählte Antony Jeyakumar.

Rita Bohnert von den Elisabeth-Frauen kümmerte sich von Anfang an um den Fremden aus dem fernen Land. Sie besorgte ihm jetzt die neue Wohnung. „Antony hat mich adoptiert und nennt mich immer Mama“, sagte Bohnert lachend. „Wir sind alle so glücklich, dass er jetzt mit seiner Familie vereint ist.“

Dabei sah zuerst alles ganz anders aus. Nachdem Jeyakumar Deutsch gelernt hatte, bekam er einen Arbeitsplatz auf der Seebauernhöhe bei der Firma Feba-Kabel. „Er arbeitete ein halbes Jahr zur Probe und dann bekam er einen unbefristeten Vertrag“, erzählte der Firmen-Inhaber Thomas Botta. „Wir sind sehr zufrieden mit ihm“, schwärmte Botta. „Er ist total zuverlässig und fleißig, immer freundlich und nie krank“, sagte der Geschäftsführer.

Antony Jeyakumar (links) mit Thomas Botta.
Antony Jeyakumar (links) mit Thomas Botta.

„Wir haben auch in der Arbeitszeit einen Deutschkurs für unsere Ausländer angeboten“, sagte Botta. Als der junge Mitarbeiter vor drei Jahren abgeschoben werden sollte, setzte sich die Firma für ihn ein. „Wir können nicht auf ihn verzichten“, schrieb die Prokuristin Bianca Buggisch ans Landratsamt. Daraufhin bekam der Geflüchtete unbefristetes Aufenthaltsrecht.

 

Sri Lanka

Die Menschenrechtslage in Sri Lanka ist seit Jahrzehnten desolat. Es gibt keine Meinungsfreiheit. Der Bürgerkrieg ging vor sieben Jahren zu Ende, das Militär hält aner immer noch weite Teile des Landes besetzt. Die Tamilen, die nur 17 Prozent der Bevölkerung stellen, werden von den Singhalesen, die 74 Prozent ausmachen, unterdrückt. Religionsfreiheit steht nur auf dem Papier. Es gibt 70 Prozent Buddhisten, deren Religion vom Staat gefördert wird. Die Hinduisten sind mit 15 Prozent vertreten und die Muslime mit neun, während es nur sieben Prozent Christen gibt.