Bürgermeister Michael Rieger ist zurück an seinem Schreibtisch im Rathaus. Seit Dienstag ist er wieder im Dienst. Gut sieben Monate war er aufgrund einer Blutkrankheit verhindert. „Der Weg zurück war hart und steinig, aber ich war immer voller Zuversicht“, so Michael Rieger in einem Pressegespräch am Mittwochvormittag.

Ein besonderer Weg zurück

Der Weg an seinen Arbeitsplatz war ein ganz besonderer Moment. „Ich habe mich gefühlt wie damals beim ersten Mal nach der Wahl“, so der Bürgermeister über die Schritte aus der Tiefgarage in sein Büro. Ein bisschen aufgeregt, aber voller Vorfreude, sei er gewesen. „Ich habe mich auf die Arbeit und meine Mitarbeiter gefreut.“ Einen Rundgang durchs Rathaus habe er bereits gemacht, um sich zurückzumelden. Und schließlich müsse er ja auch „seine Platte“ vorstellen, so sagt er. Die Haare sind Michael Rieger während der Chemotherapie ausgefallen. Ein einschneidendes Erlebnis, das er mittlerweile aber gut weggesteckt hat. Noch überlege er, ob er es so lassen werde.

Langsam beginnen

Mit der Arbeit müsse er nun langsam beginnen, sich noch etwas schonen und zunächst auf die Büroarbeit beschränken. Auch weil größerer Menschenmassen für das noch geschwächte Immunsystem nicht gut wären. Sein Ziel, im Mai wieder an seinem angestammten Platz zu sitzen, hat er damit aber bereits erreicht. „Das war ein ehrgeiziges Ziel“, sagt Michael Rieger. Er habe diesen Antrieb entwickelt, um nicht noch länger auszufallen. „Sieben Monate sind ja nicht gerade kurz“, sagt er. Immer wieder habe er sich auch gefragt, wie lange er das der Bevölkerung noch zumuten könne.

Doch das, was ihn aus der Bergstadt erreichte, war vor allem Unterstützung. Für den Zuspruch, den er während seiner Abwesenheit erhalten hat, ist das Stadtoberhaupt enorm dankbar. „Ich habe deutlich mehr Post bekommen als zum Beispiel damals bei meiner Wiederwahl“, sagt Rieger. Und ergänzt: „Das hat mich während der schweren Phase enorm aufgebaut.“ Eine der Zuschriften, die ein 14-Jähriger verfasst habe, bewahre er nun sogar in seinem Geldbeutel auf.

Sorgen abgenommen

Geholfen habe zudem, dass ihm während der Abwesenheit die Sorgen abgenommen wurden. „Ich habe gewusst, dass meine Stellvertreter und die Verwaltung einen super Job machen“, so Rieger. Dies sei keine Selbstverständlichkeit gewesen und hätte auch anders laufen können. „Es ist nicht immer gesagt, dass die Zusammenarbeit in einem Gemeinderat so harmonisch verläuft“, so der Bürgermeister. Seine Stellvertreter waren Joachim Kleiner, Manfred Scherer und Hansjörg Staiger. Mit ihnen und den Amtsleitern sei er regelmäßig in Kontakt gewesen. Durch diese Gespräche und durchs Zeitunglesen sei er auf dem aktuellen Stand geblieben.

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Viel in Bewegung

Die Behandlung habe der Bürgermeister gut überstanden und fühle sich nun sehr viel besser. Besonders wichtig seien auch seine Ehefrau und die Kinder gewesen. In so einer Zeit merke man erst, wie sehr einem das gewohnte Umfeld fehlen könne. Jetzt aber sagt er: „Ich habe ein ganzes Stück Lebensqualität zurückbekommen.“ Dazu beigetragen habe, dass er sich in den vergangenen Monaten vor allem durch viel Bewegung fitgehalten habe. „Ich bin in der Reha den millionsten Schritt seit Anfang Dezember gegangen“, so Rieger. Mehr als 1000 Kilometer habe er zurückgelegt. Das habe ihm sehr geholfen: „Ich bin jeden Tag in den Wald gegangen und bin deshalb jetzt relativ fit.“

Zwei harte Jahre

Möglich seien nun auch wieder Dinge geworden, die in den vergangenen zwei Jahren zunehmend undenkbar wurden. Vor allem Außentermine bei kalten Temperaturen seien eine Qual gewesen, weil sein Körper dann eine entsprechende Reaktion gezeigt hätte. „Ich habe das aber durchgezogen und musste das auch machen, weil ich niemandem davon erzählen konnte“, so Rieger.

Die Eingewöhnungsphase wird nach der Rückkehr wohl nicht zu lange dauern. Trotzdem sich auch einiges ändern wird. Den Urlaub, der ihm zusteht, werde er in Zukunft nehmen. Bisher hatte er oft freiwillig darauf verzichtet. Michael Rieger will besser auf seinen Körper hören. Die Handgriffe sitzen aber noch, der Berg an Arbeit, der auf ihn wartete, sei auch nicht zu groß geworden. „Ich habe auch noch alle Telefonnummern im Kopf“, sagt Rieger.

So wurde der Bürgermeister in Abwesenheit vertreten

  • Gemeindeordnung regelt: Was zu geschehen hat, wenn der Bürgermeister einer Stadt erkrankt, ist durch Paragraf 48 in der baden-württembergischen Gemeindeordnung geregelt. Dort ist festgeschrieben, dass es einen oder mehrere Stellvertreter des Bürgermeisters gibt. Michael Rieger war seit Anfang Oktober verhindert. Eine Blutkrankheit, so teilte sein Arzt vor gut einem halben Jahr mit, war Auslöser für den Ausfall.
  • Drei Männer in Vertretung: Die drei Stellvertreter werden jeweils im Gemeinderat gewählt. In St. Georgen jeweils einer aus den drei stärksten Fraktion. Dies sind in der Bergstadt Joachim Kleiner (Freie Wähler), Manfred Scherer (CDU) und Hansjörg Staiger (SPD). In dieser Reihenfolge sind sie erster, zweiter und dritter Bürgermeister-Stellvertreter.
  • Aufgaben des Bürgermeisters: Die Aufgaben haben sich die Stellvertreter aufgeteilt. Sie standen in der Zeit der Abwesenheit von Michael Rieger auch in engem Kontakt mit ihm und den Amtsleitern der Verwaltung. Sie mussten Unterschriften leisten, bei Terminen anwesend sein und zum Beispiel die Gemeinderatssitzungen leiten.