Es geht wieder aufwärts für den Spann- und Greiftechnikspezialisten Röhm GmbH mit Werk in der Bergstadt: Das Unternehmen meldet jetzt "den höchsten Monatsumsatz der letzten zehn Jahre", nachdem die Firma nach eigenen Angaben "in den letzten Jahren wiederholt in die Krise geschlittert" sei.

Stephan Heinzelmann, Leiter des Standorts der Röhm GmbH in St. Georgen, in der Werkstatt des Betriebes in der Feldbergstraße auf der Seebauernhöhe. Er freut sich, dass das Unternehemen wieder schwarze Zahlen verzeichnen kann.
Stephan Heinzelmann, Leiter des Standorts der Röhm GmbH in St. Georgen, in der Werkstatt des Betriebes in der Feldbergstraße auf der Seebauernhöhe. Er freut sich, dass das Unternehemen wieder schwarze Zahlen verzeichnen kann. | Bild: Küster, Sebastian

"Wir sind froh, dass es wieder aufwärts geht", sagte Stephan Heinzelmann, Leiter der Zweigstelle in St. Georgen auf Nachfrage des SÜDKURIER. Neben der breiten Produktpalette des Unternehmens hat man sich in der Bergstadt auf den Teilbereich Spanndorne und Spannzengenfutter spezialisiert. "Alles was an Aufträgen zu unserem Bereich reinkommt, wird bei uns erfasst, konstruiert, geprüft, montiert und verschickt", so Heinzelmann. Gefertigt würden die Werkzeugteile in anderen Werken. Neben den Standorten in Dillingen und der Basis in Sontheim seien auch einige externe Lieferanten aus der Region dabei, wie in etwa Peterzell oder Schramberg.

Zahlen brachen stark ein

"Die Krise in den Jahren 2008 und 2009 haben wir sehr zu spüren bekommen", sagte Heinzelmann. Damals seien die Zahlen dramatisch eingebrochen. Planzahlen seien dann nicht mehr erreicht worden. Die Banken wurden nervös und verweigerten Kredite. Missmanagement tat dann das Übrige. "Das war dann ein schlimmer Kreislauf, aus dem wir lange nicht herauskamen", gibt der Leiter der Zweigstelle in St. Georgen zu. In der Bergstadt seien immer genügend Aufträge eingegangen – auch in den Krisenzeiten. Der Ertrag habe trotzdem nicht mehr gereicht.

Der Standort der Röhm GmbH in St. Georgen befindet in der Feldbergstraße. Derzeit arbeiten dort 35 Mitarbeiter.
Der Standort der Röhm GmbH in St. Georgen befindet in der Feldbergstraße. Derzeit arbeiten dort 35 Mitarbeiter. | Bild: Röhm GmbH

Übernahme gibt Aufschwung

Erst nach der Übernahme der Unternehmensgruppe durch die österreichische Dr. Helmut Rothenberger Holding GmbH im September 2017 läuft es beim Spannmittelhersteller seit Anfang 2018 wieder rund. "Rothenberger hat viel Kapital. Er greift uns bei Bedarf unter die Arme. Dann ist es natürlich viel leichter zu investieren. Dadurch können wir wettbewerbsfähig sein", so Heinzelmann. Doch nicht nur Finanzspritzen halfen dem Unternehmen wieder schwarze Zahlen zu schreiben, auch "alte Zöpfe wurden abgeschnitten. Bereiche, an denen wir nichts verdient haben, wurden weggelassen." Einige Kunden hätten damals zwar mit den Zähnen geknirscht – am Ende sind die meisten der Röhm GmbH jedoch treu geblieben.

Das Stammwerk von Röhm in Sontheim an der Brenz.
Das Stammwerk von Röhm in Sontheim an der Brenz. | Bild: Röhm GmbH

In der Krise wurde in St. Georgen Gerüchte gestreut, dass der Standort ganz geschlossen werden soll. "Deshalb haben einige gekündigt", so Heinzelmann. Die Unsicherheit sei zu groß gewesen. Dadurch hat sich das Team in der Bergstadt auf 35 Mitarbeiter nach und nach verkleinert. "Entlassungen hat es bei uns aber nicht gegeben."

Nachwuchsprobleme gibt es bei der Röhm GmbH in St. Georgen nur selten. "Wir sind hier am Standort kein Ausbildungsbetrieb. Wir haben nur sehr wenige Berufe, die man lernen könnte", so Heinzelmann. Im technischen Bereich seien eher Ingenieure mit einem abgeschlossenen Bachelorstudium notwendig. "Die wollen aber oft in den großen Städten bleiben, in denen sie studiert haben. Wenn wir Leute suchen, dann spüren wir das natürlich. Wir sind mit unserer Mannschaft derzeit aber gut aufgestellt." Großstädte seien attraktiv, doch auch St. Georgen und die ganze Region im Schwarzwald sei aus technischer Sicht nicht zu verachten. "Es ist ein sehr interessanter Standort", so Heinzelmann. Es gebe sehr viele Firmen vor Ort. Die großen Unternehmen bräuchten Zulieferer.

Geschäftsführer ist optimistisch

„Wir sind sehr stolz auf die herausragenden Leistungen des gesamten Teams in den letzten zwölf Monaten", wird der neue Geschäftsführer Gerhard Glanz in einer Pressemitteilung zitiert. 2019 sollen Investitionen im zweistelligen Millionenbereich getätigt werden. Bis heute habe der neue Eigentümer 10,5 Millionen Euro in die Firmengruppe investiert.

Für das diesjährige Bilanzjahr erwartet Geschäftsführer Gerhard Glanz einen Gruppenumsatz von rund 155 Millionen Euro und einen Ertrag von insgesamt etwa acht Millionen Euro: „Das ist angesichts der derzeitigen Hochkonjunktur im deutschen Maschinenbau natürlich noch nicht gut genug, aber ein guter Anfang.“