Jährlich überschwemmen rund 100 000 Neuerscheinungen den Büchermarkt in Deutschland. Eine, die darin halbwegs den Überblick behalten will, ist die Literaturkritikerin Karla Paul aus Hamburg. 25 Bücher hatte sie nach St. Georgen mitgebracht, über die sie einem zahlreichen wie hoch interessierten Publikum im Rahmen der Literaturtage im Theater im Deutschen Haus nahebrachte. Die Leiterin der St. Georgener Stadtbibliothek St. Georgen, Lucia Kienzler, immer auf der Suche nach Lesestoff für ihre Klientel, hatte Karla Paul im Internet entdeckt und sie einfach eingeladen und freute sich über das große Publikumsinteresse. Karla Paul ist medial stark vertreten, wird in Fachkreisen als zweite Reich-Ranitzki bezeichnet, arbeitet auch als Moderatorin und ist über das ARD-Mittagsbuffet bekannt.

Das Publikumsinteresse am Literaturabend mit Karla Paul, die im Rahmen der St. Georgener Literaturtage im Theater im Deutschen Haus 25 lesenswerte Bücher vorstellte, war überaus groß. Bilder: Renate Bökenkamp
Das Publikumsinteresse am Literaturabend mit Karla Paul, die im Rahmen der St. Georgener Literaturtage im Theater im Deutschen Haus 25 lesenswerte Bücher vorstellte, war überaus groß. Bilder: Renate Bökenkamp

Menschen zum Lesen bringen

Mit Humor und gelegentlichen Ausflügen in ihr persönliches Lese-Leben unterhielt die studierte Betriebswissenschaftlerin und Mediendesignerin ihr Publikum. Fünf bis zehn Bücher liest sie pro Woche. Für sie entscheidend seien die ersten 50 Seiten. "Wenn mich bis dahin die Figuren nicht ansprechen, lese ich nicht weiter." Zum Lesen der Neuerscheinungen nutzt sie auch E-Books, iPad, iPhone oder Hörbücher. Sie sei am Tag des Buches 1983 geboren, in der Schule Vorlesemeisterin und in der örtlichen Bibliothek Ausleihmeisterin gewesen, umschrieb sie ihre frühe Neigung, die sie zum Beruf gemacht hat. Und: bei aller Objektivität sei sie eben auch subjektiv in ihrer Literaturkritik. Menschen zum Lesen zu bringen, sei ihr Anliegen und dafür wirbt sie. Die Literaturtage im Schwarzwald haben sie deshalb sehr angesprochen: "So etwas unterstütze ich gern, ohne Frau Kienzler wäre ich kaum in den Schwarzwald gekommen", so Paul.

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Die Literaturkritikerin stellte Werke in den Rubriken Spannung, Liebe und Jugendliche vor und las auch daraus vor. Sie warnte zum Beispiel vor Ian McGuire "Nordwasser", das sei nichts für schwache Nerven, empfiehlt Nino Haratischwilis "Die Katze und der General", in dem auf 800 Seiten die Lebenserfahrung von 120 Jahren in Georgien steckt. Und sie verrät, dass der Autor Benedict Wells in dem Buch "Die Wahrheit über das Lügen", ein Sohn der schreibenden Familie von Schirach ist, der sich so von der Vergangenheit seines Großvaters Baldur von Schirach absetzt. Damit das Publikum zu Hause das Gehörte umsetzen kann, gibt es für jeden Zuhörer eine Papiertüte mit Verlagswerbung und die Liste von insgesamt 50 lesenswerten Büchern, die jetzt in der Stadtbibliothek ausliegt.