Joachim Kleiner erinnert sich genau: Alles hat vor Jahrzehnten damit angefangen, dass er als junger Mann regelmäßig Gemeinderatssitzungen besucht hat. Aus reinem Interesse und nicht, um später das zu erreichen, was ihm bis heute gelungen ist. Denn das habe er eigentlich nie angestrebt. 25 Jahre lang im Gemeinderat, Stimmenkönig seit 2004, Bürgermeister-Stellvertreter seit 1999, Fraktionssprecher der Freien Wähler seit mittlerweile zehn Jahren.

Ein bescheidenes Fazit

In all diesen Aufgaben, die er mit Herzblut für die Stadt ausgefüllt hat, habe er eine Art Pflicht gesehen, die sich auch daraus speiste, dass er von den Wählern immer wieder jede Menge Rückenwind bekommen hat. Das Fazit, das er sich für die 25 Jahre in der Kommunalpolitik aufgeschrieben hat, formuliert er in einer sehr bescheidenen und sympathischen Art: "Ich habe als Stadtrat alles erreicht, was ich eigentlich gar nicht wollte. Ich wollte weder Fraktionssprecher noch Bürgermeister-Stellvertreter werden. Aber durch meine hohe Stimmenzahl sind diese Ämter an mich herangetragen worden und ich habe mich der Verantwortung gestellt."

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Der Verantwortung gestellt – doch damit ist nun Schluss. Joachim Kleiner steht bei den Kommunalwahlen im Mai zum ersten Mal seit 1994 nicht auf der Liste der Freien Wähler. "Ich sehe der Zeit nach der Kommunalpolitik sehr gelassen entgegen. Ich bin froh, dass es etwas ruhiger wird", sagt der 62-Jährige. Unruhig ist es gerade vor allem deshalb, weil er als erster Bürgermeister-Stellvertreter durch die Erkrankung von Bürgermeister Michael Rieger besonders gefordert ist. Da bleibt weniger Zeit für Familie und Hobbies. "Ich fahre eigentlich sehr gerne Mountainbike, das ist aber im vergangenen Jahr in den Hintergrund gerückt", so der gelernte Einzelhandelskaufmann, der rund 40 Jahre lang beim "Henninger" gearbeitet hat.

Gesicht der Stadt hat sich verändert

Der 62-Jährige erinnert sich an viele schöne Momente. Wenn er über das spricht, was in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten in St. Georgen passiert ist, merkt man, wie sehr er sich der Stadt verbunden fühlt. Ein gutes Beispiel: Seine Sponsorensuche mit viel persönlichem Einsatz für Wassertrampolin und Eisberg im Klosterweiher, bei dem er selbst der Erste war, der hinaufkletterte. Weitere schöne Projekte waren die Stadtterasse, die sanierte Bahnhofstraße oder das Hallenbad – die Bergstadt hat ihr Gesicht verändert. In all dieser Zeit sei die Zusammenarbeit im Gemeinderat immer fruchtbar gewesen. "Wir haben uns auch mal gestritten, aber niemals so, dass man sich nicht mehr in die Augen schauen konnte", so der Fraktionssprecher der Freien Wähler. Denn wenn das der Fall gewesen wäre, hätte er, so sagt er, das Amt auch nicht so lange ausgefüllt.

Nach der erfolgreichen Erstbesteigung durch einen Gemeinderat musste Joachim Kleiner im Jahr 2003 wieder ans Ufer zurück schwimmen.
Nach der erfolgreichen Erstbesteigung durch einen Gemeinderat musste Joachim Kleiner im Jahr 2003 wieder ans Ufer zurück schwimmen. | Bild: Sprich, Roland

Neben den vielen positiven Erfahrungen gab es in der langen Zeit auch einige unangenehme Erlebnisse. "Es ist normal, dass man als Gemeinderat auch mal Gegenwind bekommt, das muss man aushalten." Nicht aushalten müsse man, wenn Grenzen überschritten werden, sagt Kleiner. Dass jemand zwischen Privatperson und Gemeinderatsmitglied Joachim Kleiner nicht unterscheiden kann, sei aber zum Glück nur selten vorgekommen.

In seiner kommunalpolitischen Laufbahn hat Joachim Kleiner viele Projekte begleitet. Das größte aber ist das, was noch gar nicht so richtig begonnen hat – die Sanierung der Innenstadt. Zwar hat der Bürgermeister-Stellvertreter diese Maßnahme mit auf den Weg gebracht, die Umsetzung wird er als Zuschauer verfolgen. Wie sich das wohl anfühlen wird, nach vielen Jahren in der Verantwortung? "Das ist eine schwere Frage, das weiß ich noch nicht genau", sagt Kleiner zu seinem Abschied.