Manchmal ist Abwarten einfach keine Option mehr. Gerade als kurz nach 14 Uhr auf dem Marktplatz die „laute halbe Minute“ losgehen sollte, begann das Glockenspiel neben den Demonstranten zu klingeln. Statt die Melodie über sich ergehen zu lassen, hielten die mehrheitlich jugendlichen Kundgebungsteilnehmer lautstark dagegen, mit Parolen wie: „Wer nicht springt, der ist für Kohle.“

Widerstand geht auch mit guter Laune: Neben Sprechparolen machen die Schüler auch mit Plakaten auf ihre Forderungen aufmerksam.
Widerstand geht auch mit guter Laune: Neben Sprechparolen machen die Schüler auch mit Plakaten auf ihre Forderungen aufmerksam. | Bild: Rolf Hohl

Es war wie ein Sinnbild für die „Fridays for Future“-Proteste, dass die jungen Demonstranten eben nicht mehr einfach hinnehmen wollten, was die älteren Generationen ihnen da hingestellt hatten, und sei es nur ein Glockenspiel. „Weltweit gibt es heute Demonstrationen, in Berlin tagt das Klima-Kabinett und in New York beraten die Vereinten Nationen zum Klimaschutz – jetzt ist einer der Zeitpunkte, an denen sich unsere Zukunft entscheidet“, sagte Christin Broghammer vom St. Georgener Jugendgemeinderat.

Auch deswegen setze sich das Gremium zusammen mit der Stadt für die Nachhaltigkeitswoche im kommenden März ein, damit klar werde, was jeder Einzelne im Kleinen schon bewirken könne.

Die Schüler beim Demonstrationszug durch St. Georgen.
Die Schüler beim Demonstrationszug durch St. Georgen. | Bild: Rolf Hohl

Der Demonstrationszug mit seinen etwa 80 Teilnehmern startete gestern auf dem Marktplatz und zog von dort über den Bärenplatz vor das Rathaus und weiter auf die Stadtterrasse. An jeder Station hielten einzelne Teilnehmer oder Gäste eine kurze Rede, die sich mit dem Klimaschutz im weitesten Sinne befasste.

Manchmal waren darunter auch persönliche Einblicke, die deutlich machten, wie tief im Alltag die Wegwerfgesellschaft längst verankert ist. „Alleine vor unserem Mehrfamilienhaus stapeln sich jede Woche die Gelben Säcke. Da wird einem erst bewusst, welche Mengen an Abfall wir produzieren“, sagte die Schülerin Selina Wagner in ihrer Ansprache.

„Es kommt endlich Bewegung in die Sache“

Auf der Stadtterrasse ergriff Christian Bildhauer-Buggler die Stimme der Wissenschaft das Wort. Der Physiker aus Königsfeld fand deutliche Worte gegenüber all jenen, die den Einfluss des Menschen auf die Erderwärmung für ein Märchen halten. „Innerhalb der Wissenschaft ist der Effekt von Kohlenstoffdioxid auf den Klimawandel so klar wie die Tatsache, dass die Erde eine Kugel ist“, sagte er und fügte hinzu: „Aber erst seit junge Menschen wie ihr aufgestanden seid, kommt endlich Bewegung in die Sache.“

Zu oft, so kritisierte er, gehe es bis heute in der Hinterzimmern der Macht um die Interessen der Wirtschaft und nicht des Umweltschutzes und damit der kommenden Generationen. „Wir haben aber nicht das Recht, unseren Kindern ein unlösbares Problem zu hinterlassen“, betonte er, der selbst Vater zweier Kinder ist.

Nach den Ansprachen auf der Stadtterrasse geht es wieder zurück auf dem Marktplatz, wo mit der „lauten halben Minute“ der Schlusspunkt der Kundgebung folgt.
Nach den Ansprachen auf der Stadtterrasse geht es wieder zurück auf dem Marktplatz, wo mit der „lauten halben Minute“ der Schlusspunkt der Kundgebung folgt. | Bild: Rolf Hohl

Ins selbe Horn stieß auch Martin Höfflin-Glünkin, der in seiner Funktion als Umweltbeauftragter der evangelischen Kirchengemeinde an der Demonstration teilnahm. „Vor 30 Jahren wusste man schon, dass man CO2 in der Atmosphäre reduzieren muss. Und was ist passiert? Seither hat sich der Anteil verdoppelt“, sagte er. Die Folgen seien an den schmelzenden Gletschern in den Alpen und den trockenen Wäldern auch hier in der Region schon deutlich zu spüren. „In Tennenbronn, wo ich wohne, haben bereits einige Höfe kein Wasser mehr in den Brunnen, weil die Quellen ausgetrocknet sind“, mahnte er.

Der evangelische Gemeindediakon Martin Höfflin-Glünkin spricht als einer von mehreren Rednern bei der Demonstration auf dem Marktplatz.
Der evangelische Gemeindediakon Martin Höfflin-Glünkin spricht als einer von mehreren Rednern bei der Demonstration auf dem Marktplatz. | Bild: Rolf Hohl

Überhaupt fanden neben den Schülern auch auffällig viele Eltern und auch Lehrer den Weg zu der Kundgebung. Dennoch, ein paar mehr hätten es schon sein können, so die Organisatorin Anna Riege von der „Fridays for Future“-Ortsgruppe St. Georgen. „Alles in allem hat aber alles gut geklappt und wir sind zufrieden mit dem Ablauf.“ Jedenfalls, erklärt sie noch, werde es in Zukunft wieder solche Demonstrationen geben – vielleicht auch zusammen mit der Ortsgruppe aus Villingen.