Akif Altan hat wenig Erfahrung auf der Bühne – obwohl er sich seit vielen Jahren mit Musik beschäftigt. Der 29-Jährige schrieb Lieder für Künstler aus Hessen und Nordrhein-Westfalen. Damit soll in Zukunft aber Schluss sein. Altan möchte selbst im Rampenlicht stehen und Besucher zum Lachen bringen.

"Mit dem Umzug nach St. Georgen vor neun Monaten hat sich bei mir etwas geändert. Ich wollte plötzlich selbst auf die Bühne gehen, anstatt für andere zu schreiben", sagt Altan, während er den Rauch seiner Zigarette aus dem Mund pustet. Und das mit einem außergewöhnlichen Konzept: Deutscher Sprechgesang hat es dem 29-Jährigen, der mit Künstlernamen "AltanAkif" heißt, angetan. Irgendwann merkte er, dass Freunde über seine Lieder manchmal lachen. Da muss man mehr draus machen, dachte er sich.

Altan arbeitet hauptberuflich als Pädagoge für Jugenderziehung. Deshalb ist es ihm ein Anliegen vor allem Heranwachsende mit seiner Kunst zu erreichen. "Ich will Jugendliche motivieren, sich mit Kunst zu beschäftigen, selbst zu dichten oder Musik zu machen", sagt er. Obwohl der zugezogene St. Georgener in der Region mit seiner Kunst bekannt werden will, bleibt er stets bescheiden. Wichtig sei ihm, dass er seine Kunst finanzieren kann. "Die Kosten für Anfahrt und Hotel sollten sich mit den Einnahmen für den Abend decken. Das reicht mir völlig aus." Seine Texte in den Liedern seien schon immer gesellschaftskritisch gewesen. "Das will ich auch als Comedian so beibehalten", sagt er. Hip-Hop sei in der Gesellschaft bei vielen negativ behaftet – besonders wegen der harten Sprache. Aber auch ohne Kraftausdrücke könne man Probleme ansprechen und kritisieren. Das sei eine der Hauptaufgaben von Kunst: Denkanstöße setzen. "Man kann Leute auch über Gags zum Nachdenken anregen. Gepaart mit etwas Musik ist das eine gute Mischung", sagt Altan.

Doch um auf Gags und Liedtexte zu kommen, muss man kreativ sein. Altan hat da eine ganz eigene Methode entwickelt. Manchmal steht er besonders früh auf, um sich vom Sonnenaufgang inspirieren zu lassen. Nach einem geeigneten Aussichtspunkt für das tägliche Naturschauspiel muss er nicht lange suchen, denn sein Balkon erlaubt einen weiten Blick über die ganze Bergstadt. "Ich sitze hier mit meiner Gitarre und spiele drauf los. Die Athmosphäre, die Stimmung – das ist alles sehr entscheidend für mich", sagt Altan. Beim Sonnenaufgang fallen ihm schöne, liebliche Texte ein. Beim Sonnenuntergang, den er gerne am Klosterweiher genießt, kommt er meistens auf melancholische Ideen.

Der 29-Jährige nimmt sich selbst auf die Schippe und spielt gerne mit seiner Herkunft: "Ich bin ein schwäbischer Türke, der im badischen Grenzgebiet lebt", sagt er. Geboren und aufgewachsen ist er in Ostrach, im Landkreis Sigmaringen, nördlich des Bodensees. Der Liebe wegen kam er in den Schwarzwald, lebte in Vöhrenbach und nun in der Bergstadt. "Mir gefällt es hier sehr gut. Ich kann mir vorstellen, langfristig zu bleiben", sagt er, obwohl er die St. Georgener als introvertiert bezeichnet. Man bräuchte etwas länger um das Vertrauen zu gewinnen. Wenn man das geschafft hat, dann seien alle sehr liebenswert.

Rassismusdebatte im Portfolio

Doch im Alltag bekommt Akif Altan auch latenten Rassismus zu spüren. Beispiele konnte er im Gespräch zwar nicht nennen, jedoch nimmt er unterschwellige Kritik zu seiner Herkunft immer mit Humor. "Wenn mich jemand fragt, wie ich zu Mesut Özil und Erdogan stehe, dann antworte ich: Bitte lass uns über mich als Person reden und richtig ins Gespräch kommen. Oberflächliche Gespräche liegen mir nicht so." Auf der Kleinkunstbühne wolle er diese Debatte um Rassismus in Deutschland aber auch thematisieren. Um herauszufinden ob seine Gags ankommen, testet er sie gerne bei seiner Ehefrau oder Freunde: "Wenn meine Freunde lachen, dann werden es mit Sicherheit auch andere tun."