Bei der evangelischen Kirchengemeinde ist nicht mehr allein ein starker Glaube gefragt, sondern auch ein gutes Maß Pragmatismus. Nachdem Mitte Juli das Pfarrerehepaar Susanne und Friedemann Fritsch verabschiedet wurde, leiten Lisa Interschick und Roland Scharfenberg als geschäftsführende Pfarrer sowie Gemeindediakon Martin Höfflin-Glünkin die Geschicke der Gemeinde. Das, so berichtet Pfarrer Scharfenberg, erfordere viel Flexibilität, schließlich sei der Gemeindebezirk Lorenz mit rund 2000 Mitgliedern der größte der etwa 7500 Gläubigen umfassenden Kirchengemeinde.

Gerade dieser steht seit zwei Monaten ohne eigenen Pfarrer da, was die verbliebenen Seelsorger vor Herausforderungen stellt. „Wir machen einfach, was anfällt. Beerdigungen und andere dringende Fälle kann man ohnehin nicht planen“, sagt Scharfenberg.

„Das Vertrauen erarbeiten“

Was hingegen nun oft nicht mehr zu schaffen sei, seien die Geburtstags-Besuche bei älteren Leuten. „Wenn es aber um gesundheitliche Gründe geht oder zu Trauergesprächen wegen eines Todesfalls kommen wir nach wie vor selbst vorbei“, erklärt er. Hierbei, so ergänzt Diakon Höfflin-Glünkin, trete man aber in große Fußstapfen. „Das Ehepaar Fritsch war für viele Gemeindemitglieder langjähriger Ansprechpartner, und dieses Vertrauen muss man sich erst erarbeiten.“

Gleichzeitig wolle man die Arbeit von Susanne und Friedemann Fritsch fortsetzen, die stets an der Wahrnehmung der Pfarrgemeinde als Ganzes, und nicht nur der einzelnen Gemeindebezirke gearbeitet hätten. „Die derzeitige Umstrukturierung geht von der regionalen Organisation hin zu einer inhaltlichen Zuordnung“, so der Gemeindediakon.

Unterstützung aus Triberg und Furtwangen

Als „mitfühlend, aber pragmatisch“ beschreibt Pfarrer Scharfenberg deshalb die derzeitige Arbeitssituation im Bezirk Lorenz. Gottesdienste würden jetzt meist von Laienpredigern übernommen, und in der Jugendarbeit könne man glücklicherweise noch auf zwei mit Spenden finanzierten Jugendreferenten zählen.

Nichtsdestotrotz sei in der Kirchengemeinde eine Verunsicherung zu spüren. „Bei Beerdigungen helfen auch mal Pfarrer aus Triberg oder Furtwangen aus, aber die Leuten fragen sich schon, wie es dauerhaft weitergehen wird“, sagt Scharfenberg.

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Das lässt sich momentan nämlich noch nicht sagen. Bei der evangelische Landeskirche Baden sei die Pfarrer-Stelle für den Bezirk Lorenz derzeit ausgeschrieben und nun gelte es zu warten, ob sich jemand für den Posten im Schwarzwald bewirbt, erklärt Diakon Höfflin-Glünkin. Bislang sei das aber nicht der Fall.

Eine mögliche Alternative wäre, dass eine andere Landeskirche jemanden entsendet, was aber aufgrund der vielen Seelsorger, die derzeit altersbedingt überall in den Ruhestand treten, nicht sehr wahrscheinlich sei. Pfarrer Scharfenberg jedenfalls hat auch angesichts dieser Aussichten längst nicht die Zuversicht verloren: „Es wäre doch schade, wenn man in dieser Situation nicht mehr das Gottvertrauen hätte, auch durch diese Zeit gut durchzukommen.“

Zwei Abschiede und ein gemeinsames Problem

  • Am 14. Juli wurde das Pfarrerehepaar Susanne und Friedemann Fritsch mit einem Gottesdienst in der Lorenzkirche verabschiedet. Es war der Schlusspunkt hinter eine 14 Jahre andauernde Zeit, während der sie in St. Georgen für die Seelsorge des Gemeindebezirks Lorenz verantwortlich waren. Sie nahmen anschließend Aufgaben in den Diensten der Evangelischen Landeskirche Württemberg wahr. Seither überbrücken Pfarrerin Lisa Interschick, Pfarrer Roland Scharfenberg und Gemeindediakon Martin Höfflin-Glünkin die Vakanz.
  • Nur eine Woche später, am 21. Juli, wurde auch der katholische Pfarrer für St. Georgen und Tennenbronn, Paul Dieter Auer, von der Kirchengemeinde verabschiedet. Dieser trat nach 18 Jahren als Seelsorger in der Bergstadt in den Ruhestand, womit nach der evangelischen auch die katholische Gemeinde ohne Pfarrer dastand.
  • Beide Kirchengemeinden sind seither auf der Suche nach einem Nachfolger für die Leitung ihrer Seelsorgeeinheiten. Bis diese jedoch gefunden sind, übernehmen Seelsorger aus Nachbargemeinden die Vertretung. (rho)