Dass sie mit ihren Schülern bei der Stadt-Putzete viele Zigarettenstummel finden würde, war Grundschullehrerin Katja Bieg bereits von vorneherein klar. Dass es am Ende jedoch ein allein bei den Klassen aus ihrer Schule über 1000 Stück werden würden, überraschte auch sie. Dabei stellte sie sich unweigerlich die Frage: "Gibt es ein Problem mit zu viel Müll durch weggeworfene Zigaretten in der Stadt?"

Stadt hat mit Kippen zu kämpfen

Für Hanspeter Boye, den Leiter des Bergstadt-Bauhofs, gibt es eine klare Antwort auf diese Frage: "Mit den Zigarettenstummeln haben wir generell zu kämpfen", so Boye. Er sei selbst Raucher und weiß, dass viele nicht sensibilisiert seien beim Thema Entsorgung der Stummel, erzählt er. "Anstatt sie wegzuschmeißen kann man auch die Glut ausdrehen und die Überreste auch mal in der Hosen- oder Jackentasche zum nächsten Mülleimer transportieren", so seine Meinung. Schließlich, so Boye, hänge an den Filtern einiges an giftigen Stoffen, die durch Wasser dann herausgewaschen werden.

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Dass Letzteres gerade für die Umwelt schädigend ist, weiß auch Fritz Mielert vom baden-württembergischen Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Dass Zigarettenstummel häufig auf der Straße landen, sei nichts Neues, so der Umweltexperte auf Anfrage des SÜDKURIER. Es gebe Statistiken, denen zufolge die Zigarette-Überreste in manchen Städten 30 bis 40 Prozent des Mülls ausmachen. Dass Problem dabei sei, dass sich die Filter, die aus einem Kunststoff bestehen, nur sehr schwer zersetzen würden. "Es dauert rund zehn bis 15 Jahre, bis sie verfallen", erklärt Mielert. Auch dann haben sich die Filter nicht gänzlich aufgelöst, sondern seien nur in kleinere Bestandteile zerfallen. "Von verrotten kann also keine Rede sein", erklärt der Umweltreferent.

Die Grundschüler Simion (links) und Antonio haben bei der Stadt-Putzete am vergangenen Freitag zahlreiche Zigarettenstummel gefunden.
Die Grundschüler Simion (links) und Antonio haben bei der Stadt-Putzete am vergangenen Freitag zahlreiche Zigarettenstummel gefunden. | Bild: Halter, Maximilian

Vor allem die Giftstoffe, die an dem Filter hängen, seien problematisch. Diese, so Mielert, werden durch Regen rausgespült und gelangen durch das Oberflächenwasser auch ins Grundwasser. "Arsen, Nikotin, Blei, Cadmium", zählt der Experte einen Bruchteil der giftigen Stoffe auf. Diese können auch für Kleinkinder gefährlich werden, wenn diese alte Zigarettenstummel in den Mund nehmen. Neben der Gefahr des Erstickens komme dann zusätzlich eine Vergiftungsgefahr hinzu, so Mielert. "In so einem Fall sollte man den Giftnotruf anrufen", rät er betroffenen Eltern. Aufgrund der giftigen Stoffe sei für ihn klar: "Zigarettenstummel gehören nicht in die Umwelt, auf keinen Fall." Auch Filter aus Baumwolle oder anderen natürlichen Materialien würden dieses Problem übrigens nicht lösen. "Die Schadstoffe bleiben schließlich bestehen, auch wenn die Filter sich schneller zersetzen", erklärt der Umweltreferent.

Katja Bieg wundert sich: Gibt es zu viele Zigarettenstummel auf den Straßen, wie hier in der Innenstadt?
Katja Bieg wundert sich: Gibt es zu viele Zigarettenstummel auf den Straßen, wie hier in der Innenstadt? | Bild: Halter, Maximilian

Weniger Probleme bereiten die Zigarettenstummel, die nicht auf der Straße, sondern in der Kanalisation landen. Von dort aus fließen sie in die Kläranlage. Dieser bereiten die Stummel wenig Sorgen, so der Betriebsleiter Donald Richter. Die Kläranlage könne die Zigarettenstummel mit Rechen gut herausfiltern, erklärt er. Auch mit den herausgewaschenen und giftigen Inhaltsstoffen gebe es laut Richter bei der Wasseraufbereitung keine Probleme. "Ich habe diesbezüglich auch in keiner Fortbildung davon gehört", erklärt er. Für das aufbereitete Wasser gebe es also keine Gefahr.

Fritz Mielert vom BUND merkt jedoch an: "Nicht alle Stummel landen in der Kanalisation, und auch die Kläranlage können die Stoffe nicht immer hundertprozentig herausfiltern", so der Umweltreferent. Von daher bleibt für die Filter nur eines übrig: Der Weg in den Müll.