Es gibt Bücher, die eignen sich nicht zur Bettlektüre. Zum Beispiel "St. Georgen nahe den Hauptpässen gelegen" vom St. Georgener Heimatforscher Dieter Klepper. Ein wahrhaft gewichtiges Buch: 500 Gramm schwer, 34,5 x 24,5 Zentimeter groß mit 254 Seiten in Perlschrift. Herausgegeben wurde es 1983 vom Verein für Heimatgeschichte St. Georgen. "Ein Buch von alten Straßen" heißt es im Untertitel – und gerade dieses Kapitel gewinnt derzeit an Aktualität. Geriet doch die Region um St. Georgen vor knapp 190 Jahren in eine Situation, die im umgekehrten Fall an unseren so heiß gewünschten "Lückenschluss" B 523 denken lässt.

Damals ging es um die Brogen-Passstraße, die unter anderem Hornberg und Langenschiltach mit Peterzell verband. Sie hatte während ihres 756-jährigen Bestehens den Status einer Völker-, Handels- und Poststraße. Gesäumt von Gasthäusern ("Sieh dich für"), Höfen und Poststationen war sie Teil des wichtigen Verkehrsweges durch den Schwarzwald. Damit war 1839 Schluss, als sie offiziell aus der Unterhaltspflicht des Staates entlassen wurde. Man hatte zur selben Zeit die "Neue Poststraße", ein Vorläufer der B 33, dem Verkehr übergeben – somit hatte die Brogen-Passstraße ausgedient.

Die nach Klepper reichlichen Eingaben nutzten nichts. Nun, wer zahlt, bestimmt – das galt damals, das gilt heute auch im Straßenbau. Einige anliegende Gewerbetreibende der Brogen-Passstraße verlegten ihre Werkstätten näher an die neue Straße. So die heute immer noch als "Postschmiede" bekannte Firma J.G. Weisser. Auch heute müssen Verkehrswege verbessert werden, will man heimische Firmen in der Region erhalten. Mit dem Bau der Schwarzwaldbahn und später der Bundesstraße 33 hatte St. Georgen beste Bedingungen. Die sind nach den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen wie touristischen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte wieder gefragt.

Doch ohne den Staat, das Landesverkehrsministerium und deren Finanzierung, ist mit dem gewünschten "Lückenschluss" kein Staat zu machen. Übrigens kann man viel über die Heimat in der Geschichtstruhe des Vereins für Heimatgeschichte nachlesen, jeweils freitags ab 15 Uhr gemütlich am Tisch sitzend. Eine Tasse Kaffee oder Tee wird gern gereicht.

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