Die evangelische Kirchengemeinde St. Georgen-Tennenbronn feierte am Sonntag das 150-jährige Bestehen der Lorenzkirche. Die rund 700 Besucher, die dem Festgottesdienst beiwohnten, dürfen sich ebenso als Teil der Geschichte fühlen, wie all jene Menschen, die in den vergangenen 1,5 Jahrhunderten die Lorenzkirche durch ihre Besuche mit Leben füllten. Sie allesamt seien Teil einer Geschichte, "die noch lange nicht zu Ende ist", sagte der Hausherr des Gotteshauses der Lorenzgemeinde, Pfarrer Friedemann Fritsch. Wie viele Gottesdienste, Taufen, Trauungen und Trauerfeiern in der Kirche, die bei dem verheerenden Stadtbrand 1865 zerstört und nach zweijähriger Bauzeit 1867 wieder eingeweiht wurde, gefeiert wurden, könne niemand sagen. "Die Namen und Schicksale weiß nur Gott allein", so Fritsch.

Der Bischof der evangelischen Landeskirche Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh aus Karlsruhe, sagte, Kirchen würden den Menschen Gottvertrauen geben. "Und die Lorenzkirche strahlt dieses Gottvertrauen seit 150 Jahren aus." Währen dieser Zeit habe die Kirche viel Glück, aber auch viel Verzagtheit gesehen. Viele Paare seien hier getraut, viele Kinder getauft worden. Der Bischof erinnerte in seiner Predigt aber auch an die Menschen, die in Kriegszeiten in ihrem Glauben und in der Kirche Trost suchten. Musikalisch mitgestaltet wurde der feierliche Gottesdienst von der Kantorei unter der Leitung von Jochen Kiene und dem Posaunenchor unter der Leitung von Helga Reinbold. Mitglieder des Trachtenvereins zogen, wie traditionell bei kirchlichen Anlässen üblich, in der Tracht in die Kirche ein.

Beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus gratulierten zahlreiche Redner. Darunter auch der katholische Stadtpfarrer Paul Dieter Auer. Als Zeichen der ökumenischen Zusammenarbeit verzichtete die katholische Kirche an diesem Tag auf einen eigenen Gottesdienst. Bürgermeister Michael Rieger bezeichnete die Lorenzkirche als "Stätte der Begegnung und inneren Einkehr." Er betonte die gute Zusammenarbeit zwischen der kirchlichen und der politischen Gemeinde im sozialen Bereich etwa als Kindergartenträger, und auf kultureller Ebene. Siegbert Hils fasste die vergangenen 150 Jahre aus der Sicht des Namengebers der Kirche, dem Heiligen Laurentius zusammen – in Reinform. Von der Zerstörung durch den Stadtbrand über den Wiederaufbau und Renovierungsmaßnahmen, für deren Finanzierung etwa 1913 auch wertvolles Kircheninventar verkauft werden musste.

Was die Menschen wohl vor 150 Jahren dazu bewegen habe, ein derart großes Kirchenschiff zu bauen, diese Frage stellte sich Dekan Wolfgang Rüter-Ebel vom Kirchenbezirk Villingen. Er vermutete, dass dahinter der einsetzende Strukturwandel mit Eisenbahnbau und die beginnende Industriealisierung die Menschen steckte. Pfarrerin Susanne Fritsch, die sich für die Zusammenstellung einer Festschrift intensiv mit der Geschichte der Lorenzkirche befasst hatte, konnte hier für schnelle Aufklärung sorgen. "Früher gingen an normalen Sonntagen nachweislich 1000 Gläubige in den Gottesdienst, an Feiertagen waren es bis zu 1700 Menschen", sagte sie über den protestantisch geprägten Ort. Auch verschiedene ehemalige Pfarrer, die in der Lorenzgemeinde gewirkt haben, übermitteln Grüße.

Pfarrer Werner Alze, der 15 Jahre lang Pfarrer der Lorenzgemeinde war, ließ es sich nicht nehmen, die weite Reise von Berlin auf sich nehmen, um an dem Jubeltag persönlich dabei zu sein. Nach dem offiziellen Teil konnten sich die Besucher an einem reichhaltigen Büfett stärken, das von den Mitgliedern des Christlichen Vereins junger Männer verantwortlich organisiert wurde.

 

Festbuch erschienen

Zum 150-jährigen Jubiläum der Lorenzkirche ist ein Festbuch erschienen, das ab sofort bei der Buchhandlung Haas und im Pfarrsekretariat der Lorenzgemeinde erhältlich ist. (spr)