Sie singen bei fröhlichen Anlässen und bei Trauerfeiern, und das praktisch ausschließlich für Betriebsangehörige. Der Werkchor der Firma J. G. Weisser besteht seit 50 Jahren. Er ist der letzte noch bestehende Betriebschor eines St. Georgener Unternehmens und einer der letzten im Südwesten. Und wie die meisten Chöre ist er von Existenzsorgen geplagt.

Probe in der Betriebskantine

Einmal im Monat wird die Betriebskantine der Firma J. G. Weisser zum Probenraum, wenn sich die 18 Sänger um Chorleiter Helmut Wössner dort zur Singstunde treffen. Dann wird das Repertoire aufgefrischt. "Wir singen von klassisch bis modern und von Kirchenliedern bis Schlager fast alles, außer Englisch", umreißt Helmut Wössner das Repertoire. Seit 1981 leitet er den reinen Männerchor, dessen Mitglieder heute bis auf eines alle Ruheständler sind.

Jubiläen und Beerdigungen

In den vergangenen 50 Jahren hat der Werkchor von J. G. Weisser bei zahlreichen Betriebsjubiläen, Geburtstagen, Ehejubiläen und Beerdigungen von Betriebsangehörigen gesungen und den Anlässen so einen würdigen und feierlichen Rahmen verliehen. Seltene Auftritte, bei denen der Chor sein Können öffentlich zeigt, sind Konzerte im Altenheim und in Kirchen. Bei den jährlichen Ausflügen hat es sich der Chor zum Ritual gemacht, in einer Kirche zu singen. "Wir waren schon im Dom in St. Blasien und im vergangenen Jahr waren wir im Straßburger Münster", zählt Wössner auf.

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Kurz vor der Auflösung

Auch bei der jährlichen Ehrung von Arbeitsjubilaren ist der Auftritt des Werkchores fester und gern gehörter Bestandteil. Wenngleich die Sänger immer weniger und das Aufrechterhalten der gesanglichen Leistung dadurch immer schwieriger werden. Anfang der 2000er Jahre stand der Chor sogar kurz vor der Auflösung. Einige Sänger des befreundeten Chores Eintracht aus Tennenbronn verstärkten den Chor. Zuletzt hat der Werkchor noch einmal Verstärkung durch einige Sänger des ehemaligen Sängerbundes bekommen, der sich im vergangenen Jahr aufgelöst hat. "Sonst wären wir noch stärker in der Existenz bedroht", machen Vorsitzender Rolf Hezel und sein Vize Willi-Karl Fichter deutlich.

Notenkenntnisse keine Voraussetzung

Hezel und Fichter würden sich, ebenso wie Chorleiter Helmut Wössner wünschen, dass sich aus dem Unternehmen wieder der ein oder andere Mitarbeiter als Chorsänger finden würde, um die Tradition des Werkchores weiterhin aufrecht zu erhalten. Aber auch Männer, die nicht bei J. G. Weisser beschäftigt sind, seien willkommen. Notenkenntnisse seien keine Voraussetzung. "Aber man sollte schon ein bisschen singen können", schränkt Wössner ein.

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Hier singen nur Männer

Dass der Chor bis heute ein reiner Männerchor ist und keine Frauen aufgenommen hat, kann der Chorleiter ganz einfach begründen. "Weil man sonst das gesamte Notenmaterial wegschmeißen und komplett neue Arrangements beschaffen müsste."