Nicht alles Gold, was glänzt

Ich muss anmerken, dass ich die letzten sechs Jahre in einer größeren Stadt gewohnt habe und dort nie wirklich den Anschluss gefunden habe. Darum habe ich mich mit meinem Mann bewusst dazu entschieden, wieder hier in meinen Heimatort zu ziehen und neu anzufangen. Die Nachbarn sind hier nett und man grüßt sich auf der Straße. Klar, hier ist man selten am Puls der Zeit und wenn man doch mal größere Besorgungen erledigen muss, ist es notwendig, in die nächste größere Stadt zu fahren. Dennoch schätze ich die Ruhe und auch wie die Menschen hier miteinander umgehen und leben. Aber natürlich ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt.

Mareike Maier, St. Georgen

 

Nicht unter der Brücke landen

Eine junge Frau hebt den Stellenwert von Architektur und Ausbildung hervor:

Danke für diesen Text. Ich gehöre zu der jüngeren Generation aus St. Georgen. Ich bin hier aufgewachsen. Auch wenn ich jünger bin, gefallen mir die alten Schwarzwaldhäuser sehr. Die jungen Leute gehen nur aus St. Georgen raus, damit wir unseren Traumberuf lernen und nicht unter der Brücke landen.

Antonia Wiedemann, St.Georgen

 

Angebote auch ausprobieren

Beobachtungen zum kulturellen Angebot, das besser genutzt werden sollte:

Als Ihre ehemalige Deutschlehrerin freue ich mich, dass Sie Freude an journalistischer Arbeit entdeckt haben. Ich selbst als Vertreterin der Seniorengeneration lebe gern in St. Georgen und fühle mich hier zu Hause. Ich finde hier fast alles, was ich im Alltag brauche. Mir gefällt die Arbeit des Bürgermeisters, der sich bemüht, alle Vorhaben zu erklären, schon viel in die Wege geleitet hat und noch viel vorhat, insbesondere bei der Umgestaltung des hässlichen Marktplatzes. Allerdings stelle ich bei all den schönen Angeboten und Begegnungsmöglichkeiten für Kinder und Familien fest, dass diese auch angenommen werden müssen, sonst geht manche Initiative ein, wie die Familienwanderungen vom Schwarzwaldverein, die Vorlesestunde im Öku, oder der Jugendchor, den der neue Kantor ins Leben rufen wollte. Deshalb stört mich das häufige Mäkeln, es sei hier nichts los. Da gilt es hinzugehen und selbst etwas auszuprobieren!

Hildegard Barth, St. Georgen

 

Bürgerengagement verdient Respekt

Der SPD-Fraktionsvorsitzende übt Kritik:

Dieses Essay beschränkt sich in weiten Teilen leider auf den Part der subjektiven Gestaltung. Schon in der Überschrift herrscht Stimmungsmache. Nach einem Bericht der gleichen Zeitung, hat St. Georgen zuletzt 105 Einwohner gewonnen. Also scheinen die Bürger glücklicherweise nicht aus zu gehen. Zum Torwartshäusle: Dass das aktuelle Gebäude nach einer Menge von Umbauten, mit dem von 1790 vor allem noch die Grundmauern gemeinsam hat, dass mehrfache Begehungen durch das Denkmalamt ausdrücklich keinen historischen Wert des aktuellen Gebäudes erkennen konnten, dass die Sanierungsarbeiten in Jahrzehnten der privaten Eigentümerschaft unterblieben und im Weiteren auf ausdrücklichen Wunsch von Mitbesitzern, die ihren Lebensabend in Ruhe in dem Haus verbringen wollten, unterlassen wurden und dass nach dem Abbruch kein freier Platz entstehen soll, sondern ein Zugang zu den im Keller des Gebäudes wahrscheinlich ruhenden letzten Resten des Klosters geschaffen werden soll. Zum Klosterweiher: Die Verwaltung beschränkt Veranstaltungen auf 22 Uhr. Dass hier der Lärmschutz der Anwohner das Hindernis ist und nur ein, auf Vermittlung der Verwaltung zustande gekommener Kompromiss zwischen Jugendgemeinderat und Anwohnern die Veranstaltung überhaupt möglich gemacht hat – weiß ja keiner – kann man ja unerwähnt lassen. Als nächstes werden globale gesellschaftliche Entwicklungen benutzt, um unsere Heimat in ein schlechtes Licht zu stellen. Es folgt eine Passage, in der die Bemühungen unserer Vereine und privaten Initiativen für das Stadtfest und den Weihnachtsmarkt, als unzureichend, langweilig und unattraktiv dargestellt und dabei mit kommerziellen Angeboten in der Umgebung verglichen werden. Diese Veranstaltungen sind eigentlich ein schönes Beispiel für erhebliches bürgerschaftliches Engagement und verdienen Respekt und Anerkennung, statt Herabsetzung. Insgesamt erscheint mir der Autor einen erheblichen Teil des Lebens in St.Georgen auszublenden, mit Großstädten zu vergleichen oder nicht zu kennen. Für das Angebot an Gaststätten kann man ja schlecht die Kommune verantwortlich machen. Wie kann er den über zwei Jahre andauernden Beteiligungsprozess an der Innenstadterneuerung damit abtun „sie (die Protestwähler) wollen, dass die Politik ihnen zuhört“ und wie kann er das kulturelle Leben in St.Georgen als leblos bezeichnen. Ich finde, wir stehen für unsere Größe gut da und bieten für fast jeden Geschmack etwas. Natürlich ist in St.Georgen nicht alles gut und natürlich braucht es darüber Diskussionen, aber diese sollten fundiert sein, auf Tatsachen beruhen und nicht in plakativen Anschuldigungen bestehen. Wie vom Autor selbst gesagt, jeder Einzelne ist aufgefordert sich persönlich zu beteiligen!

Oliver Freischlader, St. Georgen

 

Einer hilft dem anderen

Über Bausünden, Kaufverhalten und die Bedeutung guter Nachbarschaft:

1962 wurde unsere Lorenzkirche kaputtsaniert. Alles Alte wurde einfach rausgeschmissen und die bunten Glasfenster wurden durch Betonfenster ersetzt. Alle, die dagegen waren, wurden belächelt oder als hinterwäldlerisch hingestellt. Als wir 1997 an die Renovierung gingen, waren genau die Personen dagegen, die das damals verbrochen hatten. Schon damals wollte man auch das Bausch’sche Haus platt machen, aber die Besitzer haben nicht mitgemacht. Vor zwei Jahren gab es eine Aktion, 14 Tage nur in St. Georgen einzukaufen. Es haben gerade mal 30 Leute oder Familien mitgemacht, das spricht doch für sich. Das Stadtfest ist für mich immer noch etwas Besonderes, weil viele Ehemalige kommen, um alte Bekannte zu treffen. Und wer ginge von den Jugendlichen noch an den Klosterweiher, wenn die ganzen Spielgeräte nicht da wären? Im Übrigen ist bei uns kulturell immer sehr viel geboten. Gerhard Polt aus Bayern war zum ersten mal im „Ausland“, Matthias Richling war schon da, oder der Clown Popow. Kantor Helmut Franke hat auch viel bewirkt. Heute sind es die Leute vom Theater im Deutschen Haus, die viel zur Kultur beitragen. Bei uns in der Hasemannstraße und in der Talsteige hilft einer dem anderen. Wenn ich ein Problem mit meinem Computer habe, bekomme ich Hilfe. Und ich mache fast alle kleineren Reparaturen. Vieles können wir nicht lösen. Wir können nur im Kleinen dazu beitragen, das manches besser läuft.

Herbert Jäckle, St. Georgen

 

Zerrbild der Stadt gezeichnet

Eine weiterer Leser, der gerne hier lebt und entschieden widerspricht

Dieser Bericht ist ein Zerrbild der Situation. Man darf doch nicht, ohne die Einzelheiten zu kennen, mit ein paar Schlagworten die Lage in St. Georgen bewerten. Da sind wohl die Stricke, die Herrn Rodgers mit unserer Heimatstadt verbinden, doch zu schwach. Danke für das schöne Bild unserer Heimatstadt. Ich finde es wunderbar, hier zu leben!

Hansjörg Winzer, St. Georgen

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