Beide Becken sind inzwischen gesperrt. Das Schwimmerbecken mit eigenem Wasserkreislauf ist weiter in Betrieb. Die Stadt bedauert Betriebseinschränkungen insbesondere für Familien mit Kindern. Gemeinderäte und Vereine sind über die technische Störung informiert, Schwimmkurse liegen auf Eis.

  1. Was sind Legionellen? Legionellen sind im Wasser lebende Bakterien. Sie kommen in geringer Konzentration nahezu überall vor, wo Wasser erwärmt wird. Ideale Vermehrungsmöglichkeiten bieten Temperaturbereiche zwischen 25 und 50 Grad, also die heimische Dusche, Wassertanks wie auch Schwimmbäder. Die Erreger können eine Lungenentzündung mit lebensgefährlichem Verlauf (Legionärskrankheit) hervorrufen. Die Erkrankung lässt sich mit Antibiotika gut behandeln.
  2. Wie steckt man sich an? Grundsätzlich ist ein Kontakt mit Leitungswasser möglich. Für Menschen mit intaktem Immunsystem besteht laut Robert-Koch-Institut sogar beim Trinken keine Gefahr. Gefährlich wäre dagegen in tiefe Abschnitte der Lunge gelangt. Das Einatmen des Wassers in Tröpfchenform (Aerosol) etwa bei Sprühnebel könnte zu einer Infektion führen.
  3. Wie wurden die Bakterien entdeckt? Bei der vierwöchentlichen Beprobung des Kinder- und des Nichtschwimmerbeckens wurde bereits im Sommer immer wieder eine erhöhte Legionellenbelastung festgestellt. Sie erreichte selbst im höchsten Fall nicht den halben Wert der Maßnahmenschwelle.
    Zwischen den Probeterminen versuchten die Techniker das Problem mit herkömmlichen Maßnahmen zu lokalisieren und zu lösen. Nach einer Prüfung der Filteranlage der beiden Becken lag eine Überschreitung des so genannten technischen Maßnahmewertes vor. Das ist ein Hinweiswert, aber kein Grenzwert für eine eventuelle Infektionsgefahr. Den gibt es nämlich nicht. Die Mitteilung kam am Montagvormittag. Das Rathaus handelte. "Wir sind da in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt", sagte Bürgermeister Michael Rieger.
  4. Gibt es einen Verdacht? Eigentlich nicht. Gemeinsam mit der Herstellerfirma geht es an die Ursachenforschung. "Es können Kinderkrankheiten des neuen Hallenbads sein", meinte Stadtbaumeister Alexander Tröndle. Es könnte ein Funktionsteil ausgefallen sein, es könnte auch mit der energetischen Optimierung der Anlage, also dem möglichst geringen Wasserverbrauch, zusammenhängen. Oder sind es Wasserreste, die übers Wochenende in den Schwimmdüsen verbleiben.
  5. Welche erste Maßnahmen folgen? Geprüft werden alle Abläufe. Weil Chlordioxid als gängiges Desinfektionsverfahren bei Legionellenbefall gilt, gehört eine Hochchlorierung der Kohle-Filteranlage zu den ersten Maßnahmen. Zudem, so Tröndle, werde man den Frischwasseranteil bei der Rückspülung erhöhen. Chlorperoxid werde in das Rückspülbecken injiziert.
  6. Wie lange dauert die Sperrung an? "Wir wollen auf Nummer sicher gehen", betont der Bürgermeister und setzt auf eine offene Informationspolitik.
    Der Badebetrieb der beiden Becken wird mindestens drei Wochen ruhen. Das hängte damit zusammen, dass das Ergebnis einer Probe und damit eine Aussage über die Befallsquote erst nach zehn Tagen feststeht. Zwischenmessungen während der Ursachenforschung wird es auch aus Kostengründen nicht geben, so der Bürgermeister. Erst wenn die Reparatur nach Einschätzung der Fachleute abgeschlossen ist, erfolgt ein weiterer Test. Und auch deren Ergebnis dauert zehn Tage.
  7. Warum ist das Schwimmerbecken in Betrieb? Das gegenüber Kinder- und Nichtschimmerbecken etwa zwei Grad kühlere Schwimmerbecken wird durch einen separaten Wasserkreislauf versorgt. Routine-Wasserproben aus dem Becken lieferten in der Vergangenheit keine Auffälligkeiten. Es gibt deshalb keine Anhaltspunkte auf den Befall durch Keime.