Geld und Aufmerksamkeit sind die Maßstäbe unserer Zeit, das zeigt sich gerade im Kunstbetrieb in besonderer Weise. Dieser oft abgeschlossenen Welt der Kunstproduktion und deren Vermarktung mit ihrer ganz eigenen Ästhetik hat sich Patrick Fabian Panetta in seiner Arbeit angenähert. Er hat die vergangenen anderthalb Monate als Kurzzeit-Residenzkünstler in den Räumen des Kunstvereins Global Forest in der Friedrichstraße gearbeitet und präsentiert morgen Samstag dort die Ergebnisse seines Schaffens.

Keine Werke zum Anfassen

Seine Arbeit, das ist eine Art Streifzug durch die digitale Präsentation von Kunst, wie sie vor allem auf den Webseiten von Galerien und Einzelkünstlern dargestellt wird. „Man merkt dabei, wie sehr die Kunstproduktion inzwischen der Wirtschaftlichkeit überlassen wird und niemand danach fragt, was das physische Kunstwerk leisten kann“, sagt Panetta.

Einen kritischen Blick auf die Präsentation von Kunst im Internet wirft Patrick Fabian Panetta in seiner Video-Präsentation, die an diesem Tag ebenfalls vorgestellt wird.
Einen kritischen Blick auf die Präsentation von Kunst im Internet wirft Patrick Fabian Panetta in seiner Video-Präsentation, die an diesem Tag ebenfalls vorgestellt wird. | Bild: Rolf Hohl

Und entsprechend fallen auch seine aufgezeichneten Besuche auf den Internetseiten der Galerien aus: Es wird mit technischen Überraschungseffekten gearbeitet, die manchmal nicht richtig funktionieren, oder es klicken sich die Besucher der Webseiten einfach durch lieblose Aneinanderreihungen von Fotografien.

„Ziemlich kitschig“

„Die Form und die Funktion dieser Seiten ist darauf ausgelegt, Emotionen zu schaffen, aber in Wahrheit ist das oft ziemlich kitschig“, so Panetta. Entstanden sind daraus zahllose kurzweilige und unterhaltsame Videos, die interessante Einblicke in das Selbstverständnis des Kunstbetriebs bieten.

Um Geld geht es auch beim zweiten Programmpunkt an diesem Abend. In einer Lecture Performance stellt der Autor und Verleger Thomas Geiger sein Buch „Peeing in Public“ über das Urinieren im öffentlichen Raum vor und wartet dabei mit äußerst erhellenden Erkenntnissen zu diesem vermeintlich banalen Thema auf.

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Wann und wo jemand müssen darf, sei nämlich bis heute auch eine Frage von Macht und Geld, sagt er. „Am Pinkeln im öffentlichen Raum kann man erstaunlich viel über gesellschaftliche Strukturen ablesen. Etwa wenn es an viele Orten kostenlos zugängliche Pissoirs für Männer gibt, Frauen für die Toilettennutzung aber bezahlen müssen, weil sie sich eben nicht einfach irgendwo in eine Ecke stellen können.“

Ein Markt von 600 Milliarden Euro

Vor diesem Hintergrund geht Geiger auch auf das Geschäft mit öffentlichen Toiletten ein, die während seines dreimonatigen Aufenthalts in St. Georgen mit dem Projekt „Nette Toilette“ auch hier eine Rolle gespielt hat. Waren diese bis 1998 gerade an Bahnhöfen und anderen öffentlichen Plätzen noch in staatlicher Hand, wurde dieser Bereich zunehmen privatisiert.

Heute, so sagt er, gebe es kaum noch frei zugängliche Toiletten, die kostenlos benutzbar seien. Schätzungen zufolge ist so ein globaler Markt mit einem Umsatz von rund 600 Milliarden Euro entstanden. Grund genug also, da einmal genauer hinzusehen.