Stabile Familie, Muttersprache Deutsch: Wohl den Kindern, die so ihren Bildungs- und Berufsweg in Angriff nehmen dürfen. Pädagogen wissen aber, dass die soziale Wirklichkeit in unseren Schulen mitunter eine andere ist. Probleme in der Familie, im Freundeskreis oder mit Mitschülern drohen zu echten Krisen zu wachsen, die junge Menschen aus der Schule werfen können. Das Netzwerk Kompass pflegt an dieser Stelle einen Ansatz, der bei Problemanalyse und Lösungssuche bisherige Konzepte übertreffen möchte. Eine auf der Kippe stehende Bildungsbiografie wird hier von mehreren Seiten betrachtet und externe Hilfe wartet nur einen Telefonanruf entfernt. Doch Angebote bleiben Angebote. Lehrkräfte und Sozialpädagogen können mit einem empathischen, sensiblen Ansatz das Vertrauen von Schülern gewinnen. Sie können hinter Erzählungen Familienstrukturen erkennen. Doch sie können niemanden auf die Hilfsmöglichkeiten verpflichten. So wird es darauf ankommen, dass Eltern das Projekt im Frühjahr kennenlernen und sich danach schon bei frühen Auffälligkeiten nicht scheuen, Rat zu holen. Das wird dauern. Erfahrungsgemäß sind die treuen Besucher von Elternabende gar nicht die Klientel des Projektes. Kompass braucht finanziell einen langen Atem. Der wäre wünschenswert, denn Vorbeugung spart dem Staat viel Geld.

jens.wursthorn@suedkurier.de

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