Vor leeren Kirchenbänken zu predigen macht keinem Pfarrer Spaß. Unkonventionelle Anregungen, wie man wieder mehr Besucher in die Gottesdienste bringt und obendrein die Kirchenkasse aufbessert, brachte das Damentrio vom evangelisch oberrheinischen Kirchenkabarett beim Kabarettabend im ökumenischen Gemeindezentrum vor.

Eigentlich freuten sich die rund 90 Besucher auf einen entspannten Kabarettabend. Stattdessen fanden sie sich aber in einem Workshop wieder, wie Claudia Zoller, Cornelia Schmidt und Monika Rudolph mit ernster Miene erklärten – um aufgrund der hohen Teilnehmerzahl dann doch von einer persönlichen Vorstellungsrunde abzusehen. Dabei sezierten sie mit geschliffener Zunge den "Kundenmangel", wie sie sagten, in der evangelischen Kirche. Und blickten neidisch hinüber zu den Katholiken, die offensichtlich eine bessere PR-Agentur haben. Nicht nur, weil dort ein professionelles Duftmarketing mit unverwechselbarem Weihrauchgeruch herrscht. Auch personell scheinen die Katholiken besser aufgestellt: Immerhin ist der Papst eine feste Größe. Da müssen die evangelischen Gläubigen nachlegen.

Eine Church-Card könnte die Lösung sein: Je nach Status – Bronze, Silber, Gold oder gar Platin – könnten Gottesdienstbesucher dabei verschiedene Annehmlichkeiten wie Sitzkissen, Einnahme des Abendmahls am Platz oder wöchentlichen Besuch vom Pfarrer in Anspruch nehmen. Damit sich Neukunden bei ihrem ersten Gottesdienstbesuch auch sicher zurechtfinden, müsste es eine Art Gebrauchsanweisung geben, so die Damen. Wie eine Flugbegleiterin nahm Cornelia Schmidt die Neuen an die Hand: "Essen und Trinken während des Gottesdienstes ist nicht gestattet, mit Ausnahme des Abendmahls. Bitte nehmen sie nur einen Schluck Wein aus dem Kelch, den sie nicht schlürfen."

Letztlich wurde auch die Kosten-Nutzenseite der Kirche beleuchtet: Um die leeren Kassen aufzubessern, könnte man für verschiedene Dienstleistungen ordentlich Geld verlangen, wie das Damentrio, allesamt mit einem kirchlichen Hintergrund, verdeutlichte. Eine Hochzeit könnte da schon auf einen fünfstelligen Betrag kommen, sofern man am Wochenende in der Hauptsaison und mit Pfarrer heiraten möchte.

Dass Kirchenarbeit nicht ohne eine Vielzahl von Ehrenamtlichen funktioniert, wussten die Damen ebenfalls. Und sangen nicht nur ein Loblied auf die Ehrenamtsarbeit, sondern zeichneten stellvertretend an Ort und Stelle drei Ehrenamtliche aus, die sich besonders verdient machen. Die Zuhörer erlebten einen höchst vergnüglichen Abend und haben schnell vergessen, dass es sich genau genommen ja um einen Workshop handelte.
 

Kirchenkabarett

Das evangelisch oberrheinische Kirchenkabarett besteht aus Claudia Zoller, Cornelia Schmidt und Monika Rudolph. Alle drei Damen kommen aus Kenzingen im Breisgau und haben einen kirchlichen Hintergrund. Monika Rudolph ist Prädikantin und hält immer wieder Gottesdienste. Cornelia Schmidt ist Tochter eines ehemaligen Dekans. Und Claudia Zoller ist im Posaunenchor aktiv. Seit rund anderthalb Jahren sind sie mit ihrem Kabarettprogramm auf Tour. (spr)