Die Stadt verliert den Kinder- und Jugendarzt-Sitz, den Viktor Mil inne hatte. Bürgermeister Michael Rieger berichtete im Gemeinderat über eine unerfreuliche Korrespondenz mit der Kassenärztlichen Vereinigung. So habe er am Montag dieser Woche erfahren, dass der KV-Zulassungsausschuss den Sitz vergeben habe. "Die haben uns links liegen gelassen", schimpfte er über die KV-Informationspoltik. Demnach sei der aus gesundheitlichen Gründen aufgegebene Sitz seit April ausgeschrieben gewesen.

Ohne Hinweis an die Stadt. Innerhalb eines halben Jahres hätte ein Nachfolger gefunden in St. Georgen gefunden werden können. Danach fällt der Sitz wegen einer Kinderarzt-Überversorgung auf Kreisebene weg. Die Situation hätte sich allenfalls auf der KV-Homepage erschlossen. "Aber wer schaut dort schon regelmäßig hin", so Rieger.

Rieger hatte Mitte Oktober die Erlaubnis erhalten, gemeinsam mit der KV um einen Nachfolger zu werben. Auch der Beisitzer der Immobilie mache mit, teilte er damals im Rat mit. Tags darauf sei er von der KV aufgefordert worden, die Werbeaktivitäten der Stadt einzustellen. Es gebe einen Interessenten.

Rieger reagierte mit Verärgerung auf die intransparente KV-Entscheidung, aber auch mit der Forderung, wenn irgend möglich den Sitz in St. Georgen in Form einer Umwandlung in eine Nebenbetriebsstätte zu erhalten. Über den neuen Inhaber des Praxissitzes gibt es keine Infos. Die Stadt ist nicht am Verfahren beteiligt. "Wir hatten da gar keine Chance", so Rieger. Nicht weniger Unverständnis beim Gemeinderat. "Das ist eine Frechheit", äußerte sich FW-Sprecher Joachim Kleiner.da die Sitzungen der Zulassungsausschüsse immer nicht-öffentlich sind, bitte ich um Verständnis, dass wir zu dem Sachverhalt keine Stellung nehmen dürfen.

Die KV gab am Donnerstag zum Vorgang keine Erklärung ab, denn die Sitzungen des Zulassungsausschusses seien stets nichtöffentlich, sagte KV-Sprecher Kai Sonntag. Ganz allgemein könne er aber sagen, dass der Zulassungsausschuss eine Auswahl nach Versorgungsgesichtspunkten treffen müsse, wenn es auf einen Arztsitz mehrere Bewerber gibt. Ebenfalls sei es bei einer Nachbesetzung durchaus möglich, dass ein Sitz an einen anderen Standort verlegt wird, je nachdem, wie viele Bewerber es gibt und wie die Versorgung dann am besten fortgeführt wird.