Anerkannt ist der Beruf erst seit 2002 – für Silke Brink war ihre Tätigkeit jedoch längst überfällig. Neben der Pflege der Nägel und Fußhaut sorgt Brink bei ihren Patienten dafür, dass etwa Wachstumsstörungen, Verhornungen und Wunden an den Füßen geheilt werden. Vor allem für Diabetiker, deren Extremitäten nach und nach taub werden können, sind Podologen, neben anderen Fachärzten, ein wichtiges Zusatzangebot. Doch ein verhältnismäßig junger Beruf kann auch Nachteile haben: "Mir ist wichtig, unsere Tätigkeit ins Bewusstsein zu holen und mit Vorurteilen bei Heilpraktikern aufzuräumen", erklärt die St. Georgenerin.

Eigene Grenzen erkennen

Heilpraktiker haben in der Gesellschaft einen schweren Stand. Immer wieder machen selbst ernannte Ärzte durch fatale Fehleinschätzungen bei ihren Patienten in den Medien von sich aufmerksam. Podologin Silke Brink hat deshalb mit Ressentiments zu kämpfen: "Ich höre immer wieder, dass Heilpraktiker von vielen abgestempelt werden und teilweise kann ich das verstehen. Wie in jedem anderen Beruf gibt es auch bei uns schwarze Schafe." Meist überschätzten sich ihre Kollegen und wüssten nicht, wann ein Arzt zurate gezogen werden muss. Das sei ein großes Problem. "Deshalb ist es wichtig, genau zu wissen, wo meine Grenzen sind. Ich muss einschätzen können, wann ich nicht helfen kann und darf", so Brink.

Zu der Ausstattung in der podologischen Praxis gehören auch eine weiße Jacke und viele Geräte, mit der Silke Brink ihre Patienten versorgt.
Zu der Ausstattung in der podologischen Praxis gehören auch eine weiße Jacke und viele Geräte, mit der Silke Brink ihre Patienten versorgt. | Bild: Küster, Sebastian

Um Fehler zu vermeiden und Vertrauen in der Bevölkerung herzustellen, möchte sich die Podologin in St. Georgen ein medizinisches Netzwerk aufbauen. Mit einigen Ärzten in der Region hatte sie bereits Kontakt. "Es ist wichtig, dass wir da an einem Strang ziehen", so Brink.

Ärzteversorgung reicht nicht aus

Doch gerade auf dem Land lässt die Ärzteversorgung zu wünschen übrig. Zwar seien derzeit noch ausreichend Hausärzte in St. Georgen vorhanden, doch in einigen Jahren gingen die in Rente. Ob Nachwuchsärzte sich in der Bergstadt ansiedeln, sei fraglich. Bei Fachärzten sei die Entwicklung noch dramatischer. Deshalb sei es wichtig, dass es mehr Anreize für junge Ärzte gebe, die ihre Praxen dann auf dem Land eröffnen.

Die Maschine zur Sterilisation und Desinfektion der Geräte kostet mehrere tausend Euro. Die Investiotion ist jedoch wichtig, denn die Hygienevorschriften in Brinks Praxis sind hoch.
Die Maschine zur Sterilisation und Desinfektion der Geräte kostet mehrere tausend Euro. Die Investiotion ist jedoch wichtig, denn die Hygienevorschriften in Brinks Praxis sind hoch. | Bild: Küster, Sebastian

Die Suche nach medizinischer Versorgung der Kommunen führt teilweise so weit, dass Verwaltungen kreative Marketing-Strategien verwenden, um Ärzte für sich zu gewinnen. Laut Silke Brink hätte beispielsweise die Gemeinde Schönwald vor einiger Zeit ein riesiges Schild an der Ortseinfahrt mit dem Titel "Landarzt gesucht" aufgestellt. "Das ist schon bedenklich und kann so nicht weitergehen", positioniert sich die Podologin. Die gelernte Erzieherin war vor ihrer beruflichen Neuorientierung als Schulsozialarbeiterin in Villingen-Schwenningen aktiv. Freundinnen, die eine kosmetische Fußpflege betreiben, haben sie auf die Podologie gebracht. "Kein Fuß ist wie der andere. Ich war fasziniert, wie der gesamte Körper zusammenspielt und habe die zweijährige Ausbildung begonnen", sagt Brink. Obwohl die Nachfrage nach Podologen in größeren Städten wohl größer wäre – die Praxis nicht in der Bergstadt zu eröffnen stand nie zur Debatte. "Ich bin halt St. Georgenerin und bleibe es", so Brink.

Hygiene wird groß geschrieben

Die hygienischen Standards in der Podologie sind hoch. Nach einer Behandlung werden die benutzten Geräte sterilisiert und desinfiziert. Das erledigt Brink nicht mit ihren Händen oder gar Füßen – diese Aufgabe übernehmen hochmoderne Maschinen. Laut Brink kostet ihre Reinigungsanlage mehrere tausend Euro.

Praxis vor drei Wochen geöffnet

Doch diese Investition hat sich gelohnt: Ihre Praxis am Bärenplatz 8, direkt hinter dem Sanitätshaus Knupfer, hat Brink zwar erst vor drei Wochen geöffnet, trotzdem betreut sie schon über 50 Patienten. Ein deutliches Zeichen dafür, wie wichtig Podologen – auch in der Bergstadt – seien.

Kassenpatienten sind willkommen

Es gebe zwar weitere Praxen, die sich vor Silke Brink in St. Georgen niedergelassen hätten, "ab 2019 bin ich hier aber die einzige, die für Kassenpatienten zuständig ist", so Brink. Für die Podologin ist diese Versorgung ein wichtiger Grundsatz ihrer Arbeit, obwohl sie an Privatpatienten eigentlich mehr verdienen würde. "Ich habe mich schon damals früh in der Ausbildung dafür entschieden nach meinem Abschluss die Kassenlizenz zu beantragen. Ich will für alle da sein und helfen."