Jochen Kiene, Kantor der evangelischen Kirchengemeinde St. Georgen-Tennenbronn, hatte sich das Adventslied "Nun komm, der Heiden Heiland" als Grundlage zu seinem Orgelkonzert ausgesucht. Es ist wohl wenig bekannt, dass Martin Luther den altkirchlichen Hymnus Veni redemptor gentium des Ambrosius von Mailand (339 – 397) vom lateinischen Text ins Deutsche übertrug.

Aus dem Orgelbüchlein von Johann Sebastian Bach stammt die von Jochen Kiene vorgetragene erste Version des Adventsliedes. Überaus leise klingen die zart intonierenden Pfeifen des an der Empore vorgebauten Orgelprospekts. Jochen Kienes Interpretation schuf eine von Ruhe dominierte Spannung im Kirchenraum. Doch wer Bach kennt, erwartet früher oder später den vollen Raumklang der Orgel. So entwickelte sich die Aufführung mit jedem fortschreitenden Takt zu einem wohlgeformten, variantenreichen Klangbild. Das Krummhorn führte vor, wer in der Melodie stimmangebend ist. Ein kurzzeitig disharmonisch wirkendes Klangbild gab mit lebendig, quirliger Tonfolge den musikalischen Beginn des nun folgenden Schlussakkords frei. In der Komposition von Samuel Scheidt, woben harmonisch geführte Klangbilder einen eindrucksvollen Klangteppich in der Lorenzkirche. Geschickt setzte Jochen Kiene das Non-legato-Spiel ein. Wusste auch den Bass derart einzusetzen, dass im harmonischen Klang die Melodie zu erkennen war.

Zu einem fröhlichen Wettstreit der höchsten Flöten und des behutsam aufkommenden Basswerkes wurde die Komposition in veränderter Tonfolge zum raumgreifenden Erlebnis. Mit einer weiteren Bach-Komposition. Stimmungsvoll der Einsatz des Krummhorns, das um die Vorherrschaft im Klangbild antritt. Kurzzeitig setzt sich ein im Ansatz erkennender Schritt in Richtung Toccata durch.

Andächtig lauscht das Publikum dem Orgelspiel von Jochen Kiene in der Lorenzkirche. Bild: Werner Müller
Andächtig lauscht das Publikum dem Orgelspiel von Jochen Kiene in der Lorenzkirche. Bild: Werner Müller

Dietrich Buxtehude setzte das Adventslied in einer klaren Sprache der Musik kurzweilig um. Allzu schnell und kaum erwartet folgte das Ende der Komposition.

Als ein begnadeter Meister der Improvisation stellte sich Jochen Kiene dem Publikum vor. Unter sechs angebotenen Titeln konnten die Konzertbesucher für jeweils einen ihr Votum abgeben. So kamen "Ihr lieben Christen, freut euch nun", "Die Nacht ist vorgedrungen" und "Wie soll ich dich empfangen" in die Auswahl. Die Improvisationen führten hörbar vor, wie die inzwischen in die Jahre gekommene Orgel spielbar ist.

 

Das Werk

Bei Johann Sebastian Bach spielte der Choral eine wichtige Rolle in seinem musikalischen Schaffen. Derzeit sind sechs Bearbeitungen von Bach bekannt. Drei davon worden im Orgelkonzert gespielt. So die Version aus den Bachwerke Verzeichnissen (BWV) 599, 659 und 660. (wm)