Vor über 50 Jahren war Johannes Krumbholz der erste Leiter der 1966 neu eröffneten SÜDKURIER-Geschäftsstelle in St. Georgen. Am Dienstag, dem Tag seines 105. Geburtstags, ist Johannes Krumbholz gestorben.

1913 ist er im Erzgebirge geboren und aufgewachsen, in die Bergstadt führten ihn viele Umwege. Nach dem Krieg fand er seine Frau Ursula und Tochter Angela in Niedersachsen wieder. Sie lebten dort in einer Ein-Zimmer-Wohnung auf einem Bauernhof. Die berufliche Perspektive, die dort nur unzureichend war, führte Krumbholz schließlich nach Südbaden auf die Insel Reichenau. Das Ziel war eigentlich eine handwerkliche Lehre als Zimmerer, Schlosser oder Maler – doch Lehrstellen gab es zu jener Zeit viel zu wenige. Es folgten viele Anstellungen in Fabriken in Konstanz. 1958 wurde Johannes Krumbholz Außendienstmitarbeiter beim SÜDKURIER in Singen und übernahm rund acht Jahre später seine Funktion in St. Georgen.

Mehr als ein Jahrzehnt war er in St. Georgen der kompetente Ansprechpartner in Sachen Anzeigenberatung für Geschäftskunden. Er war dabei stets hoch motiviert und verstand den Umgang mit Kunden und Mitarbeitern. "Herr SÜDKURIER wird 100", titelte unsere Zeitung zu seinem Ehrentag vor fünf Jahren. In seiner Zeit in St. Georgen fühlte er sich der Stadt mehr und mehr verbunden, baute schließlich ein Zweifamilienhaus im Kirnachweg auf der Seebauernhöhe. Damals entstand das Haus mit den vereinten Kräften der ganzen Familie. Sohn, Schwiegersohn und teilweise auch der Schwiegervater haben mitgebaut.

1977 trat er in den Ruhestand, blieb aber umtriebig. Hin und wieder unterstützte er seine Frau Ursula, die auf der Seebauernhöhe einen kleinen Kiosk betrieb. Auch nutzten beide die freie Zeit zum Reisen. Während es in der Berufstätigkeit häufig zum Campen ins nähere Ausland, etwa Österreich oder Italien ging, folgten später Reisen nach Skandinavien, ans Nordkap, Portugal und Griechenland. Entspannung fand er auch bei der Arbeit im Ziergarten und beim Wandern.

Seine Frau Ursula starb vor 13 Jahren, doch auch danach lebte Johannes Krumbholz kein einsames Leben. Tochter und Sohn, mit Enkeln und Urenkeln sorgten stets dafür. Johannes Krumbholz war bis zu seinem Tod der älteste Bürger der Stadt St. Georgen. Dafür, dass er ein hohes Alter erreicht hat, hatte er eine gute Begründung. Als der SÜDKURIER vor fünf Jahren zu seinem 100. Geburtstag mit ihm sprach, hat er darüber gesprochen. "Ich glaube, die gute Luft in St. Georgen hat dazu beigetragen, dass ich ein gewisses Alter erreicht habe."