Der Fachkräftemangel ist auch in der Ferienzeit ein Thema. Wir haben in Einzelhandel, Industrie und auf dem Dienstleistungssektor nachgefragt, wie Betriebe dem Thema Fachkräftemangel begegnen.

Spürbare Auswirkungen für Konsumenten hat der Facharbeitermangel an der Metzgertheke im Edekamarkt Haas. Mit einem Hinweisschild „Aufgrund von Facharbeitermangel schließen wir die Metzgerei bereits um 20 Uhr“, macht Marktchef Ulrich Haas bereits seit einigen Wochen auf den Umstand aufmerksam, dass es an Fachkräften hinter der Fleisch- und Wursttheke fehlt. Die Urlaubszeit könnte die Situation noch verschärfen. Kürzlich war die Theke bereits um 14 Uhr geschlossen.

Viele Lebensmittelmärkte haben Schwierigkeiten

Auf Nachfrage erläutert Ulrich Haas, dass die Arbeitszeiten abends und am Samstag das Problem seien. „Das macht sich an der Fleisch- und Wursttheke besonders gravierend bemerkbar.“ Im Markt könne er die Lücken eher mit Schülern oder Studenten auffüllen. „In der Metzgerei ist das nicht so einfach möglich, die Arbeitskräfte dort müssen eingearbeitet werden und Ahnung haben vom Fleischzuschnitt und so weiter“, sagt Haas. Das Problem sei in vielen Lebensmittelmärkten mit Frischetheke angekommen. „Manche Kollegen suchen inzwischen sogar schon Personal per Radiowerbung.“

Besseres Lohnniveau in der Industrie

Noch deutlicher bringt Metzger Uwe Schmalzbauer die Situation auf den Punkt. „Den Beruf der Metzgereifachverkäuferin lernt heute ja kaum noch jemand.“ Die Arbeitszeiten seien dabei nur ein Argument. Auch die Bezahlung spiele eine Rolle. „In der Industrie verdient man deutlich besser.“ Hier sieht Schmalzbauer die Handwerksinnungen gefordert, Lösungen gegen den Fachkräftemangel zu finden.

Nicht nur der Dienstleistungssektor hat mit Fachkräftemangel zu kämpfen. Auch in der Industrie müssen die Unternehmen seit Jahren um jede qualifizierte Arbeitskraft buhlen. Bei der Firma A. Maier herrscht ein Mangel „hauptsächlich im Bereich der Verfahrensmechaniker Fachrichtung Kunststoff und Kautschuktechnik sowie Werkzeugmechaniker und Feinwerkmechaniker Fachrichtung Formenbau“, wie Maike Hassler von der Personalabteilung des Unternehmens mitteilt.

Auch Gewerbe buhlt um Nachwuchs

Ebenso seien Betriebselektriker und Mechatroniker derzeit schwer zu finden. Bei der Suche nach neuen Mitarbeitern präsentiert sich A. Maier auf Ausbildungsmessen. Um den Qualitätsstandard der Mitarbeiter zu halten, werden alle Mitarbeiter mehrmals jährlich in ihrem Fachbereich geschult.

Die Firma J.G. Weisser setzt bewusst auf qualifizierten Nachwuchs aus eigenen Reihen, um das Fachkräftepotential nachhaltig zu sichern. Wie Personalreferentin Joy Rettich erklärt, „besuchen wir regelmäßig die Schulen und bieten Schülern Praktika im gewerblich-technischen und kaufmännischen Bereich an.“ Auch auf Berufs- und Ausbildungsmessen und bei einem Infotag im Unternehmen wirbt J.G. Weisser für sich.

Mitarbeiter-Bindung als großes Thema

Um Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen zu binden, bietet der Werkzeugmaschinenhersteller neben flexiblen Arbeitszeitmodellen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch Qualifizierungsmaßnahmen. Um die Arbeitszufriedenheit zu erhöhen, gibt es zudem ein umfangreiches betriebliches Gesundheitsmanagement.

Vom Fachkräftemangel nicht in so großem Ausmaß betroffen ist MB Bäuerle. „Gemäß dem internen Motto ,Einmal MB, immer MB’ haben wir eine sehr gute Mitarbeiterbindung. Die Hälfte unserer Belegschaft ist seit mindestens 20 Jahren bei uns beschäftigt“, erklärt Bernd Günter von der Personalabteilung des Falz- und Kuvertiermaschinenherstellers.

Dennoch ist das Unternehmen auf interessierte Jugendliche angewiesen, die hier eine Ausbildung absolvieren. „Und hier verspüren wir einen deutlichen Rückgang. Für das Ausbildungsjahr 2018 konnten nicht alle Plätze besetzt werden“, so Günter.