In der Rathausapotheke am Bärenplatz ist seit Kurzem ein Roboter im Einsatz. Er unterstützt die Mitarbeiter bei der Ausgabe von Medikamenten, damit diese mehr Zeit für die Beratung ihrer Kunden haben.

Wenn Apotheker Bernhard Lobmeier oder eine seiner Angestellten am Kundenterminal ein Rezept eingeben, macht sich augenblicklich ein Roboter auf, um das angeforderte Medikament aus dem Regal zu holen. Das legt die Maschine in einen Ausgabeschacht, aus dem es die Mitarbeiterinnen nur noch herausholen und dem Kunden übergeben müssen.

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„Früher hatten wir große Schubladenblöcke, in denen wir die Medikamente zuerst suchen mussten“, erklärt Bernhard Lobmeier. Bei 5500 Artikeln nahm das mitunter mehrere Minuten in Anspruch. Zeit, die Bernhard Lobmeier lieber in die Beratung seiner Kunden investieren wollte. Deshalb, und um seine Apotheke fit für die Zukunft zu machen, investierte er in den vollautomatischen Kommissionierautomaten. Er ist damit einer der Ersten im Landkreis, die dieses System einsetzen.

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Der Automat hat gleich mehrere Vorteile. „Auf halber Standfläche hat der Automat die doppelte Kapazität“, sagt Lobmeier. Zudem setzt der Roboter Kapazitäten der Mitarbeiter frei. Das zeitraubende Einsortieren neu angelieferter Ware entfällt. Ebenso hat der Roboter das Verfallsdatum jeder einzelnen eingelagerten Packung im Blick. Das senkt Kosten. „Manche Artikel gehen nicht so häufig. Wenn man es nicht bemerkt und die Ware abgelaufen ist, verursacht das unnötige Kosten“, so der Apotheker.

Wie in der Industrie

Die Funktionsweise des Kommissionierautomaten funktioniert praktisch wie in einem Hochregallager in der Industrie. Wenn neue Ware angeliefert wird, vermisst der Roboter zunächst jede Packung und „erkennt“ so und anhand eines Barcodes, um welches Medikament es sich handelt. Danach sortiert der Roboter die Packung in einen freien der insgesamt 10 000 Lagerplätze. Dabei hat nicht jedes Medikament seinen fest zugeordneten Lagerplatz. „Der Computer wählt selbständig ein freies Fach“, so Lobmeier. So weiß auch nur der Computer, in welchem Fach das angeforderte Medikament lagert.

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Wird das Medikament angefordert, rast der Greifer mit bis zu 50 Stundenkilometern los, um die Packung aus dem Fach zu holen und in den Ausgabeschacht zu legen. „Das Ganze dauert fünf Sekunden und ist schneller, als wir vom Kundenterminal am Ausgabeschacht sind“, sagt Lobmeier.

Beratung ist Vorteil zum Onlinehandel

Weshalb hat Bernhard Lobmeier eine hohe Investition in diesen Roboter getätigt? Hier spielt der Zeitfaktor die größte Rolle. „Ich will den Kunden eine gute Beratung geben. Die ganzen Formalitäten rund das Einlösen eines Rezeptes zwingen einen zum schnellen arbeiten. Service und Beratung bleiben dabei oft auf der Strecke.“ Die durch den Roboter eingesparte Zeit nutzen Bernhard Lobmeier und sein Team, um die Kunden intensiver zu beraten. In einer kompetenten Beratung sieht der Apotheker auch den Wettbewerbsvorteil gegen den zunehmenden Onlinehandel von Medizinprodukten.

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Die Frage, ob durch den Einsatz des vollautomatischen Kommissionierapparats Arbeitsplätze wegfallen, kann Bernhard Lobmeier ganz klar verneinen. „Der Automat nimmt uns viele Arbeiten ab und muss ja auch gefüttert werden. Die Mitarbeiter können sich durch die Entlastung auf andere, wesentliche Aufgaben konzentrieren.“ Die Kunden müssen sich auch nicht sorgen, dass bei einem Stromausfall keine Medikamente ausgegeben werden können. „Der Automat verfügt über ein eigenes Notstromsystem, das mehrere Stunden hält. Der Roboter fährt dann zwar nicht, aber es wird uns angezeigt, in welchem Fach wir das benötigte Medikament finden“, so Bernhard Lobmeier.