In der Werkstatt des Bauhofs hängen Schraubenschlüssel und Kabel an den Wänden. Große Regale sind mit Werkzeugen gefüllt. Auf dem Boden liegen Ersatzteile herum. Das Radio summt leise im Hintergrund.  Ein oranger Sprinter steht zur Reparatur bereit.

Bauhof-Mitarbeiter Roland Schwarzwälder ist zunächst nicht zu entdecken. Sein ganzer Körper ist unter der Radluke des Sprinters verschwunden. Bei genauem Hinsehen werden seine Füße sichtbar.

Als er aufsteht, kommt langsam ein Mann in schwarzer Latzhose zum Vorschein. Er lächelt kurz, will dann die Hand wie selbstverständlich zur Begrüßung austrecken. Schwarzwälder zögert, als er merkt, dass sie schmutzig ist. Von der Arbeit an den Reifen sind beide Hände in schwarze Farbe getränkt. Er schmunzelt: "Die dreckigen Hände gehören dazu", sagt er. Handschuhe hätte er genug herumliegen. Aber er fasst die Schrauben und Reifen lieber mit seinen bloßen Händen an. Vor Schmutz macht er keinen Halt. "Mit Handschuhen kann ich nicht so gut arbeiten", sagt er. So auch das Druckluftwerkzeug.

Roland Schwarzwälder hat seine Begeisterung für Fahrzeuge zum Beruf gemacht. Seit mittlerweile fünf Jahren arbeitet der KFZ-Mechaniker nun für den städtischen Bauhof. Er ist für die Instandhaltung der Fahrzeuge zuständig. Bilder: Wiebke Wetschera

Seit fünf Jahren ist der 49-Jährige für die Instandhaltung der Bauhof-Fahrzeuge zuständig. Die Begeisterung für Fahrzeuge hat er aber schon sein ganzes Leben. Auch beruflich hat sich Schwarzwälder mit einer Ausbildung zum KFZ-Mechaniker auf Fahrzeuge spezialisiert.

Heute steht einer der Bauhof-Sprinter in seiner Werkstatt: die Bremsbeläge und -scheiben an beiden Hinterrädern müssen ausgetauscht werden. Dafür löst der Bauhof-Mitarbeiter die schweren Schrauben mit einem Druckluftwerkzeug. Ein altbekanntes Geräusch, das jedem vom Reifenwechsel bekannt ist, hallt durch die Werkstatt. Jedes Mal, wenn eine Schraube gelöst wird, wird es laut. Dann verebbt das Geräusch in der großen Halle. 

 

 

Den Mechaniker stört der Lärm überhaupt nicht. Er scheint in seinen Ohren wie Musik zu klingen. Obwohl er ohne Kopfhörer arbeitet, verzieht er keine Miene. "Ich bin nicht sonderlich empfindlich, was Lautstärken angeht", erklärt er seine Gelassenheit. Als alle Schrauben gelöst sind, nimmt er die Räder ab und bugsiert sie an die Seite. Nun hat er freie Bahn für seine Arbeit.

Schwarzwälder mag seinen Job, das ist ihm anzumerken. Was er besonders schätzt, ist sein vielfältiger Alltag. "Ich würde nicht mehr in einer Werkstatt arbeiten wollen, wo nur mit Fahrzeugen gearbeitet wird", sagt Schwarzwälder. Beim Bauhof arbeitet er immer wieder auch für die Schlosserei. "Das ist ideal für mich", sagt Schwarzwälder. Die Schlosserei grenzt direkt an seine Werkstatt. Hier liegen derzeit die ersten Teile eine Feuerwanne zur Übung der Feuerwehr auf dem Tisch.

Die Werkstatt ist gut ausgestattet: einen Werkzeugwagen voller Schraubschlüssel in verschiedenen Größen, Schweißgeräte und vieles mehr hat Schwarzwälder für die Reparaturarbeiten am Fuhrpark zur Verfügung. Er schätzt den Bestand auf über 50 Werkzeuge. Die Utensilien, die er für seine Arbeit braucht, hat er sich zurecht gelegt. 

Auch eine Hebebühne bietet die Werkstatt. "Alles, was nicht auf die Hebebühne passt, steht über der Grube", erläutert Schwarzwälder. Die Grube ist eine Ausbuchtung im Boden, die sonst mit Holzplatten bedeckt ist. Will Schwarzwälder einen Blick unter die Fahrzeuge werfen, räumt er die Holzlatten beiseite. Eine kleine Treppe führt ihn dann direkt unter den Sprinter.

Wie viele Fahrzeuge der Bauhof hat, ist selbst für Schwarzwälder nicht leicht zu überblicken. 15 Stück zählt er sicher auf, dann fallen ihm noch zwei Schmalspur-Fahrzeuge ein. "Und wir haben ja auch noch den selbstfahrenden Mäher", sagt Schwarzwälder. Viele der Fahrzeuge stehen in der Halle des Bauhofs. Sie warten dort auf ihren nächsten Einsatz.

Reichlich zu tun hat der Mechaniker damit auf alle Fälle. Zwei Mal im Jahr muss der gesamte Fahrzeugbestand für den Tüv hergerichtet werden. Auch der jährliche Service der Fahrzeuge fällt in seinen Aufgabenbereich. Vor allem die Vorbereitung für den Winterdienst sei zeitaufwendig: Dann richtet der Bauhof-Mitarbeiter insgesamt 14 Streufahrzeuge vom Bauhof und anderen Firmen her. "Und dann eben, was durch den Einsatz noch dazu kommt", sagt Schwarzwälder: "Die Fahrzeuge sind ja jeden Tag unterwegs."

Das Reparieren muss meist schnell gehen, denn die Fahrzeuge werden benötigt. "Bremsscheiben wechseln kann ich mittlerweile im Schlaf", sagt der Bauhof-Mitarbeiter und lacht. Das ist auch heute wieder seine Aufgabe. Dafür muss er bis unter die Radluke kriechen. 

Heute ist der Sprinter in der Bauhof-Werkstatt. Schwarzwälder muss die Bremsscheiben und -beläge an den Hinterrädern erneuern.

"Ich versuche alles, damit die Fahrzeuge wieder laufen", sagt er. Einmal kam es trotzdem vor, dass Schwarzwälder einen Wagen zum Totalschaden erklärt hat. Bei einem Transporter seien vor sechs Jahren viele Schäden auf einmal aufgetreten. "Der war nicht mehr zu retten", erinnert sich Schwarzwälder. 

Seine Arbeit für den Bauhof bringt Schwarzwälder mit einem Satz auf den Punkt: "Ich denke, es wäre viel kostenintensiver, wenn ich nicht da wäre", sagt er. Das würde jeder von seinem privaten Auto kennen: Man sei schnell mal bei mehreren hundert Euro für eine Reparatur. "Bei größeren Fahrzeugen ist das nochmal eine andere Nummer", erklärt Schwarzwälder. Die Größe der Fahrzeuge wird deutlich, als der Mechaniker wieder unter der Radluke verschwindet. Doch dem Mechaniker ist kein Bauhof-Fahrzeug zu groß. Am Ende setzt Schwarzwälder die Räder wieder auf die Achsen. Fertig. 

 

Bauhof-Serie

Was sind eigentlich die Aufgaben des städtischen Bauhofs in St. Georgen? Das Einsatzgebiet des Bauhofs mit der Stadtgärtnerei reicht von der Straßenunterhaltung bis hin zur Bepflanzung. In einer Reportage-Serie stellt der SÜDKURIER die Aufgabenfelder des städtischen Bauhofs vor. Dafür werden Mitarbeiter aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen bei ihrer Arbeit begleitet und berichten von ihren Aufgabenfeldern. (ww)

Fotos und Videos: Wiebke Wetschera