Wenn zwei Männer einen Kraftsportraum betreten, dann ist das an sich noch nicht weiter bemerkenswert. Erst recht nicht in einer Zeit, in der das Abo fürs Fitness-Center so selbstverständlich zum Alltag gehört wie der Morgenkaffee, die Multifunktionsjacke und die Autoversicherung.

Dennoch ist bei Gerhard und Werner Rosenfelder einiges anders. Sie treten lieber bescheiden auf, helfen wo Not am Mann ist, halten sich ansonsten eher im Hintergrund – und einer von ihnen wird am heutigen Samstag 85 Jahre alt.

Man kennt sie nur als „Rosenfelder Buebe“

Es ist Gerhard, der ältere der beiden Brüder, die man in St. Georgen nicht nur in Vereinskreisen als „Rosenfelder Buebe“ kennt. Seit 62 Jahren ist er Mitglied im Kraftsportverein St. Georgen, sein Bruder Werner, der im Oktober 80 Jahre alt wurde, sogar schon drei Jahre länger.

Auch im Sommer wissen sich die beiden beim Bergsteigen sportlich zu betätigen.
Auch im Sommer wissen sich die beiden beim Bergsteigen sportlich zu betätigen. | Bild: Kraftsportverein St. Georgen

Und selbst in diesem hohen Alter erscheinen die beiden noch immer regelmäßig zum wöchentlichen Krafttraining, wie der Vereinsvorsitzende Gilbert Seubel erzählt. „Sie sind für uns alle ein gutes Beispiel dafür, wie man sich mit Sport eine gesunde Lebenseinstellung erhält“, sagt er.

Gesunder Körper, gesunder Geist

Diese positive Haltung zur körperlichen Ertüchtigung zeichnete sich schon früh ab, wie sich Werner Rosenfelder erinnert. „Als ich noch in Unterkirnach gearbeitet habe, bin ich jeden Tag von dort nach St. Georgen nach Hause gelaufen. Das hat mir immer geholfen, den Kopf wieder frei zu bekommen“, erzählt er. Und er ist überzeugt: „Würden das mehr Leute so machen, hätten sie‘s weniger an der Rübe.“

Auch das Training im Kraftsportverein habe so gar nichts damit zu tun, was sich in den gängigen Fitness-Centern so abspielt. „Hier geht es uns um die Gemeinschaft: Man hilft sich gegenseitig und sitzt danach noch bei einem Bierchen zusammen.“ Ohnehin gehe es in seinem Alter nicht mehr um den Muskelaufbau, sondern nur noch um den Muskelerhalt, sagt er lachend.

Und der Mann weiß, wovon er spricht, startete er in jüngeren Jahren bei vielen Meisterschaften gleich in allen drei Kraftsportdisziplinen – im Ringen, im Gewichtheben und beim Rasenkraftsport mit Hammerwerfen, Steinstoßen und Gewichtwerfen. Eine sportliche Bandbreite, die heute bei Wettkämpfen kaum mehr vorstellbar ist.

„Quereinsteiger übertreiben es häufig“

Mittlerweile gehen es die beiden eher gelassen an – zumindest für ihre Verhältnisse. „Beim Kraftsport ist die Erfahrung sehr wichtig, dass man sich nicht überschätzt. Gerade Quereinsteiger übertreiben es da häufig und wollen es allen zeigen“, sagt Gerhard Rosenfelder.

Nach 100 Kilometern erreichen die beiden Brüder 1981 den Zieleinlauf am Belchen.
Nach 100 Kilometern erreichen die beiden Brüder 1981 den Zieleinlauf am Belchen. | Bild: Kraftsportverein St. Georgen

Mit seinem Bruder teilt er neben der Ruhe noch eine weitere Gemeinsamkeit: die Leidenschaft für den Wintersport. Schon früher seien sie nach der Arbeit oft gemeinsam auf der Seebauernhöhe auf die Piste. Später sind sie dann sogar mehrmals beim 100-Kilometer-Langlauf von Schonach bis zum Belchen mitgefahren. „Das war eine andere Zeit als heute, da gab es nur ab und zu kleine Stationen mit heißem Tee, ansonsten musste man seine ganze Ausrüstung und die vier Kilogramm Gewicht selbst mitschleppen“, erinnert sich Gerhard Rosenfelder.

Noch immer zieht es die „Rosenfelder Buebe“ regelmäßig auf die Piste.
Noch immer zieht es die „Rosenfelder Buebe“ regelmäßig auf die Piste. | Bild: Kraftsportverein St. Georgen

Und auch dieser Tage sind die „Rosenfelder Buebe“ manchmal tagelang nicht erreichbar, berichtet Vereinsvorsitzender Seubel. „Letzte Woche habe ich sie an drei aufeinander folgenden Tagen nicht erreichen können, weil sie gerade bei der Martinskapelle die frisch gespurte Loipe gefahren sind.“

Auf die oft gestellte Frage, wann es die beiden denn etwas ruhiger angehen wollen, winkt Werner Rosenfelder aber lachend ab: „Spazieren können wir dann noch, wenn wir alt sind.“

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