• Teilnehmer: Mit dabei waren der 27 Jahre alte Lothar Seiffert, der in Sumpfohren den Wiesenackerhof mit 180 Stück Milchvieh betreibt, und Patrick Moog (21), der auf den Eichhöfen in Hüfingen 60 Milchkühe und 12 000 Hühner hält. Dazu kommen Gerhard Klausmann (26) vom Unteren Hasenhofi in Stockburg (50 Stück Milchvieh), und Felix Wentz (22), vor der Meisterprüfung stehender Sohn von Georg Wentz, der den Jäckleshof in Brigach betreibt. Diese vier Höfe sind seit Generationen in Familienhand. Die beiden St. Georgener haben auf Bio umgestellt. Im Angestelltenverhältnis steht der 27-jährige Marc Maier. Er arbeitet auf einem Hof in Hüfingen, wo 45 Bullen gemästet und in einer Biogasanlage Energie erzeugt wird. Alle fünf gehören der "Arbeitsgemeinschaft Junger Bauern im Schwarzwald-Baar-Kreis" an. Die Untergruppe im "Bund Badischer Landjugend" befördert den Austausch junger Betriebsleiter und ist rund 60 Mitglieder stark.
  • Berufsethos: Für Lothar Seiffert ist seine Tätigkeit eine Berufung und große Freiheit gleichermaßen. Jeder finde im großen Feld der Landwirtschaft seinen Bereich. Bedeutsam sei ihm, für die Ernährung der Menschen beizutragen. "Persönlich erfüllend", ergänzt Gerhard Klausmann. Felix Wentz sieht die Fortführung einer Tradition und Marc Maier verweist darauf, dass er selbst ohne eigenen Betrieb in der Landwirtschaft aufgewachsen sei.
  • Klischees: Ob es denn schwierig sei, die richtige Partnerin zu finden? Alle fünf grinsen. "Verheiratet, ein Kind", eröffnet Seiffert die Aussprache. Landwirte neuer Prägung seien weltoffen. Er machte seine Ausbildung in Schleswig-Holstein, später arbeitete er unter anderem in Australien. Kaum ein Thema sei die Arbeitsbelastung für Landwirte: trotz eines zehn bis zwölf Stunden umfassenden Arbeitstages. Urlaub zu nehmen sei kein Problem, nur spontane Termine seien etwas schwieriger. "Ich habe mehr Freiheiten als ein Angestellter in der Industrie" , sagt Maier. "Wir laufen nicht mehr in Gummistiefeln herum", sorgt Moog für einen Lacher und ergänzt: Die Lebensführung auf einem Hof sei durchaus auch für Frauen generell attraktiv. Die Arbeitsbelastung sei zwar etwa ein Drittel höher als für einen Angestellten in der Industrie sind sich die Landwirte einig. Neid auf Gleichaltrige oder Stundenzettel-Denke sind ihnen fremd: "Wer so rechnet, hört auf", sagt Klausmann. "Viele sind doch unglücklich, was sie gar nicht wissen, was sie mit diesem Mehr an Freizeit machen sollen", so Maiers Beobachtung.
  • Zukunftserwartungen: Wachstum soll in Quantität wie Qualität stattfinden. "Die Kosteneffekte möchte ich über Größe ausgleichen und mit Glück ist die Nachfolge geregelt", sieht sich Seiffert in 20 Jahren. Auf mehr Wertschöpfung hoffen Moog und Klausmann: Die Selbstvermarktung der Eier sieht der eine, über die Veredlung der Milch in Richtung Joghurt denkt der andere nach. Über zusätzliche Standbeine denkt Wentz nach: Waldbau und Ferien auf dem Bauernhof gehören heute schon zum Erwerbsmix im Brigacher Obertal. Auf Nischen hofft Maier. Irgendwann möchte er Betriebsleiter sein und selbst Investitionsentscheidungen treffen. 50 000 Euro müsse ein Landwirt pro Jahr investieren, um nicht den Anschluss zu verlieren, ist sich die Runde einig. Wachstum müsse nachhaltig sein und kein Selbstzweck. Der Blick müsse etwa zehn Jahre in die Zukunft reichen: "Ein Kuhleben", skizziert Seiffert diesen Zeitrahmen.
  • Erschwernisse: Bedenklich sehen die Landwirte die Rolle von Ausgleichszahlungen. "Mitunter sind das schon 40 Prozent des Einkommens" , kennt Wentz die Statistik. Auch wenn es sich um einen berechtigten Standortausgleich handle, wie Seiffert hervorhebt, "wäre es doch besser, der Verbraucher zahle ins Produkt", kommt Moog auf einen wichtigen Punkt zu sprechen. Unberechenbarer als die Politik sei nämlich der Verbraucher, sagt Maier. Er entscheide zwar an der Ladentheke, doch das in einem Widerspruch zwischen dem was er sagt und tut. "Wir produzieren nach hohen Standards und der Käufer sucht den geringsten Preis" , kritisiert Moog. Hinzu kämen Naturschutzauflagen und immer wieder neue Verordnungen. "Die Bürokratie macht viele Betriebe kaputt", sagt Maier. Sei sei ein Zeitfresser, sind sich alle einig. "Es gibt nützliche und fragwürdige Datenerfassungen und Kontrollen" differenziert Seiffert. Eine Übersicht zum Düngemittelbestand etwa sei vertretbar.
  • Regionalität: Einen Betrieb im Schwarzwald-Baar-Kreis zu führen, biete mit der Nähe zu den Ballungsräumen Chancen und Gefahren zugleich. Kurze Wege zum Verbraucher machen die Direktvermarktung zumindest thoretisch leichter. Die Landschaft biete touristische Möglichkeiten. "Auf der Baar können wir fast jede Frucht anbauen", wirft Seiffert ein. Die Gesprächsteilnehmer betreiben ihre Höfe mit Teilzeitkräften, meist helfen auch Verwandte mit. Klausmann sieht Familienkräfte nicht nur als Puffer in der Lohnkostensituation. "Im Familienbetrieb ist der Umgang mit der Natur den Tieren noch ausgeprägter", findet er. Aus der Nähe zu den Siedlungsflächen ergebe sich ein erhöhter Flächenverbrauch für Wohnen, Gewerbe und Industrie, gibt Seiffert zu bedenken.