Auf dem Tisch im Gewächshaus der Stadtgärtnerei liegt ein kleiner Ordner voller Blätter. Welche Pflanze am Ende in welchem Beet im Stadtgebiet ihren Platz findet, das verrät das "schlaue Büchlein", wie Ziergärtner Dominik Jooß den Ordner nennt. Auf den wenigen Seiten Papier finden sich alle Besonderheiten der rund 40 verschiedenen Sorten – ob sie im Schatten oder im Licht gepflanzt werden müssen und in welcher Kalenderwoche sie ausgesät werden.

Die genaue Planung ist wichtig, denn das Gewächshaus beherbergt rund 40 000 Pflanzen. Die warten nur darauf, bald die Straßen in St. Georgen zu schmücken. Ein Zeitpunkt, auf den sich Jooß das ganze Jahr über freut: „Dann sieht es in der Stadt nicht nur schön aus, sondern es heißt auch, dass es wieder wärmer wird“, sagt der Gärtner, der seit sieben Jahren im Gewächshaus arbeitet.

Alte Sorten in neuen Farben

Jedes Jahr überlegt Jooß sich gemeinsam mit seiner Kollegin Ruth Bühler etwas Neues für das Stadtbild: „Es soll immer ein bisschen anders aussehen – vor allem farblich gesehen“, sagt Jooß. In diesem Jahr werden die Beete mit roten, weißen, lachsfarbenen, rot-orangen und lila Blumen geschmückt. „Wir setzen es dann so zusammen, dass es farblich passt“, erklärt Jooß.

Bei Temperaturen von 15 Grad Celsius im Kalthaus bis hin zu maximal 23 Grad im Warmhaus wachsen die Pflanzenarten noch bis Ende Mai heran.

Bei den Pflanzensorten hingegen wird auf Altbewährtes gesetzt: Mit einer Menge von etwa 3 000 Stück sind die Geranien wieder Vorreiter. „Erfahrungsgemäß freuen sich die Bergstädter auch am meisten auf die Geranien“, sagt Jooß. Eine Neuerung wird es in diesem Jahr vor dem Rathaus geben: Die schwarzen Kübel, die dort seit einigen Jahren stehen, haben ausgedient. Stattdessen kommen drei kleine Pflanzenpyramiden zu den bereits bestehenden zwei großen Pyramiden dazu. Neu ist in diesem Jahr auch eine Begonienart, die besonders große Blätter hat. Davon werden etwa 150 Stück in drei verschiedenen Farbtönen über die Stadt verteilt.

Zwei Wochen Arbeit

Aus dem Gewächshaus, das mit einer Fläche von etwa 520 Quadratmeter so groß wie zwei Tennisplätze ist, werden die Pflanzen Ende Mai dann in die Stadt gebracht – vor das Rathaus, in die Blumenkübel an der Stadtmitte, in das Hochbeet im Stadtgarten.

Für den diesjährigen Sommer beherbergt das Gewächshaus der Stadtgärtnerei insgesamt 40 000 Pflanzen. Darunter etwa 40 verschiedene Sorten – von Geranien bis hin zu Begonien. Im Winter hingegen werden nur 15 000 Pflanzen aufgezogen, die derzeit noch in den Beeten der Stadt zu sehen sind.

„Wir planen die Gebiete vorab sehr grob“, sagt Jooß. Die tatsächliche Anordnung innerhalb der Beete erfolge meist spontan vor Ort: „Am Anfang ist es leicht, da haben wir noch die Masse an Pflanzen und damit die Auswahl“, erklärt er, „aber wenn die letzten Beete dran sind, müssen wir auch mal umdisponieren.“

Das Team, bestehend aus drei Gärtnern, braucht insgesamt zwei Wochen, um alle Pflanzen an Ort und Stelle einzusetzen – insgesamt 80 Arbeitsstunden sind allein dafür nötig. Zuvor muss ein anderes Team die Beete für die neuen Blumen präparieren. Das bedeutet: die alten Pflanzen herausnehmen, das Beet fräsen und die Erde düngen. Erst dann können die neuen Pflanzen mithilfe von Schaufeln eingesetzt werden.

Wenn auch die letzte Pflanze ins Beet gesetzt wurde, ist die Arbeit für die Gärtner noch nicht getan. Neben dem Unkrautjäten steht dann das regelmäßige Gießen auf dem Plan. "Bei gutem Wetter brauchen wir anderthalb Tage, um alles zu gießen", sagt Jooß. Alles, damit die Stadt auch weiterhin so aussieht, wie die Gärtner es vorab geplant haben – farbenfroh und sommerlich.

Fotos: Wiebke Wetschera