Wenn ein Pachtverhältnis endet, ist das im Normalfall kein öffentliches Thema. Anders aber, wenn der Schnitt über soziale Netzwerke kundgetan wird. Der Landgasthof "Engel" schließt zum Jahresende. Herbert Hildenbrand, Koch und Ehemann der Pächterin Antje Wiedemann, macht eine heftige private Party, die am Samstag vor drei Wochen im "Engel" stattfand, für die Kündigung des Pachtverhältnisses verantwortlich. "Dieser Vorfall war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte", entgegnet auf Anfrage Georg Wentz. Die aus dem Ruder gelaufene Party sei der Endpunkt einer Entwicklung gewesen, zu der sich der Besitzer nicht näher äußern möchte. Nur so viel: Man habe sich mit den Pächtern viel Mühe gegeben.

Das Ehepaar sieht dem Ende im "Engel" nach 13 Jahren Vierkampf in den "Disziplinen" Restaurant, Schulessen, Catering und Hausgäste mit gemischten Gefühlen entgegen. "Das Restaurant lief im vergangenen Jahr richtig gut", bedauert die in 33 Jahren Gastronomie und Hotellerie bewanderte Wiedemann den Schnitt. "Aber mehr Einsatz geht nicht", sagt auch ihr Mann. "Wir verstehen unser Handwerk", sagen beide und sind zuversichtlich im nächsten Jahr wieder Arbeit zu haben mit weniger Belastungen. Von Wentz sind sie ein Stückweit enttäuscht. Viele Ankündigungen bezüglich Verbesserungen im und um dem Gebäude seien nicht erfüllt worden.

Gegenwärtig versucht Wiedemann die Hintergründe der Party zu erhellen. Die 16-jährige Tochter habe per Whatsapp Klassenkameradinnen eingeladen und plötzlich gingen fremde Leute ein und aus. Der Abend lief weiter aus dem Ruder, als im Bereich der Gästezimmer Türen beschädigt wurde. Inzwischen, so die Mutter, wisse sie, wer die Täter sind und werde Anzeige erstatten. Das Ehepaar war übers Wochenende verreist. Schade nur, dass von den Nachbarn keine Hinweise gekommen seien, wundert sich Hildenbrand. Bei geringfügigeren Anlässen sei das schon anders gewesen.

Wentz hatte das Gasthaus im März 2015 bei einer Zwangsversteigerung erworben und danach die bisherigen Eigentümer als Pächter verpflichtet. So änderte sich für die Gäste nichts: ganz im Sinne des Landwirts und Brigacher Ortsvorstehers. "Mir ist es wichtig, dass das Dorfgasthaus erhalten bleibt", erneuerte er gestern seine Aussage von vor zwei Jahren.

"Es geht weiter", kündigt Wentz an. Nach ein paar Monaten Schließung, die für Auszug der bisherigen Pächter und Neugestaltung nötig sei, werde der "Engel" mit neuem Konzept wieder Gäste ansprechen. Aktuell habe Wentz keinen neuen Pächter und möchte nichts von seinen Ideen verraten. Sicher sei aber, dass der "Engel" nicht gleich mit vollem Restaurantbetrieb anlaufen werde.

Der Engel

Der Gasthof liegt an der Landesstraße 175 im Brigacher Obertal und wurde etwa in den Jahren 1820 bis 1830 erbaut. Gebäude und Gelände, auf dem sich auch Garagen befinden, umfassen laut einem Gutachten 4386 Quadratmeter. Das Haus wurde mehrfach umgebaut und vergrößert. Im Erdgeschoss stehen rund 300 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Hier befindet sich auch der Gastraum mit 110 Sitzplätzen. Im Obergeschoss gibt es eine Pächterwohnung mit 95 Quadratmetern und eine weitere Nutzfläche. (ath)