Die Firma Heinemann stand im Mittelpunkt eines Vortrags im Forum am Bahnhof. Referent Wolfgang Göbel zeichnete die Geschichte des Unternehmens vom kometenhaften Aufstieg zum Weltunternehmen über mehrfache Insolvenzen bis zum endgültigen Niedergang nach.

Heinemann gehörte einst zu den großen Arbeitgebern in St. Georgen. Entsprechend groß war der Andrang im Forum am Bahnhof. Zahlreiche ehemalige Heinemänner, wie sich die Beschäftigten selbst nennen, saßen im Publikum. Referent Wolfgang Göbel hat zwar nie selbst in dem Unternehmen gearbeitet. Beim Abbruch des zerfallenen Fabrikgebäudes in der Stadtmitte hat er jedoch zahlreiche Dokumente vor der endgültigen Vernichtung gerettet, in monatelanger Arbeit aufbereitet und dazu umfangreich in der Historie des Unternehmens recherchiert.

Zunächst beleuchtete Göbel die Familiengeschichte Heinemann, die sich bis Anfang des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt. Eine Taufkanne aus der Lorenzkirche von 1704 ist das älteste Relikt, das auf die St. Georgener Familie hinweist. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand das Unternehmen, das zunächst eine kleine Schmiede war. Später wurde das Unternehmen immer weiter ausgebaut. Durch den Weitblick der Söhne des Unternehmensgründers, Christoph, Heinrich und Jakob Heinemann, erlangte das Unternehmen Anfang des 20. Jahrhunderts Weltruf mit seiner Produktion von Spezialdreh- und Fräsmaschinen.

Wolfgang Göbel unterfütterte seine Ausführungen mit zahleichen Dokumenten, Fotos, kuriosen Informationen und Filmsequenzen. So war das Unternehmen eines der ersten, das 1898 eine eigene Betriebskrankenkasse einführte. Auch der Klosterweiher war einst in Firmenbesitz. Heinemann benötigte das Wasser für den Betrieb eines kleinen Kraftwerks zum Antrieb seiner Maschinen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fasste Heinemann wieder schnell Fuß auf dem Markt. Bereits 1956 war der St. Georgener Maschinenhersteller mit neuen, innovativen Maschinen auf wichtigen Messen vertreten. Dem Unternehmen ging es gut. So gut, dass es in den 1950er Jahren Betriebsausflüge für die gesamte Belegschaft organisierte, die in neun Omnibussen nach Baden-Baden chauffierte. „Das war damals für die meisten Leute das erste Mal, dass sie überhaupt raus aus St. Georgen kamen“, machte Göbel deutlich.

1971 erfolgte der Umzug in das Werk zwei in der Industriestraße. Aufgrund einer finanziellen Notlage verkaufte die Firma im selben Jahr den Klosterweiher an die Stadt für 750 000 D-Mark.

Das Ende der Firma Heinemann begann Anfang der 1980er Jahre. Die Firma musste Konkurs anmelden. Der Geschäftsmann Reiner Roland Lang kaufte das marode Unternehmen. Durch enge Kontakte nach Russland war Lang der erste Unternehmer, der, auch dank der Reformpolitik des damaligen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow, mit einem russischen Unternehmen zusammenarbeitete. Damals eine Sensation, über die auch ein Fernsehbeitrag existiert, der bei dem Vortrag gezeigt wurde. Als Ende der 80er Jahre der Deal mit den Russen platzte, orientierte sich Lang nach China. Doch auch hier gelang es Lang nicht, die Firma Heinemann wie ein Phoenix aus der Asche aufsteigen zu lassen. „Da wurde viel Geld in den Sand gesetzt“, so Göbel.

Der Rest ist Geschichte. Anfang der 1990er Jahre kam das endgültige Aus der Firma Heinemann. Der einst dominierende Fabrikbau in der Stadtmitte ist längst verschwunden und demnächst wird auch Werk zwei in der Industriestraße einem Discounter Platz machen.