Frust statt Freude: Eine Naturliebhaberin muss eine 1000 Quadratmeter große, mit Bäumen, Hecken und einer Gartenlaube bestückte Fläche im Stockwald wieder in den Urzustand versetzen. Das Problem: sie hätte auf dem Gelände nichts verändern dürfen. Unter anderem müssen rund 400 Thujahecken weichen. 30 Obstbäume sind bereits gefällt.

Ein kleines Paradies

Eigentlich hat sich Katja Heby im Stockwald ein kleines Paradies geschaffen, um sich dort vom stressigen Alltag auszuspannen. Auf einem sechs Hektar großen Grundstück, das bereits in vierter Generation im Familienbesitz ist und das sie seit Jahren pflegt, hat die ehemalige Betreiberin des Hotel „Garland“ im Villinger Kurgebiet vor sechs Jahren begonnen, auf 1000 Quadratmetern ein Kleinod anzulegen.

Das direkt am Stockwaldtalweg gelegene Grundstück hat sie rundum mit Thujahecken als Sichtschutz bepflanzt. Eine Ausbuchtung für zwei Pkw-Stellplätze wurde geschaffen und eine Photovoltaikanlage aufgestellt. Schließlich gesellte sich zum bestehenden Geräteschuppen noch eine kleine Gartenlaube dazu, die sich Katja Heby gemütlich einrichtete.

„Ich wollte es einfach schön haben“, erzählt sie im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Auch Spaziergänger, die an dem Grundstück vorbeikamen, lobten das gemütliche Ambiente. Dass sie auf diesem Gelände nichts hätte verändern dürfen, sei ihr nicht bewusst gewesen.

Nur „privilegierte Vorhaben“

Die Ernüchterung kam im Mai vergangenen Jahres. Bei einer Kontrolle durch das Baurechts- und Naturschutzamt des Landratsamtes wurde festgestellt, dass es sich um Bautätigkeiten im Außenbereich handelte, wonach besondere Vorschriften nach Paragraf 35 des Baugesetzbuchs gelten.

Demnach sind im Außenbereich nur privilegierte Vorhaben zulässig. Um ein solches handelte es sich nach Auffassung des Landratsamtes nicht, weshalb alle getätigten Baumaßnahmen ohne Genehmigung und somit illegal errichtet wurden.

Wie die Sprecherin des Landratsamtes, Heike Frank, auf Nachfrage mitteilt, bestehe im Außenbereich grundsätzlich ein Bauverbot, „es sei denn, es handelt sich um ein privilegiertes Vorhaben im Sinne des Paragrafs 35, Absatz eins des Baugesetzbuchs.“

Dies sei bei einem Vorhaben wie der geschaffenen Freizeitanlage jedoch nicht der Fall. Weswegen gegen die Grundstückseigentümerin ein Bußgeldverfahren eingeleitet wurde. Außerdem wurde ihr eine Abbruchsanordnung angedroht.

Hecke muss bis Mai wieder weg

Dass eines Tages die Bagger anrollen und das Gelände von behördlicher Seite platt gemacht wird, wollte Katja Heby nicht. „Ich baue das alles selbst zurück“, sagt sie. Bis Mai müssen demnach alle baulichen Anlagen abgerissen und das Gelände wieder in den Originalzustand versetzt werden.

Und so muss die umtriebige Frau, anstatt die Ruhe und die schöne Landschaft im Stockwald zu genießen, derzeit das Beil schwingen und alle Thujahecken nieder machen. Auch das mit viel Liebe eingerichtete Gartenhäuschen mit kleiner Sonnenterrasse muss weg.

Als ob das nicht reichen würde, musste Katja Heby auch rund 30 kleine Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume entfernen, die sie entlang des Wegs gepflanzt hat. „Die Begründung des Amtes war, dass die Bäume auf einer so genannten FFH-Mähwiese (Flora-Fauna-Habitat), also einem besonders eingestuften Lebensraum (siehe Infokasten) gepflanzt wurden und Veränderungen nicht erlaubt sind.“ Auch eine Eibe musste sie deswegen entfernen.

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Künftig bleibt Katja Heby nur, das sechs Hektar große Grundstück zu pflegen und für die nächste Generation zu erhalten. Ohne dass das Land in irgendeiner Form verändert werden darf.