Fastnachtszeit ist die Zeit zum Feiern und Ausgelassen sein – sollte man vor 25 Jahren meinen. Doch an den freien Tagen locken wohl ferne Ziele und andere Beschäftigungen das einst so zahlreiche Publikum. Hatte das Büttengeschwätz laut SÜDKURIER vom 20. Februar 1995 noch ein volles Haus in der Stadthalle gemeldet, wurde der Hemdglonckerball gerade von 150 Narren besucht.

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Schade, denn die Veranstalter hatten die Rituale am Schmotzigen Donnerstag aufgefrischt und einen Sternenmarsch mit den Klängen der Stadtmusik angeboten. Doch die St. Georgener blieben zurückhaltend. Lediglich die Musikgruppen auf dem Marktplatz fanden etliche Zuhörer.

Selbst Entschärfen bringt nichts

Deshalb wird im SÜDKURIER vom 25. Februar 1995 gerätselt, warum nach fast 30 Jahren Narretei im Städtle nun die Saalfastnacht und die einst so erfolgreichen Hausbälle in der Gastronomie auf so wenig närrische Gegenliebe stoßen. Die Narrenzunft habe vorsorglich den Hemdglonckerball „entschärft“ und bestand bei den Teilnehmern mittlerweile nicht mehr auf Nachthemd und Zipfelmütze als äußerem Zeichen der Fastnacht. Zudem wurden außer jeder Menge Musik und Tanz noch etliche Programmpunkte aus dem Büttengeschwätz geboten. Alles also Zutaten für eine fröhliche Narretei, heißt es im SÜDKURIER.

Fasnet in den Kinderschuhen

Doch die Veranstalter wollen sich vom mangelnden Interesse der Bevölkerung nicht entmutigen lassen. „Die Fastnacht steckt halt in St. Georgen in den Kinderschuhen“, meinte ein Mitglied der Narrenzunft achselzuckend. Nach 28 Jahren sollte die Fastnacht allerdings bereits herausgewachsen sein.

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Als Leuchtturm im närrischen Programm steche halt am Sonntag in schöner Regelmäßigkeit die Kolpingfamilie mit ihrer Fastnachtsfeier in der Unterkirche heraus. Dass die Gastwirte frustriert sind und nicht mehr aktiv werden wollen, könne man verstehen bei dem mangelnden Interesse.

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