Ernst Laufers Wiesen sind fast zum Greifen nahe. Nur eine Brücke über die Brigach und ein Bahnübergang trennen den Stockburger Ortsvorsteher von seinen Feldern. Doch genau das ist das Problem: Die Brücke an der Stockburger Mühle, über die Laufer mit seinen Geräten fahren müsste, ist seit vergangenem November für Fahrzeuge gesperrt. Das Bauwerk ist einsturzgefährdet, die Sanierung verzögert sich. "Wenn ich nächstes Jahr im Juli über die neue fahren kann, wäre ich mittlerweile schon froh", sagt Laufer. Ursprünglich sollte die neue Konstruktion bereits in diesem Sommer stehen.

  • Warum ist die Brücke wichtig? Für Laufer bedeutet die Sperrung vor allem einen Mehraufwand: Rund die Hälfte seiner landwirtschaftlichen Fahrten führt ihn auf die andere Seite von Brigach und Bahn. Dafür muss er jetzt einen beträchtlichen Umweg in Kauf nehmen: "Ein Weg sind jetzt rund zweineinhalb Kilometer", sagt Laufer – statt 50 Metern wie davor. Als deutlich schlimmer schätzt er die Situation aber für seinen Nachbar hinter der Brücke ein. "Er kann sein Haus jetzt nur noch über einen rund einen Kilometer langen Schotterweg erreichen." Im Sommer ginge das noch, im Winter lässt er das Auto dann aber gleich vor der Brücke stehen und läuft darüber, das ist noch erlaubt. "Schnee geräumt wird dahinter erst zuletzt", erklärt Laufer, der für den Bauhof selbst Winterdienst fährt. Die Zufahrt zum Haus ist also unter Umständen kaum möglich. "Die Erreichbarkeit für den Rettungsdienst besorgt mich", so Laufer.
    Denn der steile, schiefe Schotterweg könnte besonders für Feuerwehrautos unter Umständen unpassierbar werden.
  • Warum muss die alte Brücke weg? Es war Laufers Sohn, der vergangenen November entdeckte, dass der Schlussstein der Bogenbrücke ins Wasser gefallen war. Die Stadt untersuchte daraufhin die auch für den Laien sichtlich marode, an vielen Stellen des Gewölbes aufgebrochene Konstruktion aus dem Jahr 1866. Am Abriss des rund 150 Jahre alten Bauwerks führt wegen seines schlechten Zustandes nichts vorbei.
  • Warum dauert es so lange, bis die neue Brücke steht? Kurz gesagt: Weil der Bahnübergang so nahe ist und damit die Auflagen der Bahn hoch. "Mindestens 5,50 Meter muss die Brücke breit sein, damit Begegnungsverkehr möglich ist", sagt Peter Bisswurm, der als Tiefbauingenieur bei der Stadt für den Brückenneubau zuständig ist. "Es wohnen zwar nur drei Leute hinter der Brücke, aber die haben immerhin auch drei Autos", schmunzelt Laufer über die Auflage. In den seltenen Fällen, wo es bis jetzt zu Begegnungen kam, habe einfach ein Auto gewartet. Doch auch andere Faktoren spielen in die Planung. "Wir müssen jetzt verschiedene Stellungnahmen abwarten", so Bisswurm. Neben der Bahn reden auch noch Umwelt- und Wasserschutzbehörden sowie das Flurneuordnungsamt mit. Als neuen Abrissstart visiert Bisswurm nun den kommenden November an – wie lange der Neubau dann dauert, ist noch offen.
  • Was kostet der Ersatz? Die große Frage bleibt noch offen.
    Ursprünglich waren 150 000 Euro für den Neubau angedacht, ob das reicht, werden erst Bodenproben zeigen. Zudem ist möglich, dass das Flurneuordnungsamt den Bau wegen einer laufenden Flurneuordnung fördert und bei der Stadt nur ein mittlerer fünfstelliger Betrag verbleibt – "auch hier müssen wir abwarten", sagt Bisswurm.

 

Auch in Langenschiltach bröckeln die Brücken kräftig

Die Mühlenbrücke ist bei Weitem nicht die einzige marode Brücke in St. Georgen. Viele Brücken untersucht die Stadt nach und nach, bei manchen sind die Überlegungen schon ganz konkret. Weitere Sperrungen von Brücken sind laut Peter Bisswurm kurzfristig nicht zu erwarten.

  • Festplatzbrücke Langenschiltach: Die Brücke muss ersetzt werden. Ende Mai gab es deswegen einen Ortstermin von Stadt und Ortschaftsrat. Zwei Varianten stehen jetzt zur Auswahl: Ein Steg für Fußgänger und Radfahrer oder eine für den Auto- und LKW-Verkehr taugliche Brücke. "Der Steg würde rund 50 000 Euro kosten, die Brücke wohl um die 100 000 Euro, also etwa das Doppelte", sagt Bisswurm.
  • Adlerbrücke Langenschiltach: Auch sie muss weg. Die Entscheidung über den Ersatz ist bereits gefallen "Hier reicht ein Steg für Fußgänger und Radfahrer", sagt Bisswurm.
  • Messtronikbrücke Langenschiltach: Sie ist im Moment noch voll benutzbar, aber baufällig. "Nach erstem Augenschein ist sie aber wohl reparabel und muss nicht komplett ersetzt werden", hofft Bisswurm. Eine umfangreiche Sanierung ist aber nötig. (dod)