Die Zeichen stehen 1891 für den Marktflecken St. Georgen günstig: Schwarzwaldbahn und die neue Schwarzwaldstraße (heute B 33) er-schließen den Ort, die Uhrenherstellung in Heimarbeit ist in vollem Gange, erste Firmen sind gegründet, da beschließt der Bürgerausschuss der Gemeinde (Amt Villingen) am 25. Juni 1891, um die Verleihung des Stadtrechts durch Seine Königliche Hoheit, dem Großherzog von Baden, nachzusuchen. Am 17. Dezember 1891 verleiht Friedrich I. von Baden St. Georgen im Schwarzwald das Stadtrecht. Doch ein Teil der Bevölkerung ist skeptisch: Man befürchtet höhere An-forderungen finanzieller, städtebaulicher wie wasserrechtlicher Art. Die Skepsis ist berechtigt, denn die Stadtentwicklung setzt sowohl wirtschaftlich wie infrastrukturell ein. Die Stadterhebung aber feiern die St. Georgener am Geburtstag des Großherzogs, dem 27. Januar 1892, vermerkt der damalige Bürgermeister Jacob Wintermantel in seinen Notizen.

Wenn heute, 125 Jahre später, die Stadterhebung auch nicht offiziell gefeiert wird, so ist sie doch stets präsent: zum einen im heutigen Stadtbild, zum anderen in Büchern, Almanachen und Urkunden, die der Verein für Heimatge-schichte St. Georgen seit seiner Gründung 1973 akribisch sammelt und in Teilen selbst herausgibt. Stadthistoriker und Zeitzeugen haben viel Wissenswertes zusammengetragen, das jeden Freitag in der Geschichtstruhe, Hauptstraße 34, eingesehen werden kann.

Gut ausgeleuchtet ist die Gründung des Klosters St. Georgen und seine Wirkung über die Ortsgrenzen hinaus. Gut dokumentiert ist aber auch die stete Entwicklung der Stadt. Historische Fotos in Bildbänden ergänzen den Bestand. Neu herausgekommen sind die Berichte aus der Klosterzeit mit der evangelischen Klosterverordnung des Jahres 1556 und über die Fruchtkästen, die zwischen 1659 bis 1728 zum Stadtbild gehörten. Die Broschüre basiert auf Recherchen von Claus Dieter Stockburger und Karl Volk. In der von der Stadt herausgegebenen Festschrift "100 Jahre Stadterhebung St. Georgen im Schwarzwald" von 1991 wird von vielen Autoren gerade diese jüngste Zeit mit all ihren Verwerfungen aufgearbeitet.

Aber immer wieder gibt es Anekdoten, die in keinem Büchlein stehen. So wurde nach der Stadterhebung am 27. Januar 1892, zur Stadterhebungsfeier, Karl Heinemann gewissermaßen als erster offizieller Bürger der Stadt geboren. Er war der vierte Sohn des Fabrikanten Christoph Heinemann, der seit 1836 eine Schmiede betrieb, in der Karl 1937 als Kaufmann arbeitete und die mit Maschinenbau bis Mitte des 20. Jahrhunderts den weltweiten Ruf des Industriestandortes St. Georgen mehrte. Sie existiert nicht mehr. Auf dem Fabrikationsgelände im Schmiedegrund entstanden die Stadtterrasse, ein Einkaufsmarkt und das Haus Elisabeth der Altenhilfe.

Der Verein

Heimathistoriker gründeten am 3. November 1972 in St. Georgen den Verein für Heimatgeschichte. Er hat heute etwa 120 Mitglieder. Neben der Sammlung historischen Schriftguts widmet sich der Verein dem Erhalt des Lapidariums, der Kobisenmühle und der Erforschung der Stadtgeschichte. Vorsitzende sind Martin Rosenfelder und Till Münnich. Die Geschichtstruhe in der Hauptstraße 34 ist jeden Freitag von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Heute, Samstag, zusätzlich von 10 bis 13 Uhr. (boe)