Jeder kennt es: Endlich Feierabend, jetzt nur noch schnell ein paar Teile einkaufen und dann schleunigst ab nach Hause. Lange aufhalten möchte man sich im Supermarkt an der Ecke dann eigentlich nicht. So ging es auch mir gestern Abend. Im Laden angekommen stellte ich jedoch fest, dass offenbar auch viele andere Menschen einen ähnlichen Plan verfolgten. Zwischen den Kühltruhen herrschte hektisches Gedränge, vor dem Brotregal pflaumten sich zwei genervte Jugendliche gegenseitig an und auch die Mitarbeiter flitzten geschäftig von links nach rechts.

An der Kasse angekommen, hatte ich Glück: Die Schlange war kurz. "Nicht mehr lange", dachte ich, "dann geht es in den wohlverdienten Feierabend." Falsch gedacht. Die ältere Dame, die gerade an der Reihe war, legte jeden Artikel in einer atemberaubenden Langsamkeit aufs Kassenband, die wirkte, als halte jemand die Zeitlupen-Taste gedrückt. Die zwei jungen Männer, die hinter der Frau und vor mir standen, wurden unruhig. "23,98 Euro", raunte die Kassiererin. Es folgten die Worte, die in dieser Situation niemand hören will: "Moment, ich hab's passend."

Symbolbild
Symbolbild | Bild: Armin Weigel, dpa

Während ich in der Schlange wartete und mich gezwungenermaßen in Geduld übte, reagierten die beiden Männer vor mir weniger freundlich. In beinahe gebrülltem Flüstern lästerten sie über "die Alte", die "zu blind ist, um ihre Kohle zu finden" und stöhnten alle paar Sekunden laut auf – als ob das irgendetwas beschleunigen würde.

Schließlich war die Frau fertig und die beiden Herren waren an der Reihe. Ihre drei Artikel kosteten insgesamt 5,79 Euro. Einer der beiden zog seine Girokarte aus der Tasche, steckte sie in das Lesegerät und gab den Pin-Code ein. Fehler. Noch ein Versuch. Fehler. Schließlich musste die Karte des Kollegen herhalten. Währenddessen wurde das Grinsen im Gesicht der alten Frau, die gerade ihre Sachen verstaute, immer breiter. "Da war ich ja sogar schneller", sagte sie voller Genugtuung. Und sie hatte Recht.