Fehlender Schnee und frühlingshafte Temperaturen in den bisherigen Wintermonaten verwirren nicht nur die Menschen. Auch für die Tier- und Pflanzenwelt ist das derzeit vorherrschende Wetter irritierend. Hilde Neininger vom Obst- und Gartenbauverein und Imker Mario Schunke zählen auf, welche Auswirkungen der milde Winter auf die Vegetation und die Bienen hat.

Energie für das Frühjahr

„Ideal ist das Wetter derzeit sicherlich nicht“, sagt Hilde Neininger, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins. „Durch die milde Witterung treibt die Vegetation, die Bäume und Pflanzen kommen gar nicht zur Ruhe.“ Für die Flora sei es aber wichtig, dass sie in der Winterzeit zur Ruhe kommen, um Energie für das Frühjahr zu sammeln.

In ihrem Garten wird deutlich, was sie meint, dass die Pflanzen nicht zur Ruhe kommen. Die Schneeglöckchen sprießen bereits unter dem Laub hervor und sogar die Knospen der Weidenkätzchen platzen bereits auf und bringen die pelzigen Blüten zum Vorschein. Auch den Blumenzwiebeln, die im Herbst gesetzt wurden, könnte es frühlingshaft zu warm werden, so dass Tulpen und Krokusse schon bald ans Tageslicht kommen wollen.

Gesundes Wintergemüse

Einen Vorteil haben die schneefreien Tage aber auch. „Wintergemüse wie Grünkohl und Rosenkohl schmeckt jetzt noch intensiver und ist noch gesünder, da man sie länger in der Erde lassen kann, bis man sie erntet, und sie dadurch noch mehr Nährstoffe ansammeln.“

Als Kleingärtner könne man einerseits die schnee- und frostfreie zeit nutzen, um Obstbäume zurückzuschneiden. „Bei Stauden sollte man aber noch bis mindestens April warten“, rät Neininger. Auch der Garten könne beispielsweise vom Laub befreit werden. „Aber man sollte nicht alles aufsammeln, sondern auch noch genügend Laub liegen lassen, was für die Insekten wichtig ist.“

Eine Biene sitzt in einer Blüte und sammelt Nektar.
Eine Biene sitzt in einer Blüte und sammelt Nektar. | Bild: Sprich, Roland

Auch die Bienen geraten aufgrund der Witterung aus ihrem Rhythmus. Mario Schunke und seine Frau Margitta sind seit sechs Jahren Imker. „Grundsätzlich ist die Wärme derzeit nicht gut“, sagt Mario Schunke. Normalerweise sitzt ein Bienenvolk in der kalten Jahreszeit dicht beieinander und wärmt sich gegenseitig.

Dann benötigen sie auch nur wenig Futter. Wird es jedoch zwischendurch immer wieder warm, verlassen die Bienen ihren Stock und fliegen auf Nahrungssuche umher. „Dann verbrauchen sie mehr Energie und man muss mehr zufüttern.“

Zudem kann es sein, dass sie zu früh beginnen, eine neue Brut aufzuziehen. „Dann sind die Bienen damit beschäftigt, die Brut warm zu halten und können nicht wegfliegen, um Nahrung zu suchen. Was zur Folge hat, dass sie verhungern würden“, so Schunke. Für den Imker wäre deshalb ein beständiger Winter besser.

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Auch auf den Ertrag und die Qualität des Honigs hat die zu warme Jahreszeit Auswirkungen. „Wenn es beginnt zu blühen und es kommt dann nochmal ein Frost und die Blüten erfrieren, dann gibt es natürlich keinen Ertrag.“ So würde dann beispielsweise die Löwenzahnblüte im Frühjahr gerade dazu ausreichen, um die Bienen mit Nahrung zu versorgen.

„Aber Honig würde es dann keinen geben.“ Zwar möchte Mario Schunke keine eindeutige Prognose abgeben. „Aber es könnte sein, dass es in den nächsten Jahren keine ertragreichen Honigjahre geben wird.“