Die Freie Schule Brigach boomt. 26 Schüler im aktuellen Schuljahr bedeuten einen deutlichen Zuwachs gegenüber den Vorjahren. Um die Lernqualität zu verbessern plant der Trägerverein "Selbstbestimmtes Lernen" im nächsten Jahr eine bauliche Erweiterung. Das bestehende Gebäude soll etwa um ein Drittel in Richtung Kindergarten verlängert werden. Entstehen sollen Fachräume für Technik und Naturwissenschaften, in einer Küche soll die Schülerfirma wirken. Erneuert wird der Sanitärbereich, ein Treppenhaus ersetzt den bisher notwendigen Fußweg um das Gebäude, um die unteren Räume zu erreichen. Offen ist, ob das Treppenhaus an der Südseite entsteht oder im derzeitigen Eingangsbereich. Vorgesehen ist an der hinteren Gebäudeseite ein außen liegender Lift, der bis ins Dach führt. Ein Ausbau des mit einer guten Bausubstanz versehenen Dachgeschosses ist in der gegenwärtigen Ausbaustufe ausgenommen.

Robert Springmann aus dem vierköpfigen Vorstandsteam geht von Kosten in Höhe von 500 000 bis 700 000 Euro aus. Die Erweiterung soll aus Eigenmitteln, aber vor allem aus Krediten und Darlehen sowie weiteren Quellen finanziert werden, Andreas Knecht, Lehrer und Vorstandsmitglied, hofft auch auf Zuwendungen aus Stiftungen und Förderungen, welche die Barrierefreiheit berücksichtigen. Erleichtert würde die Finanzierung, wenn das Land die Bildungsarbeit der Freien Schulen mit einem höheren Betrag pro Schüler honorieren würde, spricht Springmann ein Dauerthema an.

Wegen der anstehenden Aufgaben wurde der Vorstand im November von drei auf vier Personen erweitert. Ihm gehören ferner Daniela Dold und die zweite Lehrkraft Beate Kordalewski an. Im Gremium verschmelzen Vorstands- und pädagogische Arbeit, sagte Springmann. Das Arbeitsaufkommen nehme zu. Wegen des anstehenden Bauprojektes, aber auch des steigenden Interesses von Eltern. Inzwischen führe die Schule eine Interessentenliste und werde von Gründungsinitiativen um praktischen Rat gefragt. So erfährt die Freie Schule, die kleinste im 20 Mitgliederschulen zählenden Landesverband, einen Bedeutungszuwachs, den sie in den nächsten Jahren mit einem Schülerzuwachs nicht abbilden kann. In der Bauphase bleibe es bei rund 25 Schülern, kündigt Springmann an. Danach werde man weitersehen.

Die Freie Schule möchte erweitern. Daniela Dold und Robert Springmann aus dem Vorstand des Trägervereins "Selbstbestimmtes Lernen" zeigen das Vorhaben anhand eines Modells.
Die Freie Schule möchte erweitern. Daniela Dold und Robert Springmann aus dem Vorstand des Trägervereins "Selbstbestimmtes Lernen" zeigen das Vorhaben anhand eines Modells. | Bild: Wursthorn, Jens

Das wachsende Interesse an der Reformschule führen die Vorstandsmitglieder auf verschiedene Ursachen zurück. Im von gegenseitiger Rücksicht geprägten Schulalltag blühen Kinder auf, die in der Regelschule Probleme haben. "Egal ob das der Notendruck ist oder Mobbing", sagt Andreas Knecht, der im 5. Jahr in Brigach für das Konzept "brennt" und seinen Schülern auch gerne Anleitungen und Impulse zum Selbstlernen gibt. Dazu kommen die guten Noten, welche Prüflinge der Freien Schule in den Schulfremdenprüfungen erzielen. Wenn regelmäßig auf Kreisebene der erste Platz nach Brigach geht, verfliegt das gehässige Vorurteil, in Brigach landeten nur jene Schüler, die es auf der staatlichen Schule nicht schaffen.

Für Robert Springmann habe sich die harmonische Vorstandsarbeit und das gute Unterrichtskonzept inzwischen herumgesprochen. Ein Lehrerwechsel und die damit verbunden Verpflichtung von Andreas Knecht zeige hier Wirkung. Hinzu komme die Beobachtung, dass offenbar viele Eltern nach Alternativen zum staatlichen Schulsystem suchten. Ein Neugründungsinteresse sei auch innerhalb des Verbands zu beobachten.

Freie Schule Brigach

Die Freie Schule Brigach ging 2006 in Betrieb. Zunächst nur als Grundschule konzipiert, kann die Einrichtung im alten Brigacher Schulhaus inzwischen auch die mittlere Reife vermitteln. Gegenwärtig wird sie von 26 Kinder und Jugendlichen besucht, die von zwei Lehrkräften unterrichtet werden. Das Einzugsgebiet der Schüler reicht bis Furtwangen und Villingen und Schönwald. Fünf Schüler stammen aus St. Georgen, eine Schülerin aus Brigach. Betrieben wird die Schule vom Verein "Selbstbestimmtes Lernen". Die Reformschule soll Kindern einen selbstbestimmten Lebensweg ermöglichen. Im Mittelpunkt der Pädagogik steht das einzelne Kind mit Stärken, Schwächen und individuellem Lern- und Entwicklungstempo. (wur)