Als am Samstag nach dem Abschlusskonzert des musikalischen Festivals des Bergstadtsommers in der Stadthalle der Schlussakkord verklingt, findet der Beifall kein Ende. Und der ist mehr als wohlverdient.

Eintauchen in die Welt der Romantik

Unter der Stabführung von Karsten Dönneweg gastiert das Schwarzwald Kammerorchester in großer Besetzung wieder einmal in der Stadthalle und entführt das zahlreiche Publikum in die Welt der Romantik. Und lässt somit allen Raum zum eigenen Musik-Erleben, auch zum sich Fallenlassen in die harmonisch umgesetzten Träume der Komponisten.

Schumann und Brahms musikalisch vertreten

Dass mit Robert Schumann (1810-1856) und Johannes Brahms (1833-1897) zwei miteinander befreundete Komponisten vertreten sind, ist nur eine Petitesse des Abends. Der eine hatte die Pianistin Clara Wieck geheiratet, der andere dieselbe Frau mehr als verehrt. Clara Schumann war dann auch bei der Uraufführung des Klavierkonzerts a-Moll op. 54 im Jahre 1845 der Star am Flügel.

Frank Dupree beweist sein Können

In St. Georgen bewies einmal mehr der junge Frank Dupree sein herausragendes Können am Flügel. Das dreisätzige Konzert, das man der Gattung Fantasie zuordnen kann, beginnt mit einem Dominantschlag, nachdem sich Soloklavier und Orchester positioniert haben. Im Folgenden verweben sich Themen und Nebenthemen zu einem einander konkurrierenden Klangteppich, wieder gegeben durch Soli am Klavier und im Tutti des Orchesters. Das führt spannungsgeladen zu einer Kadenz, die Frank Dupree leicht und locker meistert. Der Schluss des ersten Satzes hat kämpferischen Charakter, der im folgenden Intermezzo gedämpft, von Streichern und Klavier feinfühlig aufgelöst wird. Es folgt im dritten Satz ein variantenreiches, dem Pianisten freien Raum gebendes Bearbeiten der jeweiligen Themen, das mit kräftigen Bassläufen am Klavier und einem Paukenwirbel endet. Für den folgenden Applaus bedankt sich Dupree mit der Arabeske von Schumann, einem leichten, zum Konzertabend passenden Klavierstück.

Pianist lässt Brahms sommerlich wirken

Brahms Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73 ist nicht weniger träumerisch als Schumanns Klavierkonzert. Der Komponist setzt sich in seiner viersätzigen Sinfonie musikalisch mit der Natur, der leichten Sommerstimmung, auseinander und gibt somit einen fröhlichen Eindruck wieder – was für Brahms eher untypisch ist, da er als ernster und „dem Grabe zugewandter Mensch“ gilt.

Dönneweg im Einklang mit Orchester

Der Komposition liegt ein Thema, ausgelöst durch die Streicherbässe, zu Grunde, das in allen vier Sätzen musikalisch ausgelotet wird. Hier sind Holz- wie Blechbläser gefragt, gefolgt von den Streichern. Karsten Dönneweg gibt unaufgeregt die Richtung vor, das Orchester folgt ihm problemlos und exzellent in allen Registern. So gerät die Sinfonie für die Zuhörer zu einem eher frühlingshaft, leichten Hörerlebnis, das mit tonleiterartigen Skalen zum Seitenthema in den Trompeten führt, was einen glanzvollen Schlusspunkt bildet. Danach setzt der nicht endende Beifall ein, den Bürgermeister Michael Rieger mit Blumensträußen für Gesa Jenne-Dönneweg (1. Geige), Frank Dupree und Karsten Dönneweg nicht unterbrechen wollte.