Zum Tanzpalast der 1930er Jahre verwandelt sich das Forum am Bahnhof. Mit einer Ballnacht, bei der das Tanzorchester Metropol den Takt angibt, wollen Jörg und Susanne Wisser ein neues Veranstaltungsformat in den kultigen Räumlichkeiten etablieren. Sie legen dazu auch höchsten Wert auf ein authentisches Feeling. Die beschwingte Zeitreise am Samstag, 5. Mai, entwickelt in einem Auto- und Technik-Museum inmitten prächtig herausgeputzter Vorkriegsoldtimer an sich schon ein wunderbares Ambiente. Ganz dem Stil der Zeit verbunden, werden die Gäste auch bei der Auswahl ihrer Abendgarderobe um besondere Sorgfalt gebeten. Da darf sich der Chic der 1920er verbreiten, wenn die Damen in die Rolle von Diva oder Varietégirl schlüpfen oder die Herren sich als Dandy, Gigolo oder Mafiaboss gerieren. Aber schon mit schwarzem Anzug, Fliege, Hemd und – falls vorhanden oder leihbar – einem Zylinder entstehe ein "Herr von Welt".

Und dass dieser dann mit seiner Holden Charleston, Tango, Foxtrott oder Walzer tanzen kann, dafür sorgt das "Metropol". "Unser Repertoire ist abendfüllend", verspricht Oliver Albrecht im Namen von 15 Enthusiasten, welche die Tanz- und Filmmusik der Zwanziger bis Vierziger bis in die Details verinnerlicht haben. Fast alle sind Berufsmusiker, die meisten sind Musiklehrer; gemeinsam ist ihnen ein professioneller Anspruch, der optisch schon damit ansetzt, wenn Musiker eines stilechten Tanzorchesters im Smoking Ballstimmung verbreiten. Er setzt sich musikalisch fort, wenn die Gassenhauser aus Opas Jugend nach originalen Arrangements eine Wiederbelebung erfahren.

Die Noten lässt sich Oliver Albrecht aus den USA zu sich nach Hause nach St. Blasien schicken. Er unterrichtet an der Jugendmusikschule in Furtwangen Akkordeon, das Saxophon spielt er im Tanzorchester. Auf der Metropol-Homepage firmiert er augenzwinkernd als Kapellmeister, bei Auftritten dirigiert er das Ensemble eher unsichtbar.

Dank der Vielzahl der Instrumente können die Musiker die verschiedensten Richtungen abdecken. Ob nun Jive, Jitterbug oder Lindy Hop: Auch bei den Tanzstilen darf es ins Detail gehen. "Am liebsten aber spielen wir den Swing der Zwanziger und Dreißiger", strahlt der "Kapellmeister", der mit 14 Jahren begonnen hat, Schellackplatten zu sammeln. Das kommt in der klassischen Swingbesetzung – vier Saxophone, zwei Trompeten, Posaune, drei Geigen und Rhythmusgruppe – ebenso unangestrengt-perfekt zur Geltung wie bei den begeisternden Improvisationen der Jazz-Solisten.

Ballnacht-Premiere

Die Ballnacht im Forum am Bahnhof (Fab) soll sich als eigenständige neue Reihe etablieren. Karten für die Premiere am 5. Mai gibt es für 46 Euro im Vorverkauf bei Feinkost Hoppe, auf der Fab-Homepage oder über Facebook. Inbegriffen ist ein viergängiges Überraschungsmenü, das auch vegetarisch sein kann. Einlass ist um 18 Uhr, das Tanzorchester spielt ab 19 Uhr auf. (wur)