Der im Frühjahr 2016 entdeckte und danach provisorisch eingedämmte Schimmelbefall im Untergeschoss der Robert-Gerwig-Schule hat sich zum großen Sanierungsproblem mit entsprechenden Kosten entwickelt: Einer großen Lösung stimmte der Gemeinderat am Mittwochabend zu. Aus einer ersten Kostenschätzung aus dem Sommer 2016 in Höhe von 200 000 Euro wuchs nach Rat des Architekten und bauphysikalischer Expertise ein Kostenansatz von 1,1 Millionen Euro: um das Gebäude auch jenseits eines Schulbetriebs zu erhalten.

  • Problemlage: Im Keller des alten Schulgebäudes sind Innen- und Außenwände feucht und sind von Schimmel befallen. Der Technik-Unterricht für die Werkrealschüler findet gegenwärtig im Technologiezentrum statt. Die Feuchtigkeit dringt auf zwei Hauptwegen ins Gebäude ein: Von unten steigt Bodenfeuchtigkeit auf, von außen bedingen kaputte Fallrohre, dass die Sandstein-Außenmauer durchnässt wird. Die Regenfallrohre, aus Ton oder Beton, durch die das Wasser vom Dach ins Erdreich geführt wird, seien nahezu alle kaputt, sagte Erik Fischer vom Ingenieurbüro Kurz und Fischer. Teils sind sie verschlammt, teils passen die Rohre gar nicht zusammen. Das Wasser läuft die Hauswand hinab, eine Nässedämmung von außen habe die Schule in ihrem Bestehen nie gesehen, im Boden sammelt sich Sickerwasser. Im Flur des Untergeschosses wölbt sich der Fliesenboden in bestimmten Bereichen bis zu zehn Zentimeter auf. Völlig unklar ist Lage und Funktion der Leitungen unter dem Industrieparkett in mehreren Werkräumen.
Die Regenfallrohre an der Schule sind größtenteils kaputt.
Die Regenfallrohre an der Schule sind größtenteils kaputt. | Bild: Wursthorn, Jens
  • Sanierung: Fischer und auch der beauftragte Architekt Jörg Haas schlagen der Stadt vor, sowohl von den Außenwänden her (vertikal) als auch zusätzlich von unten (hoizontal) zu sanieren. Es geht dabei darum, den Feuchtigkeitsaufstieg über die Außenmauer zu verhindern. Dabei wird auf Höhe des Kellerbodens die gesamte im Schnitt 80 Zentimeter starke Außenmauer mit einer Seilzugsäge aufgeschnitten: auf 160 laufenden Metern. In die entstehende Lücke werden Chromnickelstahlbleche eingefügt, die sich überlappen. Im Inneren des Gebäudes wird insbesondere im Bereich der Außenmauern der Boden abgetragen. Die Grundfläche im Keller beträgt 578 Quadratmeter. Nicht überall müsse der Boden ausgehoben werden, so Stadtbaumeister Alexander Tröndle. Die Wiederherstellung auf dem Sandboden erfolgt im klassischen Muster: Schotter, Folie, wasserundurchlässiger Beton, Dämmung, Estrich und Belag. Nicht zu vergessen ist das Abschlagen des Innenputzes und die Aufbringung eines Sanierungsputzes auf geschätzt 1000 Quadratmetern Oberfläche. Bei der Vertikalsanierung wird bis etwa 1,50 Meter Tiefe das Erdreich abgegraben und auf das aus Sandstein und Findlingen bestehende Mauerwerk ein wasserabweisender Beton, eine Bitumen-Sperrschicht, eine zwölf Zentimeter starke Dämmung und zuletzt ein Feuchtigkeit abweisenden Blech aufgetragen. Diese Maßnahmen finden unterhalb des Straßenniveaus statt. Um das Gebäude wird eine Drainage angelegt, die Abwasserführung erfolgt über neue Rohre und Drainage in den Mischwasserkanal in der Schulstraße. Vorgesehen ist ein barrierefreier Zugang zum Untergeschoss.
  • Alternative: Bei einer Beschränkung auf eine Vertikalsanierung wäre die Feuchtigkeitsproblematik unter Umständen Jahre später aufgetreten: mit erhöhten Sanierungskosten. Auf eine Sparsanierung angesprochen, meinte Fischer, dass die Gebäudesubstanz darunter lange nicht leiden würde. Elternproteste wegen des fortgesetzten Schimmelproblems seien da früher zu erwarten.
  • Zeitrahmen: Die Umsetzung der Sanierung soll in etwa sechs Monaten abschnittsweise während des Schulbetriebs erfolgen. Die als Lärmquelle gefürchtete Säge wird dabei deutlich kürzer im Einsatz sein, sagte Tröndle. Die Umsetzung soll 2019 erfolgen. Damit soll genügend Zeit bleiben, für den Arbeitsprozess Sägen eine renommierte Fachfirma verpflichten zu können.
Schulleiter Jörg Westermann zeigt im Flur des Untergeschosses der Robert-Gerwig-Schule das Dilemma. Die Feuchtigkeit hat die Bodenfliesen angehoben. <em>Bilder: Jens Wursthorn</em>
Schulleiter Jörg Westermann zeigt im Flur des Untergeschosses der Robert-Gerwig-Schule das Dilemma. Die Feuchtigkeit hat die Bodenfliesen angehoben. Bilder: Jens Wursthorn | Bild: Wursthorn, Jens
  • Kosten: In der Beschlussvorlage stehen geschätzte Summen für die vertikale Abdichtung (263 300 Euro), die horizontale Abdichtung (239 110 Euro), die Sanierung von Böden und Wänden (430 130 Euro) und Honorare (184 700 Euro). Die Maßnahme kann nicht im laufenden Haushalt abgebildet werden. Wird ihr Umfang im Zusammenhang mit dem Nachtragshaushalt ermittelt, kann ausgeschrieben werden. Auch wenn die Finanzierung über den Haushalt 2019 erfolgen sollte. Kämmerer Stephan Fix prüft, ob eine Förderung über das Landesprogramm Schulhaussanierung erfolgen kann.
  • Stimmen: Die Gemeinderäte waren sich nahezu einig, die notwendigen Kosten zur Erhaltung des stadtprägendenen Gebäudes aufzubringen, auch wenn dies, so Joachim Kleiner (FW) zur Unzeit komme. André Müller und Georg Wentz (beide FDP) enthielten sich bei der Abstimmung.
  • Historie: Das alte Schulhaus der Robert-Gerwig-Schule wurde 1905 als Volksschule für mehr als 600 Schüler eingeweiht. Mit untergebracht war eine moderne Haushaltsschule mit Schulküche. Das Volksbad im Unterschoss wurde 1955 aufgegeben. Eine Generalsanierung erfolgte 1996/97.

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