Wer dieser Tage abends an der Lorenzkirche vorbeigeht, sieht hinter den farbigen Fenstern häufig noch Schatten vorbeihuschen, wo eigentlich keine sein sollten. In diesen Höhen ist normalerweise auch niemand anzutreffen.

Seit einer Woche aber sind zwei Orgelbauer in der Kirche am Werk, und das an so manchen Tagen bis in die Abendstunden.

Auf der Höhe des großen Mosaikfensters sind die Einstiege in die oberen Orgelkästen.
Auf der Höhe des großen Mosaikfensters sind die Einstiege in die oberen Orgelkästen. | Bild: Rolf Hohl

Angefangen haben die beiden Spezialisten aus Leonberg mit ihrer Arbeit bereits vergangene Woche, während gleichzeitig ehrenamtliche Helfer der evangelischen Kirchengemeinde das Gerüst aufbauten, wie Kantor Jochen Kiene berichtet.

Fast bis unter die Decke ragt das Gerüst, um links in den Orgelkasten zu gelangen.
Fast bis unter die Decke ragt das Gerüst, um links in den Orgelkasten zu gelangen. | Bild: Rolf Hohl

Gut sechs Meter hoch ragt dieses jetzt zwischen den beiden Orgelkästen in die Höhe, damit die teils meterlangen Pfeifen einigermaßen gefahrlos aus den Kästen geholt werden können.

Blick von oben in den linken der beiden oberen Orgelkästen.
Blick von oben in den linken der beiden oberen Orgelkästen. | Bild: Rolf Hohl

Bevor es allerdings soweit ist, werden in jedem der 42 Register des Instruments sogenannte Probetöne genommen. „Die braucht man, um die Pfeifen dann in der Werkstatt aufeinander abzustimmen“, erklärt Kiene. Bis dahin ist die Orgel denn auch noch nicht ganz verstummt: immer wieder hallen einzelne Töne durch die Kirche, bis sie so klingen, wie die Orgelbauer sie haben möchten.

Für einen wärmeren Klang

Dazu verändern sie die Größe der Oberlabio, jener kleinen Öffnung auf der Vorderseite jeder Pfeife. „Das führt genau zu dem warmen Ton, den wir später haben wollen“, so der Kantor, der die Arbeiten begleitet.

Es gibt auch Pfeifen aus Holz, die ebenfalls ausgebaut und neu gestimmt werden müssen.
Es gibt auch Pfeifen aus Holz, die ebenfalls ausgebaut und neu gestimmt werden müssen. | Bild: Rolf Hohl

Erst wenn diese Probetöne alle genommen sind, werden die knapp 4000 Pfeifen der Orgel ausgebaut und für den Abtransport in die Werkstatt vorbereitet. Doch auch dann herrscht in der Lorenzkirche kein Stillstand, denn zur umfassenden Renovierung der Orgel gehört auch eine neue elektronische Steuerung, welche die hoch komplexen Einstellungen an dem Instrument vereinfachen soll.

Einblick in die komplexe Mechanik, die für die gleichmäßige Luftzufuhr zuständig ist.
Einblick in die komplexe Mechanik, die für die gleichmäßige Luftzufuhr zuständig ist. | Bild: Rolf Hohl

„Dazu kommt in der nächsten Woche dann eine Technikerin hierher, die das Ganze installieren wird, während die Pfeifen in der Werkstatt sind“, sagt Kiene. Bis das Instrument zu Pfingsten Ende Mai dieses Jahres wieder bespielbar sein wird, bleiben ihm aber noch eine Menge ungewöhnliche Ein- und Ausblicke auf sein riesiges Instrument.

Der Gerüstaufbau von unten gesehen.
Der Gerüstaufbau von unten gesehen. | Bild: Rolf Hohl

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